Freiberufliche Tätigkeit anmelden: Das müssen Sie beachten

F

Auf den ersten Blick ist der Traum vom Freelancing das Nonplusultra: Freiberufler sind unabhängig und können ihre Arbeitszeit weitestgehend selbst bestimmen. Besonders in einer Welt, in der es vor Influencern und Bloggern nur so wimmelt, träumt vorwiegend die jüngere Generation davon, sich selbstständig zu machen. In der Praxis könnte der Respekt vor übermäßiger Bürokratie und haufenweise Papierkram schon bei der Anmeldung der freiberuflichen Tätigkeit eine Hürde darstellen – wir zeigen, was Sie beachten müssen.

Um sich zu Anfang einen Überblick über das eigene Business und die anfallenden Tätigkeiten verschaffen zu können, ist es generell für jeden angehenden Unternehmer ratsam, einen Businessplan aufzustellen – so auch für Freiberufler. Um sich optimal vorzubereiten, ist es ratsam, an sogenannten Existenzgründungsseminaren (z. B. bei der örtlichen IHK) teilzunehmen. Diese bieten eine gute Möglichkeit, die Selbständigkeit im Detail zu planen und offene Fragen im Vorfeld zu klären.

Gewerbeanmeldung oder freiberufliche Tätigkeit

Bei der Anmeldung müssen Sie wissen: Selbstständigkeit ist nicht gleich Selbstständigkeit. Abhängig von der Branche und gesteckten Zielen, müssen sich zukünftige Unternehmer Gedanken machen, in welche Richtung die berufliche Laufbahn eingeschlagen werden soll. In Deutschland wird das Gewerbe plus Gewerbeanmeldung von der freiberuflichen Tätigkeit abgegrenzt. Der Vorteil dieser gegenüber dem Betreiben eines Gewerbes, ist die Befreiung von der Gewerbesteuer.

Zu den freiberuflichen Bereichen gehören laut Einkommensteuergesetz künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeiten. Zusätzlich werden sogenannte Katalogberufe wie Ärzte, Ingenieure oder Rechtsanwälte als Freiberufler eingestuft. Welcher Kategorie Sie angehören, prüft das zuständige Finanzamt. Zusätzlich sollten Sie klären, ob Sie Abgaben an die Künstlersozialkasse leisten müssen. Laut §1 Künstlersozialversicherungsgesetz ist jede Person versicherungspflichtig, die eine “künstlerische oder publizistische Tätigkeit erwerbsmäßig und nicht nur vorübergehend” ausübt.

Vergleich freiberufliche gewerbliche Berufe
Beispiele für typische freiberufliche und gewerbliche Berufsgruppen

Tendenziell kann man davon ausgehen, dass eine Gewerbeanmeldung ausgeführt werden muss, wenn die Berufsbezeichnung nicht unter den Tätigkeitsfeldern im Einkommensteuergesetz gelistet ist. Wer die Gewerbeanmeldung nicht umgehen kann, hat auch die Möglichkeit die Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen. Falls Sie bereits mit anderen Freiberuflern in Kontakt sind, können Sie sich auch gemeinsam selbstständig machen. In dem Fall können Sie die Rechtsform der Partnergesellschaft wählen –  hier ist kein Startkapital vonnöten, allerdings haften die beteiligten Personen, ähnlich wie bei der Rechtsform der offenen Handelsgesellschaft (OHG), mit ihrem Privatvermögen.

Wo kann man die freiberufliche Tätigkeit anmelden?

Für die Anmeldung als Freiberufler reicht es, ein formloses Schreiben aufzusetzen und an das örtliche Finanzamt zu schicken. In manchen Orten sind mehrere Finanzämter ansässig – zu welchem Zuständigkeitsbereich Sie gehören, finden Sie beispielsweise auf Ihrer Steuererklärung. Im Zweifelsfalls kann das Bundeszentralamt für Steuern eine genauere Auskunft geben.

Sie sind Freelancer und suchen Projekte?

Wann und wie muss man die freiberufliche Tätigkeit anmelden?

Für Gründer ist es empfehlenswert, die Tätigkeit anzumelden, bevor oder sobald der erste Auftrag angenommen wurde. Die Anmeldefrist liegt bei vier Wochen. Das formlose Schreiben ans Finanzamt sollte folgende Punkte beinhalten:

  • Name
  • Anschrift
  • Kontaktdaten (Telefonnummer, E-Mail-Adresse)
  • Datum, an dem die selbstständige Tätigkeit begonnen wird
  • Beschreibung der ausgeübten Tätigkeit
  • Steuerliche Identifikationsnummer

Musterschreiben zur Anmeldung der freiberuflichen Tätigkeit

Sehr geehrte Damen und Herren,

ab dem [Datum] werde ich die freiberufliche Tätigkeit als [Berufsbezeichnung] aufnehmen.

Bitte senden Sie mir den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung und meine persönliche Identifikationsnummer zu.

Meine bisherige Steuernummer lautet: [Steuernummer]

Mit freundlichen Grüßen,
Freelancer XY

Nachdem der angefragte Fragebogen ausgefüllt und zurückgeschickt wurde, entscheidet das zuständige Amt, ob die Tätigkeit als freier Beruf zählt oder einer Gewerbeanmeldung bedarf. Wer sich im Vorfeld beraten lassen möchte, kann einen Termin beim Finanzamt vereinbaren und sich zusätzlich zur Umsatz- und Einkommensteuerpflicht beraten lassen. Wenn Sie im Vorjahr ein maximales Bruttoentgelt von 17.500 Euro erwirtschaftet haben und einen Bruttoverdienst von höchstens 50.000 Euro im kommenden Jahr planen, könnte für Sie ebenfalls die Kleinunternehmerregelung interessant sein.

Hinweis: Nicht nur die haupt-, sondern auch die nebenberufliche Tätigkeit muss auf die diese Weise angemeldet werden.

Über den Autor

Karoline Grimm

Karoline Grimm studierte Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit mit technischem Schwerpunkt an der TH Nürnberg. Bereits während der Studienzeit interessierte sie sich für Bloggen, SEO, Social-Media und weitere Marketing-Themen. In ihrer Freizeit engagiert sie sich für Nachhaltigkeit und Tierschutz. Seit Dezember 2018 ist sie im Online-Marketing bei freelancermap.de tätig.

Von Karoline Grimm

Brandneu