Rechtsformen für Freiberufler

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Ob GbR, GmbH, UG oder AG – in Deutschland gibt es verschiedene Rechtsformen für Gründer. Dabei muss zwischen Einzelunternehmen, Kapitalgesellschaften und Personengesellschaften unterschieden werden. Wichtig für freie Experten: Sind sie ohne Partner tätig, müssen sie keine Unternehmensform nutzen.


Inhalt des Artikels:

  1. Einzelunternehmen mit unbeschränkter Haftung
    1. Freiberufler
    2. Kleingewerbe
  2. Einzelunternehmen mit beschränkter Haftung
  3. GbR
  4. PartG
  5. Übersicht
  6. Fazit

Einzelunternehmen mit unbeschränkter Haftung

Freelancer, die sich ohne Partner selbstständig machen wollen, können zwischen zwei Formen des Einzelunternehmertums wählen: der nicht-gewerblichen und der gewerblichen Tätigkeit. In beiden Fällen muss es sich bei dem Gründer, laut Gesetz, um eine rechtlich natürliche Person handeln. Wichtig: Bei beiden Formen des Einzelunternehmens, müssen Vor- und Nachname in der Geschäftsbezeichnung enthalten sein.

Nicht-gewerbliches Einzelunternehmen: Freiberufler

Zuallererst: „Freiberufler“ per se ist keine Rechtsform. Um die freiberufliche Tätigkeit anzumelden, reicht ein Gang zum Finanzamt. Ob Ihre Beschäftigung als freiberuflich gilt, können Sie im Katalog nachschauen, spätestens bei der Anmeldung beim Finanzamt, wird Ihnen jemand Bescheid gegeben, ob Sie mit Ihrer Berufsbezeichnung in das Raster fallen. Generell gelten, nach Einkommenssteuergesetz, erzieherische, künstlerische oder beispielsweise beratende Tätigkeiten zu den freien Berufen.

Tipp: Um sich als freier Experte die Umsatzsteuervoranmeldung zu sparen, können Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Diese kann Gründern, die als Freiberufler eingetragen sind, den bürokratischen Aufwand wesentlich vereinfachen.

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Gewerbliches Einzelunternehmen: Kleingewerbe

Wer sich als Einzelunternehmer die Gewerbesteuer sparen will, kann sich als Kleingewerbetreibender eintragen lassen. Hierzu ist allerdings eine Gewerbeanmeldung notwendig. Der bürokratische Aufwand bei der Buchhaltung hält sich hier noch in Grenzen: eine einfache Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) reicht aus.

Der Vorteil der Kleingewerbes, birgt die Möglichkeit, Mitarbeiter einstellen zu können. Wie bei der Anmeldung freier Berufe, besteht der Nachteil darin, dass der Gründer im Schadensfall mit seinem gesamten Vermögen (geschäftlich und privat) haftet. Somit müssen sich sowohl freiberuflich Tätige, als auch Kleingewerbetreibende, um eine gute Versicherung kümmern.

Achtung: Das Kleingewerbe ist nicht mit dem Kleinunternehmen gleichzusetzen!

Einzelunternehmen mit beschränkter Haftung

Die Erfahrung zeigt, dass Freelancer tendenziell die beiden vorangehenden Formen des Einzelunternehmertums nutzen. Trotzdem können freie Experten aus weiteren Unternehmensformen wählen. Um zu vermeiden, dass sie dem Privat- und Betriebsvermögen haften, können Freiberufler eine Ein-Personen-GmbH oder eine Ein-Personen-Unternehmergesellschaft (UG) gründen. Beide Rechtsformen haben einen enormen Vorteil gegenüber dem Einzelunternehmertum: In beiden Fällen gilt, dass der Gründer lediglich mit seinem Firmenvermögen aufkommt, sie sind somit haftungsbeschränkt. Die beiden Unternehmensformen unterscheiden sich im Startkapital:

Rechtsformen mit beschränkter Haftung bedürfen Start- und Stammkapital.
  • GmbH: 25.000 Euro Stammkapital, davon 12.500 Euro Startkapital
  • UG: 1 Euro Startkapital, Pflicht zur Bildung von Rücklagen (25% der Jahresgewinns fließen in das Stammkapital)

Die UG wird im allgemeinen Sprachgebrauch als auch „Mini-GmbH“ bezeichnet. Jungunternehmer wählen oftmals die UG vor einer GmbH, wenn nicht genügend Eigenkapital vorhanden ist, oder kein Gründungszuschuss bzw. Kredit gewährt wurde.

