Freelancer & die Standortfrage: Deutsche Städte im Vergleich
Freelancer arbeiten heute zum größten Teil remote oder zumindest hybrid. Und dennoch hängt am Wohnort mehr, als es zunächst scheint: wie viele Projekte in erreichbarer Nähe ausgeschrieben werden, wie stark die Konkurrenz vor Ort ist und wie viel vom Honorar nach der Miete noch übrig bleibt. Eine Auswertung von über 100.000 aktiven Freelancer-Profilen zeigt, worauf es bei der Standortwahl ankommt.
Das Wichtigste im Ăśberblick
- Beim geforderten Stundensatz liegen sieben der acht untersuchten Städte im Median gleichauf. Die Unterschiede zeigen sich erst im oberen Viertel.
- Wichtiger als die Wahl-Stadt ist das Fachgebiet: Zwischen Beratung und Design liegen rund 30 Euro.
- Beim Projektangebot je nach Stadt sind die Unterschiede dagegen groß: In Frankfurt am Main kommen rund 416 Ausschreibungen auf 100 ansässige Freelancer, in Berlin 83.
- In Leipzig finanziert eine Arbeitsstunde rechnerisch 7,83 Quadratmeter Wohnfläche, in Düsseldorf 6,19.
- Spannend neben den Großstädten: Städte wie Ulm, Heidelberg und Eschborn liegen beim Stundensatz auf Großstadtniveau.
Wer über einen Standortwechsel nachdenkt oder nur wissen will, wie die eigene Stadt im Vergleich dasteht, findet in den folgenden Abschnitten spannende Daten dazu. Grundlage dieser Auswertung sind die aktiven Profile auf freelancermap mit Deutschlandbezug, ergänzt um die Projektausschreibungen der letzten 12 Monate.
Wie viel entscheidet die Stadt beim Stundensatz?
Die Stadt entscheidet beim geforderten Stundensatz weniger, als man vielleicht annehmen könnte. So liegen sieben der acht untersuchten Städte bei 90 Euro (im Median). Berlin kommt dagegen nur auf 85 Euro, Leipzig auf 80. Spannend wird es dagegen im oberen Viertel, denn hier unterscheiden sich die Städte teils erheblich:
| Stadt | Ein Viertel verlangt weniger als | Typischer Satz (Median) | Ein Viertel verlangt mehr als | Anteil ab 100 € |
| Düsseldorf | 72 € | 90 € | 120 € | 43,4 % |
| Frankfurt am Main | 70 € | 90 € | 115 € | 43,4 % |
| Hamburg | 75 € | 90 € | 110 € | 42,9 % |
| Köln | 75 € | 90 € | 110 € | 42,8 % |
| München | 75 € | 90 € | 110 € | 42,7 % |
| Stuttgart | 65 € | 90 € | 110 € | 38,7 % |
| Berlin | 65 € | 85 € | 100 € | 34,5 % |
| Leipzig | 65 € | 80 € | 100 € | 26,6 % |
In DĂĽsseldorf fordert ein Viertel der Profile mindestens 120 Euro. In Berlin und Leipzig liegt dieselbe Schwelle bei 100 Euro.
Wichtig zur Einordnung: Die oben genannten Werte stammen aus den Profilangaben selbst, und nicht aus den letztlich abgerechneten Honoraren. Sie zeigen, was Freelancer verlangen. Der Freelancer-Kompass 2026 von freelancermap weist fĂĽr den gesamten DACH-Raum einen durchschnittlichen Stundensatz von 103 Euro aus.
Diese Zahl stammt aus einer Befragung und ist nicht mit den Profilangaben direkt vergleichbar.
Wichtiger als der Standort: Das Fachgebiet
Viel wichtiger als die reine Standortfrage ist die Wahl seines Fachgebiets. Und hier wird das Muster eindeutig: Beratung liegt in jeder Stadt vorn, Design und Kreativleistungen liegen in jeder hinten.
