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28.06.2018

Welchen Stundenlohn kann man als Freiberufler verlangen?


Hohe Qualifikationen bedeuten höhere Honorare. Aber auch eine gute Argumentation kann ausschlaggebend sein.




Es gibt sehr viele Dinge, die man als Freiberufler anfangs klären muss - und sollte! Ein wichtiger Punkt ist auch, welchen Stundenlohn Sie verlangen und wie Sie ihr Honorar stetig steigern können. Treffen Sie zu Beginn die Entscheidung darüber, ob Sie einen festen oder variablen Stunden- oder Tagessatz und welche Höhe Sie verlangen wollen.

Ist es Ihnen unangenehm mit Ihren Kunden über die Kosten zu sprechen? Muss es nicht! Viele Freiberufler fürchten sich vor dieser Frage, da ihre Preisfindung auf Verhandlungsbasis basiert und die Honorare in vielen Branchen sehr schwanken. Die nachfolgende Tipps bzgl. Gehalt und dessen Berechnung soll Ihnen als Starthilfe dienen.



Was ist am wichtigsten zu klären?
 
  • Gehalt als Berufseinsteiger: Welchen Stundenlohn kann ich als freiberuflicher Einsteiger verlangen?
  • Stundensatzkalkulation: Wie kann ich meinen Verdienst berechnen?
  • Wie kann ich mein Honorar stetig steigern, um mehr Gehalt zu verdienen?

1. Als Berufseinsteiger

Als Freelancer-Neuling nimmt man tendenziell zu Beginn meistens jeden Auftrag, den man kriegen kann. Um die Projekte besser differenzieren und eine gute Verhandlungspostion einnehmen zu können, sollte man wie folgt vorgehen:
 

Informieren

Informieren Sie sich über übliche Honorare. Wie viel verlangen andere Kollegen in der Branche und was wird vom Berufsverband vorgeschlagen? Außerdem sehr wichtig zu wissen: Wie kann ich mich und meine Leistungen gut verkaufen und mein Honorar begründen und argumentieren?


Verhandeln

Als nächstes geht es darum, seine Verhandlungsposition zu finden. Lassen Sie bei Ihrem ersten Auftrag nicht durchscheinen, dass Sie zuvor noch keinen Kunden hatten. Bleiben Sie professionell und verhandeln Sie sachlich. Das Ziel ist und bleibt natürlich, den Kunden für sich zu gewinnen. Ist der Kunde jedoch nur bereit, ein geringeres Gehalt zu zahlen, verhandeln Sie dies am Besten unter dem Vorbehalt einer Neuverhandlung in den nächsten Monaten. Beim Verhandeln ist es natürlich wichtig, Selbstbewusstsein zu zeigen. Vielen Anfängern fällt das schwer. Sie verlangen einen zu niedrigen Stundensatz und stellen später fest, dass sich ihre Arbeit kaum rentiert. Wer sich von Anfang an unter Wert verkauft, wird es später schwer haben, gut zu verdienen.


Durchrechnen

Nach dem Verhandlungsprozess ist es wichtig, einen Blick auf die Wirtschaftlichkeit des Auftrages zu werfen. Freelancer müssen immer darauf achten, dass der Auftrag für sie rentabel ist. Es spielt keine Rolle, ob man Designer, Entwickler oder Fotograf ist. Wichtig ist, dass am Ende ausreichend Geld übrig bleibt und keine finanziellen Verluste entstehen. Ansonsten ist es sinnvoller, einen Auftrag abzulehnen.


Inventur

Als nächstes sollten Sie eine Art Inventur durchführen, in der Sie Ihre Stunden- und Tagessätze in einer Stundensatzkalkulation berechnen.


2. Stundensatzkalkulation

So könnte eine mögliche Kalkulation aussehen:
 

Kalkulation der Arbeitstage

Ohne Büroarbeiten, wie Steuern und Buchhaltung, können Sie ca. 3 ganze Arbeitstage pro Woche abrechnen. Auf das Jahr gerechnet ergibt dies 156 Arbeitstage (3 x 52 Wochen). Nicht zu vergessen sind hierbei zusätzlich noch Urlaubs- und Krankheitstage oder ähnliches mit weiteren 20 Tagen. Ergibt in Summer 136 Arbeitstage pro Jahr. 


Kostenkalkulation

Die Kostenbetrachtung betrachtet alle monatlichen Kosten mit Trennung von privaten und beruflichen Ausgaben. In der Regel kann man hierfür auf jeden Fall 25.000€ im Jahr ansetzen (ohne Familie).
Rechnet man die zwei oben genannten Punkte zusammen, erhält man folgende Rechnung:

Tagessatz: 25.000€ : 136 Arbeitstage = 184€ / Tag.

Übrigens: Die 136 Arbeitstage kommen zustande, indem man die Wochenenden, Feiertage, Urlaubstage, Krankheitstage sowie Tage zur Weiterbildung den 365 Tagen im Jahr abzieht.

Stundensatz: 184€ : 8 Std. = 23€ / Std.

