Freiberufler vs. Angestellter: Vorteile und Nachteile im Vergleich

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Viele Deutsche träumen davon, sich selbstständig zu machen. Tatsächlich wird es immer attraktiver, sein eigener Chef zu sein und selbstbestimmt zu arbeiten, anstatt sich in festgefahrene Muster einfügen zu müssen. Der Drang nach beruflicher Freiheit blendet oft die weniger angenehmen Aspekte der Arbeit als Freelancer sowie die Sicherheiten des Angestelltenverhältnisses aus. Welche Vor- und Nachteile gibt es jeweils?


Inhalt des Artikels:

  1. Der Arbeitsvertrag
  2. Die Arbeitszeiten
  3. Der Arbeitsplatz
  4. Die Jobsicherheit
  5. Die finanzielle Sicherheit
  6. Die Abwechslung
  7. Die sozialen Kontakte
  8. Der administrative Aufwand
  9. Von beidem profitieren

Der Arbeitsvertrag

Wie unterschiedlich die Arbeitswelten von Angestellten und Freelancern sind, macht sich schon bemerkbar, wenn man sich sozusagen die Grundpfeiler anschaut, auf denen das Arbeitsverhältnis aufbaut.

Arbeitsverträge der Angestellten

Festangestellte Mitarbeiter schließen mit ihrem Arbeitgeber einen Arbeitsvertrag ab. Je nach Branche oder Tätigkeit kann dieser Vertrag befristet oder unbefristet sein. In der Regel besteht der Arbeitsvertrag bei einer Vollzeitstelle zwischen dem Angestellten und einem einzigen Arbeitgeber. Mit Abschluss des Vertrags werden die Angestellten Teil des Unternehmens. Das bedeutet, dass sie sich an die firmeninternen Vorschriften halten und Anweisungen von ihren Vorgesetzten befolgen müssen.

Als Entlohnung für ihre Arbeit enthalten Angestellte einen festgelegten Monatslohn, der durch Gehaltserhöhungen oder Bonuszahlungen ansteigen kann. Dazu haben Angestellte einen gesetzlichen Anspruch auf (bezahlten) Urlaub: Das Gesetz schreibt bei einer Fünf-Tage-Woche 20 Urlaubstage pro Jahr vor. Im Durchschnitt sind es meist etwas mehr. 30 Tage sind keine Seltenheit, also weitere zehn Tage, die der Arbeitgeber als betrieblichen Zusatzurlaub gewährt. Im Krankheitsfall wird der Lohn weitergezahlt, wobei ab dem 43. Tag die Krankenversicherung einspringt und ein gesetzliches Krankengeld zahlt.

Freelancer vs. Angestellte - der Arbeitsvertrag
Angestellte unterschreiben Arbeitsverträge – Freelancer hingegen schließen mit Kunden Werk-, Dienstleistungs- oder Honoararverträge.

Regelungen bei Freelancern

Freelancer, also sogenannte freie Mitarbeiter, sind selbstständig tätige Personen, die im Auftrag eines anderen Unternehmens arbeiten. Sie sind aber nicht in das Unternehmen eingegliedert und damit auch nicht weisungsgebunden, was ihnen gewisse Freiheiten einräumt. Freelancer haben mehrere Auftraggeber und schließen mit ihnen zeitlich begrenzte Dienst- oder Werkverträge. Das bedeutet: niedrige Kündigungsfristen und keinen Kündigungsschutz. Die Bezahlung erfolgt entweder als:

  • fester Stundensatz,
  • Honorar,
  • Pauschale oder
  • Gage

Im Gegensatz zu Angestellten verdienen Freelancer kein Geld, wenn sie nicht arbeiten. Wenn sie krank sind oder Urlaub machen, sind sie auf ihre Ersparnisse angewiesen. Allerdings gibt es auch für sie Möglichkeiten, sich für den Krankheitsfall mit einem Versicherungsschutz abzusichern. Freelancer, die über eine gesetzliche Krankenversicherung abgesichert sind, haben – wie Angestellte auch – ab dem 43. Krankheitstag Anspruch auf Krankengeld.