Für Freiberufler oder Freelancer, die sich nicht allein selbstständig machen wollen und gemeinsam die Welt der Selbstständigkeit erobern wollen, stehen weitere Rechtsformen für die freiberufliche Tätigkeit zur Verfügung.

Gesellschaft bürgerlichen Rechts aka GbR

Die GbR, oder auch BGB-Gesellschaft, gilt als Kapitalgesellschaft und ähnelt in dessen Konditionen dem Kleinunternehmertum. Allerdings können sich in diesem Fall mehrere Freiberufler zu einer Arbeitsgruppe zusammenschließen. Wichtig ist hierbei nur, dass lediglich „reinrassige“ bzw. homogene Freiberufler-Gruppen eine Partnerschaft eingehen dürfen: GbRs aus Nicht-Freiberuflern und Freiberuflern sind in dieser Rechtsform nicht erlaubt.

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Die Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts muss, wie die Anmeldung der freiberuflichen Tätigkeit, beim Finanzamt angemeldet werden. Eine schriftliche Vertragsvereinbarung bedarf diese Rechtsform nicht, ist allerdings empfehlenswert. Im Schadensfall kann der Gläubiger Forderungen sowohl gegen einzelne Gesellschafter der GbR, als auch gegen alle Mitglieder der Gesellschaft, geltend machen. Hier gilt die unbeschränkte Berufshaftung.

Partnerschaftsgesellschaft aka PartG

Die Rechtsform der Partnerschaftsgesellschaft wurde speziell für freie Berufe geschaffen und kann somit auch nur von Freiberuflergruppen gegründet werden. Im Gegensatz zu GmbHs oder UGs, müssen die potenziellen Partner kein Mindestkapital besitzen. Die Haftung für Mitglieder der PartG ist unbeschränkt, alle Gesellschafter kommen im Schadensfall mit ihrem Privat- und Geschäftsvermögen auf. In Ausnahmefällen kann die Haftung auf bestimmte Partner beschränkt werden – dies müssen die Vertragsparteien allerdings, im Zuge der Gründung, im Partnerschaftsvertrag festhalten.

Übersicht: Welche Rechtsform kann ich als Freiberufler wählen?

Freiberufler Kleingewerbetreibender 1-Personen-GmbH, 1-Personen-UG PartG GbR
Gewerbeanmeldung nein ja ja ja ja
Mindestkapital nein nein ja nein nein
Buchführung einfache Buchführung (EÜR) einfache Buchführung (EÜR) doppelte Buchführung (Bilanz, GuV) einfache Buchführung (EÜR) einfache Buchführung (EÜR)
Anzahl Gründer 1 1 1* mind. 2 mind. 2
Haftung unbeschränkt unbeschränkt beschränkt unbeschränkt unbeschränkt

* gewöhnliche GmbHs und UGs können von beliebig vielen Gesellschaftern gegründet werden

Fazit

Gleichen Sie ab, was für Sie (und ggf. ihre Partner) das Richtige ist – die beste Rechtsform für Freiberufler gibt es nicht. Für frischgebackene Freelancer ist es ratsam, vorerst lediglich eine freiberufliche Tätigkeit anzumelden. Da in diesem Fall kein Startkapital von Nöten ist, gilt diese Rechtsform wohl auch als typische Wahl für Neueinsteiger.

Angehende Freelancer müssen sich umfangreich mit dem Thema Versicherungen auseinanderzusetzen, um beim Schadensfall abgesichert zu sein. Mit zunehmender Erfahrung und steigendem Umsatz, können die Möglichkeiten anderer Rechtsformen in Betracht gezogen werden. Wenn Sie sich unsicher sind, welche Form Sie wählen sollen, konsultieren Sie einen Steuerberater.

 Weitere Informationen zum Start in die Selbstständigkeit:

Über den Autor

Karoline Grimm

Karoline Grimm studierte Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit mit technischem Schwerpunkt an der TH Nürnberg. Bereits während der Studienzeit interessierte sie sich für Bloggen, SEO, Social-Media und weitere Marketing-Themen. In ihrer Freizeit engagiert sie sich für Nachhaltigkeit und Tierschutz. Seit Dezember 2018 ist sie im Online-Marketing bei freelancermap.de tätig.

Von Karoline Grimm

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