Freelancing: zwischen Projektakquise und Work-Life Balance

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Als Freelancer genießt man eine hohe Work-Life Balance, viel Flexibilität und Unabhängigkeit. Dies sind zumindest die gängigen Klischees. Doch stimmt die allgemeine Vorstellung von der Tätigkeit als freier Mitarbeiter tatsächlich mit der Wirklichkeit überein? Was genau versteht man eigentlich unter Freelancing und welche Hürden und Risiken erwarten einen beim Sprung in die Selbstständigkeit? In diesem Beitrag erläutern wir die wichtigsten Punkte, die man hierbei beachten muss.


Inhalt des Artikels:

  1. Was ist Freelancing genau?
  2. Bedeutung des Freelancings
  3. Rechtliche Rahmenbedingungen beim Freelancing
  4. Was versteht man unter Scheinselbstständigkeit?
  5. Warum es sich lohnt ein Freelancer zu werden
  6. Welche Risiken kommen auf einen Freelancer zu?
  7. Vorteile für den Auftraggeber
  8. Welche Nachteile ergeben sich beim Freelancing für die Firma?

Was ist Freelancing genau?

Als Freelancing wird die Arbeit von Mitarbeitern in verschiedenen Branchen bezeichnet, welche durch das Unternehmen übertragene Aufträge und Projekte selbstständig bearbeiten. Dabei handelt es sich nicht um eine Festanstellung, sondern um selbstständige Mitarbeiter, die meistens für konkrete Projekte engagiert werden. Dadurch kann der Freelancer die Zeit und den Ort, wo er arbeiten möchte, selber wählen. Zu Verwechseln ist der Begriff übrigens nicht mit dem des Freiberuflers. Der Freiberufler kann zwar sowohl als Freelancer als auch als freier Mitarbeiter tätig sein, aber eben auch als normaler Angestellter.

Bedeutung des Freelancings

In Zeiten von Home Office, New Work & Co. steigt die Bedeutung von Freelancern. Immer mehr Menschen zieht es mittlerweile in die Selbständigkeit. Während früher Journalismus und Medienberufe klassische Felder von Freiberuflern waren, sind inzwischen viele IT-Freelancer auf dem Markt aktiv. Insbesondere durch die Digitalisierung ergeben sich hier für freie Mitarbeiter sehr interessante und zukunftssichere Betätigungsfelder. Grundsätzlich tummeln sich Freelancer aber heutzutage in nahezu jeder Branche.

Rechtliche Rahmenbedingungen beim Freelancing

Eine wichtiges Thema in Sachen Selbstständigkeit sind Steuern und Versicherungen. Selbstständige unterliegen in bestimmten Fällen der Umsatzsteuer. Diese müssen sie in den Rechnungen gegenüber dem Kunden ausweisen, der ihnen die Umsatzsteuer zusätzlich zu ihrem Gehalt zahlt. Der Selbstständige muss diese Umsatzsteuer dann an das Finanzamt abführen. 
Ob ein freier Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig ist, definiert sich unabhängig von der Steuerpflicht. Für Unternehmen ist eine Prüfung des tatsächlichen rechtlichen Status eines Freelancers sehr bedeutsam. Sie müssen die Beiträge zur Sozialversicherung rückwirkend nachleisten, sollte sich herausstellen, dass es sich um ein Angestelltenverhältnis und nicht um ein Verhältnis als Selbstständiger handelt.

Was versteht man unter Scheinselbstständigkeit?

Scheinselbstständigkeit trifft dann zu, wenn ein vermeintlicher Freelancer nicht für mehrere rechtlich voneinander unabhängige Auftraggeber Leistungen erbringt. Vielmehr arbeitet er bei der Scheinselbstständigkeit nur für einen Arbeitgeber und ist nicht in der Lage, unabhängig nach den Möglichkeiten des Marktes seine Aufträge anzunehmen und seine Zeit frei einzuteilen. Der sicherste Weg, um eine Scheinselbstständigkeit zu umgehen, ist, sich umfassend mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Grundsätzlich soll die aktuelle Gesetzeslage freie Mitarbeiter davor bewahren, in den Bereich der Scheinselbstständigkeit zu rutschen. In der Praxis führte der undurchsichtige Paragraphendschungel jedoch zu Unsicherheiten – die Grenzen sind oftmals unklar und die Liste der Indizien für Scheinselbstständigkeit lang.

Warum es sich lohnt ein Freelancer zu werden

Es gibt viele gute Gründe, sich selbstständig zu machen. Für viele Menschen ist es die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, die zu dem Wunsch führt, sein eigener Chef zu sein. So können sich insbesondere erfahrene Freelancer ihren Auftraggeber aussuchen und zu ungeeigneten Aufträgen auch „Nein“ sagen. Doch auch der Ort der Leistungserbringung – ob zuhause, unterwegs oder im Co-Working Space ist oft völlig frei wählbar. 
Damit eng verbunden ist der Wunsch nach Selbstverwirklichung. Durch die Wahl unterschiedlicher Kunden können Selbstständige stets die Tätigkeit ausüben, die ihnen liegt und Spaß bringt. Es ist leichter, sein Potenzial auszuschöpfen, bisherige Ideen über Bord zu werfen und Prozesse neu zu strukturieren. Natürlich immer im Interesse des Kunden.

