Unternehmensformen für IT-Selbständige

17.08.2018

Selbständige in der IT Branche haben in Deutschland verschiedene Rechtsformen zur Auswahl, unter denen sie ihrer Tätigkeit nachgehen können. Ob Einzelunternehmer oder Personen- (wie GbR, PartnerG) und Kapitalgesellschaften (wie GmbH, UG (haftungsbeschränkt), AG) hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab und muss im individuellen Einzelfall näher betrachtet werden.




IT-Selbständige ohne Eintrag ins Handelsregister (HR)
Grundsätzlich gilt zunächst, das Freiberufler und Kleingewerbetreibende, die nicht ins HR eingetragen sind, immer mit dem Vor- und Zunamen in der Unternehmensbezeichnung auftreten müssen. Zusätzlich dazu sind branchen- oder geschäftstypische Bezeichnungen zulässig.
 
IT-Selbständige als Freiberufler
IT-Selbständige können als Freiberufler von einigen Vorteilen profitieren. Sie müssen weder Gewerbesteuer zahlen noch ihre Tätigkeit als Gewerbe anmelden. Darüber hinaus müssen sie kein Mitglied in der IHK werden, dort auch keinen Beitrag zahlen. Für Freiberufler genügt außerdem eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung, eine umfassende kaufmännische Buchführung ist nicht notwendig. Beim zuständigen Finanzamt erhält der Freiberufler eine Steuernummer, die er auf Rechnungen ausweisen muss und über die er seine Einkommenssteuer abführt. Neben den vielen Vereinfachungen sollte ein Freiberufler aber genau auf den Namen achten, unter dem er nach außen auftritt. Er sollte auf die Verwendung von „gewerblichen“ Unternehmensbezeichnungen wie z. B. Max Mustermann IT-Beratung oder ähnliches verzichten. Um beim Namen keinen Fehler zu machen, sollte im Zweifelsfall ein Anwalt zu Rate gezogen werden.
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IT-Selbständige im Einzelunternehmen
Die Rechtsform des Einzelunternehmens eignet sich für IT-Selbständige, die alleine und ohne Umstände eine Existenz gründen und schnell auf Marktanforderungen reagieren wollen. Die Existenzgründung ist bereits mit wenig Kapital (kein Mindestkapital notwendig) möglich und der Gewinn steht ausschließlich dem Einzelunternehmer zu. Berücksichtigt werden muss dabei allerdings, dass Einzelunternehmer im Ernstfall mit ihrem gesamten geschäftlichen und privaten Vermögen haften. Ein Handelsregistereintrag ist nur für Kaufleute die ein Handelsgewerbe betreiben notwendig und der Einzelunternehmer wird durch den Handelsregistereintrag zum eingetragenen Kaufmann (e. K.).
 
IT-Selbständige in GbR
Die Rechtform der GbR eignet sich für IT-Selbständige, die gemeinsam mit anderen Gesellschaftern und ohne Mindestkapital und Handelsregistereintrag arbeiten möchten. Die Geschäftsführung sowie Gewinne und Verluste werden von allen Gesellschaftern zu gleichen Teilen getragen. Im Zweifelsfall haftet ein Gesellschafter für die Fehler eines anderen mit seinem privaten Vermögen. Durch einen Gesellschaftervertrag kann die Haftung im Innenverhältnis für einen anderen Gesellschafter ausgeschlossen werden. Für die Verpflichtungen im Außenverhältnis kann ein Gesellschafter nicht vollständig freigesprochen werden. Der Firmenname muss die Namen aller Gesellschafter sowie den Zusatz GbR enthalten.
 
IT-Selbständige in der PartnerG
Eine PartnerG ist eine Rechtsform die ausschließlich für Freiberufler möglich ist. Für die PartnerG ist ein Gesellschaftervertrag und ein Partnerschaftsregistereintrag notwendig. Ein Handelsregistereintrag wird nicht vorgenommen. Die Gesellschafter haften (im Gegensatz zur GbR) nur für eigene Fehler .
 