Der Bewerbungsprozess

Der Recruiting-Prozess von Freelancern erfolgt wesentlich schneller als der von Angestellten. Sie werden im Schnitt innerhalb weniger Wochen angeworben, während dieser Vorgang bei Angestellten oft mehrere Monate andauert. Der Faktor Zeit spielt bei den kurz andauernden Verträgen und den Deadlines, innerhalb derer die Projekte abgeschlossen sein müssen, eine viel größere Rolle.

Die Arbeitszeiten

Festangestellte Mitarbeiter sind in vielen Unternehmen nach wie vor an strikte Arbeitszeiten gebunden, die höchstens durch Gleitzeitregelungen etwas gelockert werden. Freelancer können sich ihre Arbeitszeit nach ihren Vorstellungen und Ansprüchen frei einteilen. Dadurch sind sie flexibler und können spontan planen beziehungsweise ohne Mühe auf ungeahnte Herausforderungen und Eventualitäten reagieren. Gerade für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann die freie Zeiteinteilung Gold wert sein. Dadurch ist eine ausgewogene Work-Life-Balance möglich.

Freelancer vs. Angestellte - die Arbeitszeiten
Laut Freelancer-Kompass 2020 arbeiten Freelancer durchschnittlich 44 Stunden pro Woche – vier Stunden mehr als angestellte Arbeitnehmer.

Freie Zeiteinteilung vs. Deadlines

Dafür haben Angestellte meistens geregelte Arbeitszeiten beziehungsweise eine normale 40‑Stunden-Woche sowie freie Wochenenden. Auch bei einem Schichtdienst sind die Einsatzzeiten klar geregelt. Freelancer müssen manchmal mehr Wochenstunden arbeiten – unter Umständen auch am Wochenende, wenn sie einen Auftrag bis zur vereinbarten Deadline fertigstellen oder sie einen finanziellen Ausgleich zu krankheits- oder urlaubsbedingten Arbeitsausfällen schaffen müssen.

Laut Freelancer-Kompass 2020 arbeiten Freelancer durchschnittlich 44 Stunden pro Woche und immerhin 21 Prozent der Befragten erledigt Projektarbeit auch am Sonntag. Die Sache mit der freien Zeiteinteilung im beruflichen und privaten Bereich ist demnach oftmals ein Trugschluss, weil Freelancer ihre (Frei-)Zeit, je nach Tätigkeit und Branche, nach Ihren Kunden, Patienten oder Lieferanten ausrichten müssen.

Wie viele Arbeitsstunden pro Tag und Woche tatsächlich anfallen, ist insgesamt aber stark vom Job abhängig. Schließlich gibt es viele Angestelltenberufe, bei denen viele Überstunden, Doppelschichten, Nachtschichten und Dienste an Wochenenden und Feiertagen mit dazu gehören. Auf der Gegenseite gibt auch Freelancer, die auf 40 Stunden Arbeitszeit pro Woche kommen und damit auf dem Level vieler Angestellten sind.

Der Arbeitsplatz

Freelancer können größtenteils selbst entscheiden, wo und wie sie sich ihren Arbeitsplatz einrichten möchten. Vor allem mit einem reinen Online-Business haben sie die freie Wahl und können ortsunabhängig von überall aus arbeiten. Der Arbeitsplatz kann ein Arbeitszimmer im Haus sein, ein angemietetes Büro, ein Coworking-Space, aber genauso ein Platz im Café um die Ecke oder der Liegestuhl im Garten.

Auf diese Art und Weise haben Freelancer die Möglichkeit, sich den Platz auszusuchen, an dem sie am produktivsten arbeiten können. Außerdem können sie durch den Umgebungswechsel mehr Abwechslung in ihren Arbeitsalltag bringen, was die Produktivität und Kreativität ankurbeln kann.