Der Abstand zwischen zwei unterschiedlichen Fächern in ein und derselben Stadt ist größer als der Abstand zwischen zwei unterschiedlichen Städten in dem selben Fach.
| Fachgebiet | Berlin | Hamburg | Köln | Düsseldorf | Leipzig |
| Management/ Beratung | 100 € | 110 € | 110 € | 106 € | 100 € |
| IT-Dienstleistung | 90 € | 95 € | 95 € | 95 € | 85 € |
| Web-/Softwareentwicklung | 80 € | 90 € | 90 € | 85 € | 80 € |
| Digitales Marketing | 80 € | 85 € | 80 € | 85 € | 75 € |
| Grafik/ Kreativ | 70 € | 75 € | 80 € | 70 € | 55 € |
Was bedeutet das für die eigene Kalkulation? Das Fachgebiet zählt mehr als die Stadtgrenze. Ein Entwickler in Hamburg liegt im Median bei 90 Euro, eine Beraterin in Leipzig bei 100.
Wer sich mit der Standortbestimmung schwer tut, sollte deshalb wissen, dass das Fachgebiet zur Entscheidung beitragen sollte, und nicht der Stadtwert. Wer darunter liegt und gut ausgelastet ist, hat Spielraum. Wer darĂĽber liegt, braucht ein Argument dafĂĽr.
Der Sprung ins obere Viertel gelingt in der Regel ĂĽber Spezialisierung, Branchenkenntnis oder Projektverantwortung, nicht ĂĽber den Wohnort.
Warum DĂĽsseldorf und Frankfurt im oberen Viertel vorn liegen
DĂĽsseldorf und Frankfurt fĂĽhren das Stundensatz-Ranking im oberen Viertel der ausgewerteten Profile. Wieso ist das so? Die Antwort liegt in der Szene. In DĂĽsseldorf arbeiten rund 35 Prozent der Freelancer im Bereich Management und Beratung, in Frankfurt am Main ebenfalls.
In Leipzig sind es dagegen nur 19 Prozent, und in Berlin etwa 25. Was sich erkennen lässt: Wo viele Berater sitzen, zieht das die oberen Werte auch deutlich nach oben.
Das Beispiel Berlin zeigt das auch deutlich – in entgegen gesetzter Richtung. Dort stellen Entwicklung, Design und digitales Marketing zusammen deutlich mehr als die Hälfte der Profile. In allen drei Felder wird deutlich weniger Stundensatz verlang als im Beratungsfeld.
Lese-Tipp: Welchen Stundensatz können Freelancer verlangen? In unserem Ratgeber erklären wir im Detail, was Freelancer bei der Kalkulation wissen müssen.

Wo werden die meisten Projekte ausgeschrieben?
Die Standortwahl schließt auch die wichtige Frage mit ein: Wo werden denn nun die meisten Freelancer-Projekte ausgeschrieben? Hier sind die Unterschiede groß – und sogar deutlich größer als im Honorar.
Setzt man die Ausschreibungen der vergangenen zwölf Monate ins Verhältnis zur Zahl der ansässigen Freelancer, entsteht ein Bild, das sogar mit der Größe einer Stadt wenig zu tun hat.
| Stadt | Anteil an Ausschreibungen | Anteil an Freelancern | Ausschreibung je Freelancer |
| Frankfurt am Main | 30 % | 10 % | 4,2 |
| Stuttgart | 7 % | 5 % | 2,1 |
| DĂĽsseldorf | 7 % | 6 % | 1,4 |
| Köln | 10 % | 9 % | 1,4 |
| MĂĽnchen | 15 % | 20 % | 1,1 |
| Hamburg | 13 % | 18 % | 0,9 |
| Berlin | 188 % | 29 % | 0,8 |
| Leipzig | 1 % | 3 % | 0,4 |
achtung
Auf Frankfurt am Main entfallen ganze 30 Prozent aller Ausschreibungen der acht Städte, aber lediglich 10 Prozent der dort ansässigen Freelancer. Das bedeutet: Je Freelancer kommen in Frankfurt 4,2 Ausschreibungen im Jahr zusammen (und damit die meisten), in Berlin 0,8. Das ist mehr als das Fünffache.