Für den Freelancer-Kompass 2020 wurde nach der Wichtigkeit bestimmter Vorteile der Selbstständigkeit gefragt. Die Ergebnisse bestätigen, dass die hohe Unabhängigkeit und Freiheit, die man als freier Mitarbeiter genießt, bei Freelancern einen hohen Stellenwert haben.

Diagramm, das die Wichtigkeit einzelner Vorteile als Freelancer in absteigender Reihenfolge aufzeigt
Vorteile als Freelancer

Ein weiterer Grund, der vorteilhaft für Selbstständige sein kann, ist die Chance auf ein überdurchschnittliches Gehalt. Je nach Branche und aktueller Wirtschaftslage, besteht durchaus die Möglichkeit, ein hohes Einkommen zu verdienen. Natürlich spielt hier auch die bisherige Erfahrung des Selbstständigen eine Rolle. Gleichzeitig muss man hier aber auch berücksichtigen, dass Selbstständige oft höhere Ausgaben für beispielsweise Büroausstattung, Self-Marketing oder Versicherungen als Festangestellte haben. 

Welche Risiken kommen auf einen Freelancer zu?

Trotz der Verlockung auf ein überdurchschnittliches Gehalt oder der hohen Selbstbestimmtheit, ergeben sich für freie Mitarbeiter eine ganze Reihe von Risiken, die nicht zu unterschätzen sind. Zum Einen ist man für die Kundenakquise selber verantwortlich. Wenn die wirtschaftliche Situation schlecht ist und Projekte knapp werden, hat dies negative Auswirkungen auf die Verdienstmöglichkeiten.

Zudem profitieren Freiberufler, im Gegensatz zu Festangestellten, nicht von sogenannten „corporate benefits“. Dazu gehören zum Beispiel Essensgutscheine, ein Firmenwagen oder der Bezug von Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Auch für die berufliche Weiterbildung ist der Selbstständige selbst verantwortlich. Denn gerade für Selbstständige ist es wichtig, stets am Ball zu bleiben, um sich als Experte am Markt zu positionieren und Aufträge zu akquirieren. Während Festangestellte in der Regel ein entsprechendes Weiterbildungskonzept durch das Unternehmen nutzen können, sind freie Mitarbeiter gefordert, selber für die eigene Wissenserweiterung zu sorgen. 

Zu diesen eher rationalen Aspekten kommt hinzu, dass Freelancer oftmals immer erreichbar sein müssen – selbst am Wochenende. Dadurch fällt es vielen Freelancern schwer, zwischen Beruf und Privatem eine Grenze zu ziehen. Eine gesunde Portion Flexibilität und Agilität gehört also zum Berufsalltag dazu: Arbeitsorte, Projekte und Kunden können ständig wechseln. 

Infografik zu den Herausforderungen als Freelancer.
Herausforderungen als Freelancer

Vorteile für den Auftraggeber

Auch für den Auftraggeber kann es durchaus lohnenswert sein, einen Selbstständigen zu engagieren. Zum Einen profitiert dieser von niedrigeren Kosten und hoher Flexibilität, weshalb personelle Engpässe gut abgefangen werden können. Zudem kann das Unternehmen den großen Erfahrungsschatz und das Know-How des Freiberuflers nutzen, um die eigenen Festangestellten zu unterstützen. 

Welche Nachteile ergeben sich beim Freelancing für die Firma?

Auch für das Unternehmen kann die Beauftragung eines Selbstständigen Nachteile mit sich bringen. Im Gegensatz zu festen Mitarbeitern kennt der Freelancer das Unternehmen oft nicht so gut und muss sich erst in die vorhandenen Strukturen und Abläufe einarbeiten, bis er wirklich wertvoll für den Kunden wird. Daneben kann es gut sein, dass ein freier Mitarbeiter immer wieder neue Aufträge an Land ziehen wird und nur für kurze Zeit zur Verfügung steht. Nur bei wirklich langfristigen Verträgen kann sich das Unternehmen darauf verlassen, dass der Freelancer permanent zur Verfügung steht. Insbesondere kleinere Tätigkeiten, die zum Tagesgeschäft gehören, werden deshalb weniger an den freien Mitarbeiter delegiert, da die Beauftragung hierfür zu teuer wäre.

Über den Autor

Alexander Graf

Alexander Graf studiert den Master in Management an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen Nürnberg. Er ist seit Oktober 2020 als Werkstudent im Team von freelancermap.de tätig.

Von Alexander Graf

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