Zunehmend Freiheiten für Angestellte

Angestellte sind in Bezug auf ihren Arbeitsplatz deutlich eingeschränkter: Sie sind auf die Optionen angewiesen, die der Arbeitgeber anbietet. In vielen Betrieben besteht nach wie vor Präsenzpflicht – die Mitarbeiter verbringen ihre gesamte Arbeitszeit in den Räumlichkeiten des Unternehmens. In einigen Branchen sind aber zunehmend Arbeitsmodelle möglich, die außerhalb der eigentlichen Arbeitsstätte stattfinden und den Angestellten damit mehr Flexibilität einräumen. Gemeint sind:

  • Home-Office,
  • ortsflexibles Arbeiten und
  • mobiles Arbeiten.

Die Arbeitsmodelle weisen klare Unterschiede auf und sind auch weder arbeitsrechtlich noch versicherungstechnisch gleichbedeutend. Es gibt auch Sharing-Modelle, in denen sich Angestellte, teils sogar verschiedener Betriebe, ein Großraumbüro teilen. Aus diesem Grund ist es sinnvoller, den Begriff „Telearbeit“ zu verwenden, um die Arbeit aus der Ferne zu bezeichnen.

Der Begriff „ortsflexibles Arbeiten“ ermöglicht es zusätzlich, auch die Tätigkeiten zu erfassen, die weder zuhause noch auf der Dienststelle verrichtet werden. Als Ergänzung dazu meint der Begriff „mobiles Arbeiten“, dass man nicht nur von überall aus arbeiten kann, sondern für die Erledigung der Arbeitsaufträge zudem mobile Geräte (Notebooks, Tablets und Smartphones) genutzt werden.

Bei allen Modellen rund um den Oberbegriff „Homeoffice“ ist wichtig, dass die richtigen Bedingungen herrschen, um produktiv arbeiten zu können. Ein ungestörter Bereich ist dabei sinnvoll. Darüber hinaus ist eine gewisse Disziplin notwendig, um sich nicht ablenken zu lassen. Die Möglichkeit, nach Arbeitsende Abschalten zu können und Abstand zu bekommen, ist allerdings genauso von Bedeutung.

Die Jobsicherheit

Sofern keine größeren Krisen drohen, profitieren Angestellte von einer gewissen Sicherheit, was ihren Job anbelangt. Vor allem, wenn sie einen unbefristeten Arbeitsvertrag haben, was allerdings heutzutage nicht mehr überall üblich ist. Immer öfter werden Angestellte mit befristeten Verträgen [PDF] abgespeist und haben dadurch keine Garantie dafür, wie es um ihren Arbeitsplatz nach Ablauf der 12 oder 24 Monate bestellt ist.

Freelancer haben nur kurzzeitige, projektbezogene Verträge mit ihren Arbeitgebern und sind daher dauerhaft auf der Suche nach neuen Aufträgen. Da aber immer mehr Firmen ihre Aufgaben auslagern, anstatt sie intern zu vergeben, ist die Auftragslage für Freelancer grundsätzlich gut, kann aber jederzeit ins Wanken geraten. Um stetig neue Aufträge zu bekommen, müssen Freelancer gute Arbeit abliefern und dürfen sich im Grunde keine größeren Fehler erlauben.

Freelancer vs. Angestellte - die Jobsicherheit
Angestellten-Jobs sind tendenziell krisensicherer, allerdings werden immer häufiger nur befristete Verträge für Angestellte angeboten.

Das bedeutet gewissermaßen, dass Jobs im Angestelltenverhältnis krisensicherer sind als Jobs im Freelancing. Schwächelt der Markt, wird zuerst bei den Kooperationen mit Freelancern eingespart, da niedrige Kündigungsfristen durchaus üblich sind und sie zudem keinen Kündigungsschutz haben. Daher kann es vorkommen, dass Projekte plötzlich oder früher enden als ursprünglich vereinbart.

Wer sich als Freelancer aber breit aufstellt und sich nicht auf ein Fachgebiet spezialisiert, hat größere Chancen, regelmäßig neue Aufträge an Land zu ziehen. Noch dazu müssen Freelancer keine Kündigung fürchten, weil sie ihr eigener Chef sind.

Die finanzielle Sicherheit

Bei Freelancern hängt das Einkommen von der aktuellen Auftragslage ab. Das bringt eine gewisse Unsicherheit mit sich, da man als Freelancer nie genau weiß, ob man im nächsten Monat ausreichend Aufträge und damit ein Einkommen haben wird. Man lebt immer mit dem (finanziellen) Risiko, dass eine Projektarbeit verspätet oder gar nicht bezahlt wird.