In absoluten Zahlen werden am Bankenstandort mehr Projekte ausgeschrieben als in Berlin, obwohl dort nur rund ein Drittel so viele Freelancer wohnen. Auch wenn man ausschließlich Werkverträge zählt und Arbeitnehmerüberlassung außen vor lässt, bleibt der Abstand bestehen.
In Berlin ist es genau andersherum. In der Hauptstadt wohnen fast 29 Prozent aller Freelancer dieser acht Städte, und dennoch werden dort nur etwa 18 Prozent der Projekte ausgeschrieben.
Das heißt: Wer dort ansässig ist, konkurriert mit mehr Kollegen um weniger lokale Ausschreibungen. Das dürfte auch einen Teil des niedrigen Berliner Preisniveaus erklären.
Was nach der Miete ĂĽbrig bleibt
Ein hoher Stundensatz allein sagt aber nicht aus, wie viel am Ende des Monats davon übrigbleibt. Deswegen rechnen wir vor: wie viele Quadratmeter Wohnfläche finanziert eine Arbeitsstunde?
Dahinter steckt diese Formel: Median-Stundensatz geteilt durch die Angebotkaltmiete je Quadratmeter.
| Stadt | Typischer Stundensatz (Median) | Miete je m² | m² je Arbeitsstunde |
| Leipzig | 80 € | 10,22 € | 7,8 |
| Düsseldorf | 90 € | 14,55 € | 6,2 |
| Köln | 90 € | 15,71 € | 5,7 |
| Hamburg | 90 € | 16,08 € | 5,6 |
| Stuttgart | 90 € | 16,11 € | 5,6 |
| Berlin | 85 € | 15,93 € | 5,3 |
| Frankfurt am Main | 90 € | 17,36 € | 5,2 |
| München | 90 € | 23,35 € | 3,9 |
Ganz vorne dabei: Leipzig. Und das, obwohl der Stundensatz in dieser Stadt am niedrigsten ist. Die deutlich gĂĽnstigere Durchschnittsmiete gleicht den niedrigen Stundensatz aber mehr als aus.
Nicht verwunderlich, dass am anderen Ende München steht. Eine Arbeitsstunde dort finanziert nur halb so viel Wohnfläche wie in Leipzig, weil die Kaltmiete mit knapp 23 Euro je Quadratmeter mehr als doppelt so hoch liegt.
Wer über einen Wechsel nachdenkt, kann die Rechnung mit den eigenen Zahlen wiederholen. Nötig sind nur diese drei Werte: Eigener Stundensatz, Kaltmiete am Zielort, realistische Auslastung.
Ein Beispiel. Für eine 70-Quadratmeter-Wohnung werden in Berlin im Schnitt rund 1.115 Euro Kaltmiete fällig, in Leipzig rund 715 Euro. Wer 90 Euro verlangt, arbeitet in Berlin also gut 12 Stunden im Monat allein für die Wohnung, in Leipzig knapp 8. In München wären es bei derselben Wohnungsgröße über 18 Stunden.
Diese Stundenzahl ist der eigentliche Vergleichsmaßstab zwischen zwei Städten, nicht die Differenz beim Stundensatz.
Die unterschätzten Standorte
Die acht präsentierten Städte sind nur ein Ausschnitt (wenn auch ein erheblicher). Auf der vollständigen Liste stehen mittelgroße Standorte, die beim Honorar der „Großen“ in jedem Fall mithalten können.