IT-Selbständige mit Eintrag ins Handelsregister
Gemäß § 19 HGB sind Einzelkaufleute Einzelunternehmer mit Eintrag im Handelsregister. Sie gelten als gewerbetreibende Einzelunternehmer und führen im Namen den "eingetragenen Kaufmann" e.K..
 
IT-Selbständige in der OHG
In der Offenen Handelsgesellschaft beitreiben die Gesellschafter ein vollkaufmännisches Handelsgewerbe nach § 105ff. HGB. Wie in der GbR haftet jeder Gesellschafter auch mit seinem Privatvermögen. Der Eintrag ins Handelsregister ist zwingend erforderlich.
 
IT-Selbständige in einer UG
Die Gründung einer haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft hat wie der Name bereits sagt, den Vorteil der Haftungsbeschränkung und erfordert im Gegensatz zur GmbH kein Mindestkapital. Die UG eignet sich besonders für IT-Selbständige, die über geringes Kapital verfügen und trotzdem ihre Haftung beschränken wollen. Aufgrund der fehlenden Mindesteinlage ist die UG jedoch im Gegensatz zur GmbH für Geschäftspartner weniger vertrauenswürdig.
 
IT-Selbständige in der GmbH
Eine GmbH ist eine Kapitalgesellschaft, eigene juristische Person und erfordert eine Mindesteinlage von 25.000 Euro. IT-Selbständige in einer GmbH haften nur mit ihrer Einlage, nicht aber mir dem Privatvermögen. Aufwendiger als bei anderen Rechtsformen ist der erforderliche Eintrag ins Handelsregister als auch die doppelte Buchführung. Die Gründung einer GmbH bedarf außerdem neben der Gründereinlage, eine notarielle Beglaubigung des Gesellschaftsvertrags, eine Gründungsberatung durch Steuerberater uvm.

IT-Selbständige in einer Limited Company (Ltd.) in Deutschland 
Die Limited Company ist im Gesellschaftsrecht Großbritanniens eine Kapitalgesellschaft, die nicht börsennotiert ist. Dabei steht das Wort "company" für "Unternehmen" und das Wort "limited" für "haftungsbeschränkt". Dadurch ähnelt die Limited Company der GmbH in Deutschland. Generell gilt diese Unternehmensart im Vereinigten Königreich als gängigste Form der Kapitalgesellschaft, auch für Unternehmen kleinerer und mittlerer Größe.

Wegen der Niederlassungsfreiheit von Gesellschaften in der gesamten Europäischen Union 
kann diese Rechtsform auch in Deutschland gewählt werden. Die Limited Company gilt als privatrechtliche Gesellschaft und daher als juristische Person. Das Grundkapital der Company ist in Anteile, so genannte Shares zerlegt, welches übertragbar ist. Die Anteilsinhaber haften lediglich für dieses Kapital. Die Haftung ist somit beschränkt. Falls die Gesellschaft in der BRD mit einer Betriebsstätte oder der Hauptverwaltung ansässig ist, muss die Steuerbilanz nach dem aktuellen deutschen Steuerrecht erstellt werden, da sie dann wie eine deutsche Kapitalgesellschaft behandelt wird.

Der Jahresabschluss muss in Deutschland veröffentlicht werden, zudem sind IFRS und UK-GAAP
anzuwenden und die Ergebnisse den britischen Steuerbehörden bzw. dem britischen Handelsregister zu übergeben. Als Vorteile der Limited Company können die sehr schnelle Gründung innerhalb von 24 Stunden, die kostengünstige und zeitnahe Änderung des Gesellschaftsvertrages, das geringe und frei wählbare Nominalkapital und die Vertrauen schaffende Bekanntheit in Commonwealth-Ländern gesehen werden. 
 
IT-Selbständige in einer Kommanditgesellschaft (KG) oder AG (Aktiengesellschaft Mindesteinlage 50.000 Euro):
sind selten, da beide Rechtsformen mit einem höheren Kapitalbedarf und Gründungsaufwand einhergehen und mehrere Personen erforderlich (z.B. AG Aufsichtsrat, Vorstand) sind.
  





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