Besonders problematisch ist die Situation, wenn krankheitsbedingt das Arbeiten nicht möglich ist oder zwischendurch Urlaub geplant wird, denn für Freelancer gibt es keine Lohnfortzahlung oder bezahlten Urlaub. Die Zeit, in der sie nicht arbeiten, verdienen sie auch kein Geld. Die Einkommensgrenze ist nach unten, aber auch nach oben hin offen. Wer als Freelancer hart arbeitet, kann tatsächlich ein deutlich höheres Einkommen erzielen als ein Angestellter.

Freelancer vs. Angestellte - die finanzielle Sicherheit
Freelancer können zwar mehr verdienen, als Angestellte des gleichen Fachgebiets, müssen aber Versicherungen häufig selbst zahlen und sich Abführung der Steuern kümmern.

Zusätzliche Kostenpunkte bei Freelancern

Dabei ist allerdings nicht zu vergessen, dass Freelancern weniger Netto vom Brutto bleibt, weil sie höhere Ausgaben haben, etwa in Bezug auf die Beiträge der Kranken- und Rentenversicherung. Generell sind Freelancer nicht sozialversicherungspflichtig und müssen sich selbst um ihren Versicherungsschutz kümmern. Die Kosten tragen die Freelancer selbst, dafür haben sie die freie Wahl, welche Versicherung sie abschließen möchten, und können zwischen einer gesetzlichen und einer privaten Krankenversicherung wählen.

Folgende Versicherungen sind für Freelancer sinnvoll:

  • Krankenversicherung, Rentenversicherung und Pflegeversicherung (sofern keine Mitgliedschaft bei der Künstlersozialkasse möglich ist)
  • Unfallversicherung (falls keine Mitgliedschaft bei der Berufsgenossenschaft besteht)
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Betriebshaftpflicht
  • Vermögensschadenshaftpflicht
  • Rechtsschutzversicherung

Mehr Infos? Versicherungen für Freelancer im Überblick.

Ebenso sind Freelancer für die (korrekte) Abfuhr der Steuern verantwortlich. Neben der Einkommensteuer ist das die Umsatz- beziehungsweise Mehrwertsteuer und gegebenenfalls die Gewerbesteuer. Zudem wird das Gehalt bei Freelancern – anders als bei Angestellten – nicht auf den Monat oder auf jährlicher Basis angegeben, sondern auf die Stunde heruntergebrochen. Diese Aspekte fallen im Angestelltenverhältnis weg. Angestellte erhalten jeden Monat einen festen Lohn und müssen sich nicht um ihre Sozialversicherung kümmern.

Die Abwechslung

In Bezug darauf, wie abwechslungsreich der Job ist, haben Freelancer die Nase vorn. Sie können sich im Grunde ihre Arbeitsaufträge aussuchen und dadurch wählen, welche Projekte sie angehen möchten. Das ist zumindest bei einer entsprechend guten Auftragslage möglich. Durch die kurzzeitigen Kooperationen mit Arbeitgebern ergibt sich aber noch mehr Abwechslung im Arbeitsalltag eines Freelancers: Zum einen arbeitet man immer wieder mit neuen Menschen zusammen, zum anderen bekommt man immer wieder neue Aufgaben.

Das ermöglicht es Freelancern, sich stetig weiterzuentwickeln und sich neuen jobbasierten Herausforderungen zu stellen. Routinen, die mit der Zeit durchaus langweilig werden können, gibt es oft seltener. Noch dazu haben sie die Chance, verschiedenste Unternehmensphilosophien kennen zu lernen.

Im Vergleich dazu wirken manche Berufe von Festangestellten geradezu monoton: Sie bleiben, wenn auch längst nicht mehr das gesamte Berufsleben über, aber dennoch meist über einige Jahre hinweg beim gleichen Arbeitgeber. Dort verrichten sie Tag für Tag ihre Arbeitsaufträge, die im Kern gleichbleiben. Wirkliche Veränderungen in der Arbeit gibt es nur durch Beförderung oder durch den Wechsel des Arbeitgebers. Für einige Angestellte ist allerdings genau die geringe Abwechslung ein großes Plus: Sie empfinden es als entspannter, wenn sie wissen, was sie auf der Arbeit erwartet.

