Freelancerinnen: Frauen in der Selbstständigkeit

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Neben den wenigen Frauen in der IT im Angestelltenverhältnis, gibt es noch weniger Freelancerinnen. Anlässlich des Weltfrauentags am kommenden Sonntag, den 08.März, geben wir einen Überblick über die aktuelle Situation weiblicher Freelancer, gehen möglichen Ursachen auf den Grund und geben einen Ausblick. 

Was die Gleichberechtigung im Allgemeinen angeht, landete Deutschland 2019 auf dem zehnten Platz des jährlichen “Global Gender Gap Reports” des Weltwirtschaftsforums (WEF). Die größten Unterschiede zwischen Männern und Frauen sieht das WEF in der Wirtschaft. Vor allem in den neuen Berufszweigen, welche der fortschreitende IT-Sektor mit sich bringt: Frauen sind in jenen Berufsbildern stark unterrepräsentiert.

Freelancerinnen in Deutschland

Zählt man alle Selbstständigen zusammen und betrachtet jegliche Bereiche wie Dienstleistungen, Gesundheits- und Sozialwesen, den Bildungssektor, das Baugewerbe, IT und Kommunikation gleichermaßen, liegt die Geschlechterverteilung bei circa einem Drittel Frauen zu zwei Dritteln Männern. Konzentriert man sich aber auf Dienstleistungen, IT und Kommunikation sind lediglich rund 11% der Freelancer weiblich. Diese Quote kommt jener des Frauenanteils an der Spitze börsennotierter Unternehmen gleich – Lediglich 12,3% der Aufsichtsräte und Vorstände sind Frauen. 

Knapp 90% der Freelancer in Deutschland sind männlich. Frauen sind mit 11% in der Unterzahl.

Die McKinsey Studie “Women Matter” zeigt zudem, dass Frauen im Berufsleben, ob freiberuflich oder angestellt, oft mit Selbstzweifeln und Versagensangst  zu kämpfen haben. Beispielsweise strebt, laut deren Studie, knapp jede zweite Frau eine Führungsposition an, jedoch glauben nur 25% dieser Frauen, dass sie eine solche Position auch tatsächlich erreichen können.

Dieser Umstand lässt sich auch auf den Gender-Pay-Gap übertragen: Die amerikanische Wissenschaftlerin Linda Babcock schreibt in ihrem Buch “Women don’t ask” beispielsweise, dass Männer viermal häufiger Gehaltsverhandlungen initiieren als Frauen. Die Autorin schreibt zudem, dass die meisten Frauen eine solche Verhandlungen mit einem “Besuch beim Zahnarzt” vergleichen würden.

Das führt wohl dazu, dass Freelancerinnen sich häufig unter Wert verkaufen. Sie verdienen laut des Freelancer-Kompass 2019 rund sieben Euro weniger als ihre männlichen Kollegen. Jene sieben Euro machen sich im Nettoeinkommen deutlich bemerkbar: Bei Männern sind es durchschnittlich 7.090 €, während Frauen auf 5.545 € monatlich kommen.

Damit könnte auch die erhöhte Unzufriedenheit mit dem Einkommen zusammenhängen. Im Vergleich sind knapp 88,93% der Männer mit ihrem Einkommen zufrieden, während es bei den Frauen nur 60,81% sind. Aktuell zählen Beratung und Management, Grafik, Content, Medien und Entwicklung  zu den Top drei Fachgebieten der weiblichen Freelancer.

Das Top Fachgebiet der Freelancerinnen ist Beratung und Management

Frauen in der IT 

Auch in der IT-Branche ist der Frauenanteil vergleichsweise gering: Lediglich 16,6% beträgt er derzeit in der deutschen IT-Branche, obwohl der Bedarf an Fachpersonal gerade hier riesig ist. Bitkom ermittelt in einer Studie mehr als 100.000 unbesetzte Stellen in der IT-Branche. Des Weiteren soll sich der Mangel an IT-Fachkräften in den nächsten Jahren zunehmend verschärfen. Der hohe Bedarf an Fachkräften in der IT-Branche zeigt sich auch daran, dass Unternehmen und Recruiter vermehrt auf Projektportalen nach freien Experten suchen.

Mehr als 4000 Projekte pro Woche!

Das steigende Interesse von jungen Frauen an MINT-Studiengängen macht Hoffnung: Beispielsweise ist gut jeder fünfte Informatik Studierende weiblich. Anhand der Zahlen der letzten 20 Jahre lässt sich ein Wachstum des Frauenanteils innerhalb des Informatikstudiums von circa 64% prognostizieren.

Prognose: 2030 werden an die 80.000 Frauen Informatik studieren.

Der Deutsche Startup Monitor gibt an, dass die MINT-Fächer mittlerweile die Wirtschaftswissenschaften als relevanteste Gründer-Studiengänge abgelöst haben. Somit scheint auch die Anzahl der MINT-Absolventen zu steigen, die sich selbstständig machen. Die Wahrscheinlichkeit steigt demnach stetig, zukünftig auf mehr Freelancerinnen in der Tech-Branche zu treffen.

New Work – Die Chance für Freelancerinnen

Beim Konzept New Work rückt der Faktor Mensch in den Mittelpunkt – Arbeit und Leben sollen sinnvoll vereint werden und persönliche Bedürfnisse eine größere Rolle spielen. Die freie Zeiteinteilung und die Arbeit im Home-Office beispielsweise sind Aspekte des New-Work-Konzeptes und ermöglichen Freelancerinnen Familie und Job leichter in Einklang zu bringen. Der Freelancer-Kompass bestätigt dies: 60% der befragten Frauen gaben an, dass sie in der flexiblen Zeiteinteilung den größten Vorteil der freiberuflichen Arbeit sehen. Daneben empfinden die Freelancerinnen Unabhängigkeit (55%) und die Home-Office-Möglichkeit (38%) als zusätzliche Vorteile.  

Zudem gewinnen Soft-Skills im Rahmen der New-Work-Bewegung an Bedeutung. Vor allem ist hier die Kommunikationsfähigkeit bei Freelancern besonders wichtig. Eine Studie der Cambridge Universität belegt, dass Frauen in der Regel empathischer sind und ihnen damit auch die zwischenmenschliche Interaktion und Teamwork bei beruflichen Projekten leichter fällt.

Fazit

Im Allgemeinen sind Frauen in der Freelancer-Welt und auch in der Tech-Branche unterrepräsentiert, womit es an starken, mutigen Vorbildern mangelt. Glücklicherweise verblasst das veraltete Rollenverständnis von Mann und Frau von Generation zu Generation, was unter anderem zum steigenden Interesse von jungen Frauen an MINT-Berufen führt. Der Vorteil im Freelancing für Frauen besteht vor allem in der flexiblen Zeiteinteilung und der Home-Office Möglichkeit, die gut mit dem Familienleben vereinbar ist. 

Zudem wurden in den letzten Jahren Förderprogramme wie Existenzgründerinnen“ und Messen wie die „herCAREER“ speziell für die Unterstützung von selbstständigen Frauen ins Leben gerufen. Solche Maßnahme verstärken die Hoffnung auf eine ausgeglichene und selbstbewusste Freelancer-Zukunft!

Über den Autor

Elena Pruchniewski

Elena Pruchniewski studiert Technikjournalismus und PR an der TH in Nürnberg und ist als Werkstudentin im Bereich Online-Marketing tätig. Damit ist sie seit April 2019 ein Teil des freelancermap-Teams.

Von Elena Pruchniewski

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