War for Talents: Mangelware Nachwuchskräfte

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Der Ausbruch der Corona Pandemie sprach dem Begriff des Fachkräftemangels einen erneuten Hype zu. Allerdings ist der Begriff nicht erst seit 2019 in aller Munde, denn Unternehmen haben bereits seit Jahren zunehmend Schwierigkeiten, qualifizierte Kandidaten für vakante Jobs zu rekrutieren. Überall dort, wo auf dem Arbeitsmarkt das Angebot die Nachfrage übertrifft, herrscht aktuell der War for Talents.


Inhalt des Artikels:

  1. Was bedeutet War for Talents?
  2. Ursachen des War for Talents
  3. Strategien für erfolgreiches Recruiting
  4. Fazit

Was bedeutet War for Talents?

Der Begriff War for Talents, zu Deutsch: „der Kampf um Nachwuchstalente„, wurde erstmals 1997 von Steven Hankin in einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company verwendet.  Während der Begriff ursprünglich nur auf den Kampf um junge Studienabsolventen bezogen war, beschreibt der War for Talents heute das Spannungsfeld zwischen der sinkenden Anzahl junger Fachkräfte und dem tendenziell steigendem Mitarbeiterbedarf der Firmen.

Ursachen des War for Talents

Der demografische Wandel der westlichen Gesellschaft konnte als Hauptauslöser für die bundesweiten Fachkräfteengpässe identifiziert werden. Durch die deutschlandweit sinkende Geburtenrate und dem infolgedessen höher werdenden Altersdurchschnitt der Arbeitnehmer, fehlt es dem Arbeitsmarkt jedoch zunehmend an attraktiven Talenten.

Aufgrund der Tatsache, dass es weniger junge und qualifizierte Absolventen gibt, entpuppt sich der War for Talents jedoch gleichzeitig zugunsten der Arbeitssuchenden. Da es nun mehr offene Positionen als Bewerber gibt, haben es Hochschulabsolventen folglich leichter eine freie Stelle zu erobern.

Um langfristig erfolgreich zu sein, konkurrieren Unternehmen heute um die besten Talente, auch genannt: High Potentials. Während die Rekrutierung früher auf regionaler Ebene statt fand, müssen sich Firmen aufgrund der zunehmenden Globalisierung auch auf internationaler Ebene etablieren. Auch Remote Work und der Einsatz von Freelancern werden immer beliebter.

Dies hat zur Folge, dass Modernisierung und Veränderungen seitens der Arbeitgeber an Wichtigkeit zulegen. Veraltete Strukturen des Berufslebens finden durch den Wertewandel in Zeiten von New Work keinen Platz mehr.

Denn: Die Ansprüche der künftigen Fachkräfte, auch Generationen Y & Z genannt, haben sich in den letzten Jahren stark verändert.

Im Kontrast zur älteren Generation, welche noch mit hohen Gehältern und Sicherheit zufrieden gestellt war, fordert der selbstbewusste Absolvent heute weitaus mehr Benefits. Flexible Arbeitszeiten, eine gesunde Work-Life Balance und Eigenverantwortung sind für ihn selbstverständlich. Durch die Verschiebung der Machtverhältnisse und dem daraus resultierenden Druck, passende Mitarbeiter zu gewinnen, bedeutet das für Unternehmen eins: den Bedürfnissen der Arbeitnehmer gerecht zu werden.

Ursachen des War for Talents
Die Ursachen des War for Talents

Generation Z erfolgreich rekrutieren

Der War for Talents um junge Talente wird auch in Zukunft bestehen, wenn nicht sogar zunehmen. Die stetige Digitalisierung und Weiterentwicklung von Technologien führt zu neuen Jobs und immer spezifischeren Anforderungsprofilen. Um sich im Wettbewerb durzusetzen, bedarf es einer durchdachten Strategieplanung sowie einem kreativen Ansatz zur gezielten Ansprache der Talente. Das Recruiting steht vor neuen Herausforderungen.