Gemessen am Stundensatz
| Stadt | Typischer Stundensatz (Median) | Ein Viertel verlangt mehr als | Anteil Fachgebiet Beratung |
| Eschborn | 97 € | 120 € | 35 % |
| Ulm | 95 € | 120 € | 24 % |
| Heidelberg | 95 € | 115 € | 28 % |
| Bielefeld | 90 € | 120 € | 27 % |
| Mainz | 90 € | 110 € | 26 % |
| Bonn | 90 € | 110 € | 28 % |
Eschborn scheint von der Nähe zum Frankfurter Finanzplatz zu profitieren und hat entsprechend viele Beratungsprofile. Ulm und Heidelberg sind noch spannendere Fälle: Der Anteil der Beratungsprofile liegt dort im normalen Bereich, ungefähr so hoch wie in Berlin. Trotzdem liegt der typische Stundensatz bei 95 Euro und damit zehn Euro über dem Berliner Wert. Das lässt sich mit der Berufszusammensetzung allein nicht erklären.
Am unteren Ende liegen Dresden, Magdeburg und Chemnitz. Die Medianwerte liegen dort zwischen 75 und 80 Euro die Stunde. Aber auch hier ist Vorsicht geboten bei der Vorverurteilung: Das Mietniveau liegt deutlich unter dem westdeutscher Großstädte. Schauen wir uns das im nächsten Abschnitt genauer an.
Gemessen an Stundensatz und Miete (im Vergleich)
Es bringt wenig, viel zu verdienen, wenn die Miete das meiste davon einbehält. Rechnet man beides im Verhältnis zusammen, ergibt sich ein ganz anderes Bild an „Geheimtipp“-Städten fĂĽr Freelancer:
| Stadt | Typischer Stundensatz (Median) | Angebotskaltmiete je m² | m² je Arbeitsstunde |
| Chemnitz | 75 € | 6,12 € | 12,3 |
| Duisburg | 85 € | 8,29 € | 10,3 |
| Wuppertal | 80 € | 8,99 € | 8,9 |
| Wiesbaden | 90 € | 13,57 € | 6,6 |
| Münster | 90 € | 14,02 € | 6,4 |
| Potsdam | 90 € | 14,58 € | 6,2 |
| Augsburg | 85 € | 14,24 € | 6 |
Was diese Tabelle bedeutet? In Chemnitz finanziert eine einzige Arbeitsstunde 12,25 Quadratmeter Wohnfläche. Unter den acht groĂźen Städten schafft Leipzig den besten Wert – und der liegt gerade mal bei 7,83 Quadratmetern, und MĂĽnchen den schlechtesten mit 3,85. FĂĽr dieselbe Wohnung arbeitet man in Chemnitz also rund ein Drittel der Zeit, die in MĂĽnchen dafĂĽr nötig wäre.
Grund dafĂĽr ist nicht das Honorar, sondern die Miete: 6,12 Euro je Quadratmeter gegenĂĽber 23,35 Euro.
Wiesbaden, MĂĽnster und Potsdam kommen anders dorthin. Bezahlt wird dort wie in einer GroĂźstadt, 90 Euro im Median. Gewohnt wird aber gĂĽnstiger als in Berlin, Hamburg oder Stuttgart. Wer den Stundensatz nicht aufgeben will, findet hier den besseren Kompromiss.
Für Ulm, Heidelberg und Eschborn bleibt die Rechnung offen. Die drei Städte fehlen im GREIX-Mietpreisindex. Ein Wert aus anderer Quelle wäre nicht vergleichbar.
hinweis
Steuern und Lebenshaltungskosten: was bei der Standortwahl überschätzt wird
Bei Standortvergleichen tauchen regelmäßig drei Faktoren auf, die in der Praxis kaum ins Gewicht fallen.
Der Gewerbesteuerhebesatz
Der Gewerbesteuerhebesatz unterscheidet sich zwar zwischen deutschen Städten erheblich. Für Freiberufler nach § 18 EStG spielt er allerdings keine Rolle, denn sie unterliegen nicht der Gewerbesteuer. Relevant wird der Hebesatz erst bei einer gewerblichen Tätigkeit oder wenn freiberufliche und gewerbliche Anteile vermischt werden.
Die Lebenshaltungskosten jenseits der Miete
Wichtige Faktoren im täglichen Leben wir Lebensmittel, Strom und Mobilität unterscheiden sich zwischen deutschen Großstädten im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Das fällt neben den Mietunterschieden kaum auf. Die Miete ist der eine Kostenblock, der eine Standortentscheidung wirklich verändert.