Die sozialen Kontakte

Festangestellte Mitarbeiter haben nicht immer und nicht unbedingt jeden Tag die Möglichkeit, im Home-Office oder an einem anderen Arbeitsplatz als auf der Dienststelle zu arbeiten. Dafür haben sie durch ihre Kollegen auf der Arbeit ein soziales Umfeld, in dem sie sich mit anderen austauschen und die Pausen verbringen können. Umgekehrt gibt es in jedem Unternehmen Mitarbeiter oder Chefs, mit denen man persönlich nicht zurechtkommt und mit denen man zwangsläufig zusammenarbeiten muss. Das kann mitunter kontraproduktiv für das Arbeitsklima sein.

Freelancer vs. Angestellte - die sozialen Kontakte
Freelancer dürfen nicht in den Arbeitsalltag eines Unternehmens eingebunden werden (ein Faktor der Scheinselbständigkeit). Angestellte hingegen können sich die Kollegen und Kunden nicht selbst aussuchen.

Freelancer hingegen genießen das Privileg, sich die Kunden, Auftraggeber, Lieferanten und – sofern überhaupt gewünscht oder erforderlich – auch die Teamkollegen und Mitarbeiter selbst aussuchen zu können. Wenn sie sich mit einem Projekt nicht wohlfühlen oder mit einem Kunden in einen Streit geraten, können sie kurzerhand die Zusammenarbeit beenden. Schwieriger ist das nur, wenn eine vertragliche Bindung besteht.

Somit müssen sich Freelancer nicht mit nervigen Kollegen, anstrengenden Kunden oder cholerischen Chefs herumärgern. Dadurch, dass viele Freelancer alleine arbeiten, keine Kollegen und nur in seltenen Fällen Mitarbeiter haben, fällt der Austausch mit anderen weg. Sie sind in der Regel den ganzen Arbeitstag lang auf sich gestellt.

Zwar betreuen Freelancer Kunden und arbeiten mit anderen Unternehmen zusammen – sie sind aber nie Teil der Unternehmen und werden damit auch nicht in die normalen betrieblichen Abläufe wie gemeinsame Weiterbildungen oder Firmen-Events integriert. Diese Einsamkeit kann für einige auf Dauer zum Problem werden und ist dadurch ein Nachteil des Freelancings und der Freiheit, im Home-Office arbeiten zu können.

Denn man arbeitet als Freelancer oft vor sich hin und die soziale Isolation kann die Produktivität beeinträchtigen. Wer sich einsam fühlt, scheint der Meinung einiger Wissenschaftler zufolge sogar häufiger krank zu werden und öfter von einem Herzinfarkt oder Schlaganfall betroffen zu sein.

Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, wie Freelancer der sozialen Isolation entkommen und mit anderen Selbstständigen in Kontakt treten können:

  • Cafés mit WLAN besuchen: Einige Lokale sind geradezu bekannt dafür, dass sich dort viele Freelancer treffen, um zu arbeiten. So kann man mit Gleichgesinnten an einem Ort arbeiten.
  • Coworking-Spaces nutzen: Alternativ zum Café kann man aktiv auf die Suche nach anderen Freelancern gehen und mit ihnen ein Gemeinschaftsbüro anmieten. Dort kann man gemeinsam an Projekten arbeiten.
  • Sich mit Gleichgesinnten vernetzen: Soziale Netzwerke, fachspezifische Stammtische und Workshops bieten die Gelegenheit für den fachlichen Austausch mit anderen Selbstständigen aus der gleichen Branche.

Der administrative Aufwand

Der administrative Aufwand ist für Freelancer wesentlich höher als für Angestellte, weil sie mehr Verpflichtungen in Bezug auf die Steuern und die Buchhaltung haben. Darunter fallen etwa die Einkommenssteuer, die Einnahmenüberschussrechnung und die Posten, die Freelancer im Gegensatz zu Angestellten zusätzlich von der Steuer absetzen können.

