Fachkräftemangel 2026: Definition, Zahlen & Lösungen
Fachkräftemangel und wie Freelancer die Lücken füllen

Vom Fachkräftemangel ist so gut wie jede Branche betroffen. Der Mangel an qualifizierten Fachkräften verursacht jährlich wirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe, Schuld daran sind unter anderem der demografische Wandel oder die Abwanderung von Fachkräften ins Ausland. 2026 ist die Lage widersprüchlich: Die Engpässe haben sich zuletzt spürbar entspannt, aber nicht, weil das Problem gelöst wäre. In diesem Beitrag klären wir alle Fragen zum Thema, ordnen die aktuellen Zahlen ein und zeigen auf, wie Freelancer die Lücke füllen können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Fachkräftemangel hat sich seit 2022 mehr als halbiert.
  • Grund ist die schwache Konjunktur: der Mangel gilt weiterhin als strukturell und dürfte mit der nächsten Erholung zurückkehren.
  • Größte Fachkräftelücke 2024: Gesundheitswesen mit rund 46.100 rechnerisch unbesetzten Stellen, gefolgt vom Baugewerbe.
  • In der IT fehlen rund 109.000 Fachkräfte, und der demografische Wandel verschärft die Lage: Bis 2036 könnten rund 4,3 Millionen Arbeitskräfte fehlen.
  • Freelancer schließen Lücken kurzfristig: Hoch qualifizierte Selbstständige sind schnell einsatzbereit und bringen Nischen-Know-how mit, das in der Belegschaft fehlt.

Definition – was bedeutet Fachkräftemangel?

Der Begriff Fachkräftemangel beschreibt eine Situation, in der Unternehmen keine Arbeitskräfte mit bestimmten, gefragten Fähigkeiten finden, um ihre freien Arbeitsstellen zu besetzen. Fachkräfte sind definiert als Akademiker mit einem Bachelor- oder Masterabschluss, Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung sowie ausgebildetes Personal mit zusätzlichen Qualifikationen oder Meistertitel.

Sind diese Fachkräfte in bestimmten Branchen nicht verfügbar, da es an der Zahl der ausreichend gut ausgebildeten Kandidaten mangelt, spricht man von einem Fachkräftemangel. Typischerweise äußert sich ein Fachkräftemangel über einen limitierten Zeitraum.

Der Arbeitskräftemangel beschreibt indes eine andere Situation, in der ganz grundsätzlich Arbeitskräfte fehlen. Hier schreiben die Unternehmen über einen langen Zeitraum deutlich mehr Stellen aus, als besetzt werden können.

Ist der Fachkräftemangel 2026 vorbei? Das ist die aktuelle Lage

Ist der Fachkräftemangel 2026 endlich vorbei? Leider nein. Zwar hat er sich zuletzt spürbar entspannt, von einer Trendwende sollte man aber noch lange nicht sprechen.

Laut dem KfW-ifo-Fachkräftebarometer meldeten zu Beginn des zweiten Quartals 2026 noch 21 % der deutschen Unternehmen Beeinträchtigungen ihrer Geschäftstätigkeit durch fehlende Fachkräfte. Auf dem Höhepunkt im dritten Quartal 2022 lag dieser Anteil bei 49,7 %. Was heißt: der Wert hat sich mehr als halbiert.

Der Grund für die Entspannung ist allerdings wenig ermutigend. Nicht ein größeres Angebot an qualifizierten Arbeitskräften treibt den Rückgang, sondern die anhaltende Wirtschaftsschwäche. Weil viele Unternehmen mit sinkender Nachfrage, hohen Energiekosten und internationalem Wettbewerbsdruck kämpfen, stellen sie schlicht weniger ein.

Wie ungleich sich die Lage verteilt, zeigt der Blick auf einzelne Bereiche:

  • Dienstleistungssektor: rund 25 % der Unternehmen betroffen, besonders angespannt in Rechts- und Steuerberatung, Verkehr, Gastronomie sowie bei Architektur- und Ingenieurbüros.
  • Bauhauptgewerbe: knapp ein Drittel der Betriebe meldet Engpässe, gestützt durch öffentliche Infrastrukturinvestitionen.
  • Kleine und mittlere Unternehmen: überdurchschnittlich betroffen. Im April 2026 meldeten 22 % der Mittelständler Einschränkungen, bei Großunternehmen waren es 19,3 %. Im verarbeitenden Gewerbe ist der Abstand noch größer (18,3 % gegenüber 8 %), weil Mittelständler im Wettbewerb um Personal oft weniger attraktive Konditionen bieten können.

Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW, ordnet das so ein: Der Fachkräftemangel habe zwar nachgelassen, das sei aber vor allem auf die Wirtschaftsschwäche zurückzuführen. Sobald sich die Konjunktur erholt, dürfte das Problem zurückkehren. Bei den Gegenmaßnahmen dürfe man deshalb nicht nachlassen.

Warum gibt es Fachkräftemangel?

Es gibt mehrere Gründe, weshalb Fachkräfte-Engpässe entstehen. Einer davon ist der demografische Wandel in Deutschland, also der Rückgang der Geburtenzahlen. Während die sogenannten Babyboomer in der Nachkriegszeit noch 1,36 Millionen Kinder bekamen, lag der Stand im Jahr 2011 mit rund 663.000 Neugeborenen auf einem Rekordtief.

Das Problem ist, dass durch die niedrige Geburtenrate mehr Menschen in Rente gehen als neue Arbeitnehmer auf den Markt treten. Genau dieser Effekt setzt sich in den kommenden Jahren fort: Bis 2036 gehen laut Institut der deutschen Wirtschaft rund 16,5 Millionen Babyboomer in Rente, während nur etwa 12,5 Millionen jüngere Menschen nachrücken.

Unter dem Strich könnten dadurch rund 4,3 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Bereits seit Jahrzehnten spiegelt sich der Mangel an Nachwuchskräften im Ausbildungsbereich wider. Zum Beispiel wurden im Jahr 2010 noch mehr als 553.000 Ausbildungsverträge unterschrieben, 2020 waren es nur noch 463.000, also rund 90.000 weniger.

Ein weiterer Einflussfaktor auf den Fachkräftemangel ist die Digitalisierung. Die technologischen Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt entwickeln sich schneller als hoch qualifizierte Fachkräfte mit den entsprechenden Fähigkeiten nachkommen.

Weitere Gründe für den Fachkräftemangel sind:
  • Qualifikationsniveau sinkt stetig: Die Zahl der bestandenen bzw. abgeschlossenen Berufsausbildungen ist seit 2010 besonders in den Branchen Industrie und Handel sowie im Handwerk um mindestens 30.000 zurückgegangen.

  • Die Attraktivität der Beschäftigung weiterhin gering: Fast jeder zehnte junge Erwachsene zwischen 20 und 24 Jahren ist aktuell weder in Ausbildung noch Beschäftigung oder befindet sich in einer Weiterbildung (9,9 %).

  • Zahl der Teilzeitkräfte steigt: Obwohl sich weniger Arbeitsstunden positiv auf die Work-Life-Balance auswirken, zeigt der Trend zu mehr Teilzeitjobs negative Folgen für den Fachkräftemangel, da das Arbeitspotenzial nicht voll ausgeschöpft wird. Im Schnitt arbeitet aktuell jede zweite Frau in Teilzeit, bei den Männern ist es etwa jeder achte.

  • Einige Engpass-Berufe werden schlecht bezahlt: Berufsgruppen wie die Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Zahnarzthelfer oder Berufskraftfahrer verdienen zwischen 300 und 1.000 Euro weniger als der Durchschnitt. Das macht eine Ausbildung in diesen Sektoren weniger attraktiv für angehende Fachkräfte oder bereits ausgebildete Profis.

  • Statt der Ausbildung wird häufiger das Studium gewählt: Insgesamt ist die Zahl der Azubis mit der Zeit gesunken. Gleichzeitig nahm der Anteil an Studierenden zu. Leider nur nicht dort, wo sie gebraucht werden, nämlich im MINT-Bereich (MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Dadurch fehlen Azubis in wichtigen Bereichen sowie unter anderem IT-Fachkräfte.

Diese Branchen sind vom Fachkräftemangel besonders betroffen

Wie eingangs bereits erwähnt fehlt es Deutschland an vielen Stellen an geeigneten Fachkräften. Aber welche Branchen sind eigentlich besonders stark betroffen?