Internet und Infrastruktur
Zwischen Großstädten zählt das nicht mehr. Erst im ländlichen Raum wird die Frage relevant.
Welche Szene die Freelancer vor Ort erwartet
Die lokalen Communities sind manchmal der ausschlaggebende Punkt für oder gar gegen einen Standort. Sie unterscheiden sich in der Freelancing-Szene jedoch wenige im Alter als mehr in ihrer fachlichen Prägung. Der Altersmedian liegt in allen acht Städten zwischen 38 und 40 Jahren. Leipzig ist die jüngste Szene, München die älteste.
Außerdem ist der Anteil der Berufseinsteiger auffällig: In Stuttgart sind 40 Prozent der Freelancer seit höchstens drei Jahren selbstständig, in München knapp 36 Prozent.
Deutlicher trennen sich die Städte bei den Kompetenzen. Vergleicht man die Häufigkeit einzelner Skills der Freelancer mit dem Bundesdurchschnitt, entsteht ein klares Profil:
| Stadt | Ăśberdurchschnittlich vertretene Skills |
| Frankfurt am Main | Banking, Compliance, Business Analysis, Risikoanalyse |
| Stuttgart | Automobilindustrie, CAD, C++ |
| MĂĽnchen | Simulink, Systems Engineering, Automobilindustrie, MATLAB |
| DĂĽsseldorf | SAP HANA, PRINCE2, Telekommunikation, Logistikprozesse |
| Hamburg | Luftfahrt, Logistikprozesse, Shopware, Werbung |
| Köln | Versicherungen, Anforderungsanalyse, SAP ERP |
| Berlin | Datenpipelines, Google BigQuery, Apache Airflow, Produktstrategie |
| Leipzig | PHP, Vue.js, WordPress, SEO, Webdesign |
Dieses oben gezeichnete Bild deckt sich auch mit der Wirtschaftsstruktur der Region. FĂĽr die eigene Positionierung ist es trotzdem recht nĂĽtzlich: Wer in Stuttgart Automotive-Erfahrung anbietet, trifft auf viel Nachfrage und viel Konkurrenz gleichzeitig.
Da fĂĽhren zwei konkrete Wege heraus: Der erste macht das Profil im lokalen Schwerpunkt spitzer, etwa ĂĽber ein Spezialthema statt einer breiten Branchenangabe. Der zweite setzt auf eine Kompetenz, die vor Ort selten ist. Ein Blick auf die Skills, die in der eigenen Stadt unterdurchschnittlich vertreten sind, ist dafĂĽr oft aufschlussreicher als die Top-Liste.
Muss man fĂĽr Projekte umziehen?
Nein, in den meisten Fällen nicht. Wie ortsgebunden jemand arbeitet, steht im Profil, allerdings gibt nur die Hälfte etwas dazu an. Und wer hier etwas angibt, ist meist ziemlich flexibel. Rund ein Drittel lässt sich ohne räumliche Einschränkung buchen. Nur etwa jeder Zehnte arbeitet ausschließlich am eigenen Wohnort.
Zwischen den Städten gibt es kleine Unterschiede. Leipzig hat mit 17,5 Prozent den höchsten Anteil an Freelancern, die ausschließlich remote arbeiten. Am Frankfurter Finanzplatz sind es mit 10,5 Prozent die wenigsten. Wo Banken und Versicherungen sitzen, wird offenbar häufiger Präsenz erwartet.
Die Frage nach dem richtigen Standort stellt sich heute ganz anders als noch vor zehn Jahren. Wer remote arbeitet, und das sind mittlerweile die meisten, konkurriert ohnehin bundesweit. Wer mindestens hybrid arbeitet, hat verschiedene Möglichkeiten und sollte sich klare Fragen stellen: Wo sitzen die richtigen Auftraggeber? Wo bleibt mir das meiste von meinem Stundensatz übrig?