Um den Fachkräftemangel zu begegnen und die jungen Potenziale für sich zu gewinnen, locken Unternehmen mit zahlreichen Vorteilen und flexiblen Arbeitszeitmodellen. Wie bereits zuvor erläutert, bedarf es parallel einer guten Recruiting – Strategie, um einen langfristigen Vorteilsvorsprung in Sachen Arbeitgeberimage zu erlangen.

1. Employer Branding

Ein starkes Employer Branding ist die Basis für gelungenes Recruiting. Um eine positive Assoziation und Bindung bei der Zielgruppe zu erreichen, ist es unabdingbar am eigenen Image zu schleifen. Arbeit ist nicht mehr gleich Arbeit. Die Identifikation des Mitarbeiters mit dem Unternehmen spielt vermehrt eine große Rolle.

Durch strategische Außenkommunikation und solides Auftreten, kann ein Vorsprung in der Personalbeschaffung generiert werden. Voraussetzung ist hier – wie in allen anderen Geschäftsbereichen auch – die Investition von Zeit und Geld in neue Methoden des Arbeitgebermarketings.

2. Social Media Recruiting – Digital Natives gewinnen

Digital Natives, also junge Menschen, die mit Online Plattformen aufgewachsen sind, werden am besten über Social Media erreicht.

Neben der Möglichkeit, besonders junge Zielgruppen schnell und einfach zu erreichen, bringen Plattformen wie LinkedIn, XING, kununu & Co. eine ganze Reihe an Vorteilen mit sich. Durch die Selektierungsmöglichkeiten haben Unternehmen den Vorteil, ihre Kandidaten vor Kontaktaufnahme filtern zu können oder gezielt Inhalte zu veröffentlichen.

Das Teilen solcher Inhalte hat den positiven Effekt, dass diese, sofern ansprechend gestaltet, eine hohe Reichweite generieren. Modern ausgedrückt: „viral gehen“. So entsteht zum einen die Möglichkeit die Zielgruppe in ihrem gewohnten Umfeld anzusprechen und zum anderen eine kostengünstige und einfache Alternative zu nutzen, um ein positives und modernes Arbeitgeberimage aufzubauen.

3. Aktive Personalbeschaffung

Eine beliebte Methode seine Bewerber vor allen anderen abzugreifen, stellt das Active Sourcing dar. Der Begriff Active Sourcing bedeutet im Deutschen: aktive Personalbeschaffung. Die Bedeutung und Umsetzung liegen in der Modernisierung des Recruiting Prozesses. Anstatt auf den Eingang der perfekten Bewerbung zu warten, geht es hierbei um die gezielte Suche nach neuen Mitarbeitern. Auf verschiedenen Wegen können so, insbesondere im MINT-Bereich, attraktive Kandidaten akquiriert werden.

Neben den oben genannten Social Media Möglichkeiten, kann das Active Sourcing auch über den direkten Kontakt auf Talentmessen, Universitätsveranstaltungen oder über Lebenslaufdatenbanken betrieben werden.

Möglichkeiten zur aktiven Personalbeschaffung (Active Sourcing)
Möglichkeiten zur aktiven Personalbeschaffung (Active Sourcing)

Fazit: Um den War for Talents zu gewinnen, muss das Gesamtpaket stimmen.

Die Candidate Experience beschreibt sämtliche Erfahrungen, die ein Bewerber oder potenzieller Mitarbeiter während des gesamten Einstellungsprozesses sammelt. Oben genannte Strategien legen die Basis für das erfolgreiche Recruiting, sind aber noch nicht alles. Ausschlaggebend ist, ob der Gesamteindruck letztlich stimmt, oder nicht. Für Unternehmen heißt das konkret: Neben der Jobsuche und dem Image als attraktiver Arbeitgeber, spielt der Bewerbungsprozess vom Interview bis hin zum Onboarding eine signifikante Rolle, um den War for Talents zu gewinnen.

Über den Autor

Demet Okyay

Demet Okyay ist Masterstudentin im Fach Digital Marketing & seit Februar 2021
Werkstudentin im Bereich SEO bei freelancermap.de

Von Demet Okyay