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat die Fachkräftelücke erstmals nach Wirtschaftszweigen berechnet. Im Jahresdurchschnitt 2024 blieben allein in den zehn Branchen mit den größten Engpässen über 260.000 Stellen rechnerisch unbesetzt. Die Spitzenreiter:

BrancheFachkräftelücke 2024 (unbesetzte Stellen)
Gesundheitswesen46.100
Baugewerbe (Bauinstallation & Ausbaugewerbe)41.300
Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung37.600
Einzelhandel (ohne Kfz)26.900
Sozialwesen (ohne Heime)26.400
Herstellung von Metallerzeugnissen18.500
Maschinenbau18.000
Heime (ohne Erholungs- und Ferienheime)16.400
Branchen mit den größten Fachkräftelücken, Jahresdurchschnitt 2024 (Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, IW-Report Nr. 55)

Auffällig ist, dass sich die Engpässe in vielen Branchen auf wenige Berufsgruppen konzentrieren. Im Gesundheitswesen entfallen über die Hälfte der Lücke auf Physiotherapeutinnen und -therapeuten (rund 11.979), Pflegekräfte (7.174) und zahnmedizinische Fachangestellte (6.778). Im Baugewerbe sind vor allem Fachkräfte für Bauelektrik (10.496) sowie für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (8.648) gefragt.

Ein Sonderfall bleibt die IT: Laut Bitkom waren zuletzt rund 109.000 Stellen für IT-Fachkräfte unbesetzt, und ein Großteil der Unternehmen erwartet eine weitere Verschärfung. Gerade hier, wo Freelancer traditionell stark vertreten sind, trifft hohe Nachfrage auf ein knappes Angebot an spezialisierten Profis.

Mit Freelancern dem Fachkräftemangel entgegenwirken

Anders als beim Arbeitskräftemangel spielen beim Fachkräftemangel Anforderungen an die Qualifikation eine große Rolle. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einem Mangel entgegenzuwirken. Der Einsatz von Freelancern (Outsourcing) ist eine davon.

Hierbei profitieren Unternehmen vom Zugang zu hoch qualifizierten und spezialisierten Fachkräften, die neben Expertenwissen auch Nischenkenntnisse mitbringen. Egal ob in der IT, im Ingenieurwesen oder in der Kreativwirtschaft – Freelancer bringen das Fachwissen mit, das in der Belegschaft fehlt.

Noch ein Vorteil ist, dass sie schnell einsatzbereit sind. Gerade in Phasen konjunktureller Unsicherheit ist das entscheidend: Unternehmen können gezielt genau die Skills einkaufen, die sie gerade brauchen, ohne langfristige Personalbindung.

Lese-Tipp: Freelancer bieten noch mehr Vorteile als eine schnelle Einsatzbereitschaft oder spezifisches Know-how. In unserem Ratgeber „Freelancer statt Festangestellter: 8 Vorteile für den Einsatz von Freelancern“ verraten wir, welche positiven Aspekte die Zusammenarbeit mit Freelancern mit sich bringt.

Freelancer

Zudem sind Freelancer in den verschiedensten Branchen unterwegs. Zu den typischen Freelancer-Berufen gehören: SAP-BeraterData ScientistsDevOpsSoftware Entwickler und Software Engineers. A

-uch Interim-ManagerConsultants, Marketingberater, GrafikdesignerWebdesigner und UX-Designer zählen zu den häufigen freiberuflichen Jobs. Der Fachkräftemangel, die Globalisierung und die Digitalisierung tragen dazu bei, dass der Bedarf an Freelancern hier weiter ansteigen wird.

Allerdings ist genau diese Ressource nicht selbstverständlich. Laut Freelancer-Kompass 2026 denkt ein erheblicher Teil der Selbstständigen über eine Abwanderung ins Ausland nach.

Die Gründe, die sie nennen, beziehen sich vor allem auf Bürokratie und regulatorischer Unsicherheit. Wandern gefragte Expertinnen und Experten ab, verschärft das den Fachkräftemangel zusätzlich. Mehr dazu in unserem Beitrag „Deutschland verliert seine Fachkräfte: 56 % der Freelancer wollen weg“.

Weitere Lösungsmöglichkeiten

Langfristig gilt es, die Strukturen zu schaffen, um den Mangel am Arbeitsmarkt zu beseitigen. Beispielsweise durch ein ausreichendes Studien- oder Ausbildungsangebot, um die nachgefragten Berufe zu erlernen.