Thomas MaasCEO von freelancermap
Die Konsequenz daraus ist einfach. Ein Umzug lohnt sich selten allein wegen des Stundensatzes. DafĂĽr sind die Unterschiede zu klein. Wer dagegen ĂĽberwiegend vor Ort arbeitet, fĂĽr den macht die Zahl der lokalen Ausschreibungen einen spĂĽrbaren Unterschied.
Drei Fragen, die man sich zur Standortfragen stellen sollte
Ganz kurz und knapp: Eine allgemeingĂĽltige Empfehlung gibt es – wie so oft – nicht. Die richtige Antwort hängt an der eigenen Arbeits- aber auch Lebensweise. Wir haben drei Fragen, die sie eingrenzen:
- Wie viel läuft remote? Bei überwiegend remote laufenden Projekten spielt der Wohnort für die Auftragslage kaum eine Rolle. Dann zählt vor allem die Mietrechnung, und hier gewinnen günstige Standorte nunmal. Bei überwiegender Präsenzarbeit dreht sich das Bild: Dann ist die Zahl der lokalen Ausschreibungen die wichtigere Größe.
- Wie stabil ist der Kundenstamm? Mit festen Auftraggebern lässt sich ein Wechsel freier planen. Wer neu akquiriert, profitiert von Nähe zu Auftraggebern und einem aktiven lokalen Netzwerk.
- Passt das Fachgebiet zum Standort? Ein SAP-Profil ist in DĂĽsseldorf gut aufgehoben, ein Frontend-Profil in Leipzigg oder Berlin (Achtung: bei mindestens hybriden Projekten)
Was Auftraggeber und Unternehmen aus den Zahlen ablesen
Die tiefsten Talentpools liegen erwartungsgemäß in Berlin, München und Hamburg. Berlin bietet dabei das günstigste Preisniveau der großen Standorte und die größte Auswahl an Entwicklungs-, Design- und Marketingprofilen. Wer Beratungsprofile sucht, findet die höchste Dichte in Düsseldorf und Frankfurt am Main, zahlt dort aber auch die höchsten Sätze im oberen Viertel.
Frankfurt am Main fällt dabei aus dem Rahmen. Auf 100 ansässige Freelancer kommen dort mehr als vier Ausschreibungen pro Kopf und Jahr. Unternehmen am Finanzplatz konkurrieren also spürbar um dieselben Fachkräfte. Eine offene Haltung zu Remote-Arbeit erweitert den erreichbaren Pool dort am stärksten.
Methodik und Datengrundlage
Ausgewertet wurden 100.033 aktive Freelancer-Profile mit Deutschlandbezug auf freelancermap, Stand August 2026. Bei 73,8 Prozent der Profile war ein Stundensatz hinterlegt.
- Stundensätze stammen aus den Profilangaben. Sie geben an, was Freelancer aufrufen, nicht was abgerechnet wurde.
- Statistik: Angegeben sind Median sowie unteres und oberes Quartil. Mittelwerte werden nicht ausgewiesen, weil die Verteilung rechtsschief ist.
- Stadtzuordnung erfolgt ĂĽber die Ortsangabe im Profil. Abweichende Schreibweisen und Vororte sind nicht enthalten, was zu einer leichten Untererfassung fĂĽhrt.
- Fallzahlen: Werte mit weniger als 30 Profilen je Auswertungszelle sind nicht ausgewiesen. In der Städte-Longlist wurden nur Orte mit mindestens 150 Profilen mit Stundensatz berücksichtigt.
- Projektdaten umfassen die Ausschreibungen der vergangenen zwölf Monate mit hinterlegtem Einsatzort. Ausschreibungen ohne Ortsangabe sind nicht enthalten.
- Externe Quellen: Angebotskaltmieten aus dem GREIX-Mietpreisindex des IfW Kiel, viertes Quartal 2025. Vergleichswerte zum durchschnittlichen Stundensatz aus dem Freelancer-Kompass 2026 der freelancermap GmbH.