Dazu gehören folgende Punkte:

  • Kosten für das Arbeitszimmer
  • Reisekosten
  • Kosten für Arbeitsgeräte
  • Ausgaben für Weiterbildungen
  • Beiträge für Berufsverbände

Festangestellte Mitarbeiter haben es in dieser Hinsicht wesentlich einfacher. Bei ihnen gehen Fixkosten wie Steuern (Lohnsteuer, Kirchensteuer) und Versicherungsbeiträge (für die Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung) automatisch vom Gehalt ab. Somit müssen sich Angestellte im Prinzip nur einmal im Jahr mit Papierkram befassen, wenn sie eine Steuererklärung machen. Und selbst das nur dann, wenn sie zu denjenigen gehören, die eine Steuererklärung abgeben müssen oder wenn sie freiwillig eine abgeben.

Aufträge beschaffen

Zudem müssen Freelancer vieles selbst organisieren, was sich schon dadurch bemerkbar macht, dass sie sich ihre Arbeitsaufträge und neue Zusammenarbeiten mit Unternehmen eigenständig beschaffen müssen. Hierbei ist es wichtig, sich frühzeitig ein stabiles berufliches Netzwerk aufzubauen.

Diese Akquise-Kanäle können Freelancer nutzen:

  • eigene Website
  • soziale Netzwerke
  • Freelancer-Plattformen
  • Networking-Events
  • fachspezifische Messen
  • Empfehlungen

Mehr Infos? Das A und O der Kundenakquise für Freelancer.

Insgesamt liegt es auch an ihnen selbst, ihren Arbeitsalltag zu gestalten und in Eigenregie die Arbeits- und Pausenzeiten festzulegen. Das erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Ein Freelancer übernimmt dabei mehr Aufgaben zusätzlich zur Arbeitsleistung als ein Angestellter. Während ein Angestellter nach erledigter Arbeit nach Hause geht und frei hat, kümmert sich ein Freelancer dann um Korrespondenz, Buchhaltung, Akquise, Networking oder Vertragsverhandlungen. Außerdem muss er in seine Weiterbildung Zeit investieren, wenn er sich am Markt behaupten und Aufträge erhalten will.

Zur Selbstorganisation gehört auch eine kluge und vorausschauende Kalkulation der eigenen Arbeitsleistung: Es kommt darauf an, den Stundensatz so anzulegen, dass der zusätzliche Aufwand für die Erledigung des Papierkrams und die Projektakquise miteinberechnet und dadurch kompensiert wird.

Von beidem profitieren

Angestellter oder Freelancer – was ist die bessere Wahl? Wie der Vergleich zeigt, lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit im Angestelltenverhältnis zu bleiben und nebenberuflich als Freelancer zu arbeiten. Auf die Art kann man die Vorteile beider Arbeitsmodelle miteinander kombinieren und sich damit die idealen Arbeitsverhältnisse schaffen.

Wer nebenberuflich als Freelancer arbeiten möchte, kann damit ein zusätzliches Einkommen generieren, Erfahrungen sammeln und damit die Basis für ein hauptberufliches Freelancing schaffen. Es ist aber möglich, dass durch den Nebenerwerb der eigentliche Job negativ beeinflusst wird. Außerdem muss der Arbeitgeber dem Zweitjob zustimmen und es bleibt weniger Freizeit zur Verfügung. Letztlich kommt es immer auf die individuelle Persönlichkeit, aber auch die Geschäftsidee an, damit die Selbstständigkeit zum Erfolg führt.

Über den Autor

Magnus Gernlein

Magnus Gernlein leitet das Kooperationsmanagement der freelancermap GmbH, einer der führenden Projektbörsen für IT-Freelancer und Projektanbieter in Deutschland. Darüber hinaus ist er mit dem Thema Datenschutz betraut. In seiner Freizeit befasst er sich intensiv mit den Themen Open Source-Software und -Betriebssysteme und testet gerne die neuesten Gadgets aus der IT-Branche.

Von Magnus Gernlein

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