Berechnet haben wir hierbei jedoch nur das absolute Minimum! Zu empfehlen wäre, alle Zusatzausgaben, wie z.B. Autoversicherung, Kleidung, Urlaub und Rente mit hinzu zu zählen, so dass kein Engpass entsteht.

Der durchschnittlichen Stundensatz der Freelancer Umfrage 2016 lag bei 82,13 €. An der Studie nahmen 711 Teilnehmer teil - vorwiegend aus den Bereichen IT und Engineering.

2017 liegt der durschnittliche Stundensatz von Freelancern bei 87,36 €.

Zur Freelancer Marktstudie 2017


Freelancer-Kompass 2017 - PDF downloaden

Nicht vergessen: Freelancer müssen damit rechnen, dass sie im Laufe des Jahres unproduktive Zeit haben, die sie nicht in Rechnung stellen. Sie kümmern sich um Kundenakquise, organisieren das Büro oder erledigen die Buchführung. Wie groß der Anteil der unproduktiven Zeit ist, hängt von der Branche ab. Bei Programmierern fällt sie mit fünf bis zehn Prozent eher gering aus. Wer im Bereich Marketing arbeitet, muss mit mehr unproduktiver Zeit rechnen.


3. Stetige Steigerung des Honorars


Haben Sie keine Angst, dass Ihre Kunden bei einer Erhöhung Ihres Honorars abspringen. Wenn Sie mit ihrer Leistung zufrieden sind, werden sie auch bereit sein die Erhöhung zu zahlen. Es ist wichtig, dass Sie über eine kontinuierliche Erhöhung nachdenken und auch durchsetzen, da Sie in schwierigeren Zeiten, wie Inflation oder auch auf Grund der fehlenden Rente, Ihre Einbußen ausgleichen müssen.

Die Grundlage ist, sich ein Ziel zu setzen: „Wie viel will ich verdienen?“
Hierzu wieder ein Beispiel mit dem Ziel:

 
  • Reduzierung der Arbeitstage, d.h. statt 3 Tage nur noch 2 Tage (100 Arbeitstage), und
  • 60.000 € Verdienst 

Rechnung: 60.000 € : 100 Arbeitstage = 600 € / Tag ? 75 € / Std.

Das ist unser Ziel! Wie schafft man es nun, dieses Ziel zu erreichen?
  

Aufgliederung der Leistungen

Jede Leistung, die Sie erbringen, hat ihren Preis. Verschaffen Sie sich Klarheit über Ihr breites Leistungsangebot. Sollten Sie zu viele Dienstleistungen haben, ist es sinnvoll, diese etwas zu reduzieren. Werfen Sie einen Blick auf Ihre vergangenen Projekte und wählen Sie die lukrativsten aus.


Auftritt nach Außen

Bleiben Sie nicht nur bei Ihrer googlemail-Adresse. Erstellen Sie sich eine eigene Webseite, welche Sie mindestens zwei Mal im Jahr mit Ihren Referenzen und Arbeiten aktualisieren. Ein professioneller Online-Auftritt ist die Grundlage für ein höheres Honorar. Dadurch können Sie Ihren Kunden zeigen, dass Sie nicht auf sie angewiesen sind, sondern so gut sind, dass sie mit Anfragen regelrecht bombardiert werden. Kompetenz beweisen Sie, wenn Sie zusätzlich einen Blog erstellen und etwa einmal pro Woche einen Beitrag publizieren. Schreiben Sie über Ihre Branche und geben Sie wertvolle Tipps zu Ihren Fachgebieten. Auf diese Weise können Sie potenziellen Kunden Ihre Blogartikel als Referenzen senden.


Kundenportfolio überwachen

Oftmals muss man als Freiberufler gar nicht nach neuen Kunden suchen. Viele sprudeln durch Weiterempfehlungen in das Kundenportfolio. Um einen guten Überblick über die bestehenden Kunden zu behalten, pflegen Sie Ihr Kundenportfolio und unterscheiden Sie hier zwischen wichtigen und weniger wichtigen Klienten. Konzentrieren Sie sich dann auf Ihre wichtigen Kunden und unternehmen Sie Aktivitäten, um den guten Kontakten ein breiteres und individuelles Leistungsangebot anbieten zu können.


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Quelle:   http://www.als-freiberufler.de/finanzen/stundensatz-und-honorar-fuer-freiberufler/
Bild:  © Mellimage - Fotolia.com
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Kommentare

  • Kommentar von Uwe Mueller am 11.06.2015 um 17:22 Uhr


    ???? Reduzierung der Arbeitstage, d.h. statt 3 Tage nur noch 2 Tage (100 Arbeitstage), und

    60.000 € Verdienst ????

    Hallo,
    wie soll denn das funktionieren ? Zeigen sie mir ein Projekt in Ihrer Webseite, wo man 100 Tage arbeiten kann und 60000 Euro mit 2 Tagen Arbeit pro Woche verdient ???? Den Job nehmen ich sofort und wenn ich umsatteln muss ... ! Ich verlange einen Satz von ca. 70-80 Euro ... und habe keine 60000 Euro im Jahr ... !
    mfg
    U. Müller

  • Kommentar von Lars Kindl am 11.06.2015 um 17:39 Uhr

    In der Praxis arbeitet man ja mitunter an zwei Projekten oder mehr. Außerdem erscheint es mir so, als ginge es hier um eine theoretische Annahme anstatt eines Fallbeispiels.