Der Engpass an passenden Ausbildungsmöglichkeiten oder Studiengängen kann sich aber auch aus neuen Branchen ergeben. Der Bedarf an geeigneten Fachkräften für diese Bedürfnisse kann allerdings nicht ausreichend über die bisherigen Bildungsstrukturen befriedigt werden.

Auch die Fachleute sind sich einig, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss. Sowohl die KfW als auch das Institut der deutschen Wirtschaft nennen im Wesentlichen dieselben Hebel:

  • eine gezielte Ausbildung in Mangelberufen,
  • lebenslanges Lernen und Weiterbildung,
  • eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren
  • sowie eine gezielte Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte.

Die Bundesregierung setzt in ihrer Fachkräftestrategie auf ähnliche Maßnahmen: Anreize, um Frauen und ältere Personen stärker in die Erwerbsbeteiligung einzubinden, die Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt sowie Unterstützung für Unternehmen, um vermehrt Menschen mit Behinderung und aus unterschiedlichen Altersgruppen einzustellen.

Fait: Fachkräftemangel in Deutschland

Zurzeit wird vor allem in den Medien häufig vom Fachkräftemangel in Deutschland gesprochen. Zuletzt oft mit der Frage, ob er nicht bereits vorbei sei. Aber: Es handelt sich weder um einen flächendeckenden Mangel, noch ist die aktuelle Entspannung ein Grund zur Entwarnung.

Betroffen sind vor allem die Gesundheits- und Sozialberufe, das Baugewerbe und der MINT-Bereich, allen voran die IT. Der jüngste Rückgang ist konjunkturell bedingt und dürfte sich mit der nächsten wirtschaftlichen Erholung auch wieder umkehren.

Strukturell bleibt die Lage angespannt: Das IW rechnet damit, dass bis 2028 rund 768.000 Stellen nicht mit ausreichend qualifizierten Fachkräften besetzt werden könnten. Da die Zahl der Erwerbstätigen aufgrund des demografischen Wandels in den kommenden Jahren weiter abnimmt, wird sich die Situation ohne Gegenmaßnahmen voraussichtlich noch verschärfen.

Kurz- und mittelfristig können die freiberuflichen Fachkräfte in Deutschland jedoch eine wertvolle Brücke im Kampf gegen den Fachkräftemangel bilden.

FAQ: Häufige Fragen zum Fachkräftemangel 

Von Fachkräftemangel spricht man, wenn Unternehmen offene Stellen nicht besetzen können, weil zu wenige ausreichend qualifizierte Kandidaten verfügbar sind. Als Fachkräfte gelten Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung, mit Fortbildung (etwa Meister oder Fachwirt) oder mit Hochschulabschluss.

Nein. Zwar meldeten zu Beginn des zweiten Quartals 2026 nur noch 21 % der Unternehmen Beeinträchtigungen durch fehlende Fachkräfte, nach 49,7 % im dritten Quartal 2022. Dieser Rückgang ist aber vor allem auf die schwache Konjunktur zurückzuführen und nicht auf ein größeres Fachkräfteangebot. Erholt sich die Wirtschaft, dürfte der Mangel wieder zunehmen.

Die größten Fachkräftelücken bestehen 2024 im Gesundheitswesen (rund 46.100 unbesetzte Stellen), im Baugewerbe (41.300) und in der öffentlichen Verwaltung (37.600). Auch Einzelhandel, Sozialwesen, Pflege und die IT gehören zu den am stärksten betroffenen Bereichen.

Laut Bitkom waren zuletzt rund 109.000 Stellen für IT-Fachkräfte unbesetzt. Ein Großteil der Unternehmen rechnet damit, dass sich der Engpass in den kommenden Jahren weiter verschärft.

Zentrale Hebel sind die Ausbildung in Mangelberufen, lebenslanges Lernen und Weiterbildung, eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren sowie gezielte Zuwanderung. Kurzfristig können Unternehmen Engpässe zusätzlich über den Einsatz von Freelancern überbrücken, die spezialisiertes Know-how mitbringen und schnell einsatzbereit sind.

Freelancer verschaffen Unternehmen Zugang zu hoch qualifizierten Spezialisten, ohne langfristige Personalbindung. Sie sind schnell verfügbar, decken Nischenkompetenzen ab und lassen sich gezielt für einzelne Projekte einsetzen – ein Vorteil gerade in konjunkturell unsicheren Zeiten.

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