  • Kommentar von w.putz am 11.06.2015 um 20:51 Uhr

    Wenn wir uns als Freelancer hier mal richtig ins Knie schießen wollen, dann würde ich mit den € 23,00 auch noch Werbung machen. Ich nehme ein Beispiel aus Österreich, da ich hier die Websites besser kenne, die Vergleichen taugen aber auch in D. Ein Arbeitnehmer mit 25000 Euro p.a. verdient ca. 18400 p.a Euro nach Steuern. Der Dienstgeber zahlt ca. 33000 Euro p.a. da komme ich ohne Kfz, Infrastruktur etc. bei 136 Tagen á 8 Stunden auch 30 Euro Stunde. Da ist zwar der gesamte Betrag Sozial-, Pension- etc. Versicherung dabei, Unternehmerisches Risiko etc. fehlt aber völlig. Also bitte nicht für 23,00 anbieten. Das kann sich nicht ausgehen. Im Gegenteil sollte auf ein solchen Plattform ein Mindeststundensatz von xx gefordert werden. 60, 80 was weiß ich. Nicht 23!!!

  • Kommentar von Hans Dieter Koch am 11.06.2015 um 21:24 Uhr

    Man sollte vielleicht im Auge behalten dass der Freiberufler (Beratender Ingenieur, Anwalt, Notar etc.) anders aufgestellt ist als der klassische Freelancer, sprich Selbständige. Für Sachbearbeitertätigkeiten oder ähnliche Tätigkeitsfelder sind 23€ durchaus in Ordnung. Die Ingenieurstunde liegt beim Sachverständigen bei 85€, beim Beratenden Ingenieur bei 75€ - 80€. Stundenlöhne von 150€ entbehren jeder Rechtfertigung, ich würde mich allerdings dagegen nicht wehren :)
    Gruß,
    HDK

  • Kommentar von Gerald Fiesser am 13.06.2015 um 04:13 Uhr

    Du meine Güte... den Stundensatz danach berechnen wollen was man persönlich an Ausgaben hat. Was für ein (wahrscheinlich gutgemeinter, aber trotzdem) Unfug. Es zählt der marktkonforme Stundensatz. Den findet man in Gesprächen mit Kollegen. Wie wäre es übrigens mit Rücklagen für die Altersvorsorge? Mit 23 € Stundensatz kommt man da nicht weit.

  • Kommentar von Armin Kruse am 13.06.2015 um 11:59 Uhr

    Selten so einen Unfug gelesen!
    Nur 136 Arbeitstage? 200 bis 220 abgerechnete Tage pro Jahr sollten es schon sein.
    Ein Projekt finden, dass nur 2-3 Tage Arbeit in der Woche verlangt? Äußerst schwierig in der IT.
    Ein FB, der weniger als 60,- EUR ansetzt, wird es wohl nie schaffen für die Rente vorzusorgen oder seine Weiterbildung zu finanzieren. Rücklagen für Krankheit oder Auftrags-/Zahlungsausfälle sind so auch nicht möglich. Also auch als Anfänger 60,- EUR plus X verlangen, sonst lieber ohne Risiko in einer Festanstellung arbeiten. Zumindest wenn man davon leben muss.

  • Kommentar von Gabriele am 14.06.2015 um 16:29 Uhr


    1. bezieht ein Freelancer kein Gehalt. Solche Aussagen kippen Öl ins Feuer von Frau Nahles die im Moment ja versucht, alle Solo-Unternehmer in die Sozialversicherung zu zwingen.

    2. Bei der ganzen Rechnung wurden wohl sämtliche Aufwendungen für Steuern und Abgaben vergessen?

    3. Es ist durchaus sinnvoll, sich auszurechnen wie hoch das Honorar sein muss damit man ein Einkommen erzielt das einem Gehalt in einer bestimmten Höhe gleichzusetzen ist um ein Gefühl dafür zu bekommen. Der Autor legt ein Netto-Jahreseinkommen von 25.000 EUR zugrunde das sicherlich nicht auf jeden Leser zutrifft.

    4. Ich kann nur jedem empfehlen, seinen Stundensatz genau zu berechnen und eventuell einen Steuerberater zu fragen. Allerdings finden sich auch im Internet aussagekräftige Modelle mit Hinweisen, was man alles beachten muss. Von 23 Euro in der Stunde kann man nicht leben.

    5. Ich warne davor, sich für Dumping-Preise zu verkaufen. Auch wenn man nur nebenberuflich tätig ist und/oder auf das Geld nicht angewiesen ist: Sind die Preise versaut können sie nicht mal eben um 20 oder mehr % angehoben werden. Nebenbei macht man dann noch die Preise am Markt kaputt. Jeder kann in die Situation kommen, in der man doch von seiner Tätigkeit leben muss. Ich denke da insbesondere an die weiblichen Leser die sich gerne für abgrundtiefe Stundensätze ausnehmen lassen.

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