Welchen Stundensatz kann ein IT-Freelancer verlangen?
Von der Softwareentwicklung bis hin zur Infrastruktur: IT-Freelancer werden nach wie vor händeringend gesucht, ihr Know-How ist für viele Unternehmen von unschätzbarem Wert. Wenn es um die Einschätzung ihres Honorars geht, fragen sich aber viele, was sie ihren Fähigkeiten nach verlangen können. Welche Faktoren entscheiden darüber, ob am Monatsende 90 oder 120 Euro pro Stunde stehen? Wir zeigen, welchen Stundensatz IT-Freelancer im DACH-Raum verlangen und woran sich gute Sätze festmachen.
Das Wichtigste in Kürze
- IT-Freelancer im DACH-Raum verlangen einen Stundensatz von 95 Euro. Damit liegen sie deutlich über vergleichbaren Festangestellten.
- Den höchsten Satz erzielen SAP- und ERP-Spezialisten mit 120 Euro pro Stunde, gefolgt von Data & Analytics mit 100 Euro.
- Der Stundensatz steigt mit dem Alter: Von 80 Euro bei den 20- bis 30-Jährigen auf bis zu 96 Euro ab Mitte 40.
- Ein klarer Gender-Pay-Gap zeigt sich in der IT nicht.
- Die Stimmung ist solide: 61 Prozent der IT-Freelancer sind mit ihrem Einkommen zufrieden, gut jeder Vierte will den Stundensatz 2026 sogar anheben.

Was verdienen IT-Freelancer im Durchschnitt?
Wie viel ein IT-Freelancer abrechnet, hängt von Fachbereich, Erfahrung, Region und Arbeitsumfang ab. Die gute Nachricht: Der freie Projektmarkt zahlt in der IT gut bis überdurchschnittlich gut. Über alle IT-Disziplinen hinweg liegt der mittlere Stundensatz bei 95 Euro.
Wir sind bei der nachfolgenden Untersuchung jeweils immer vom Median ausgegangen (nicht dem Durchschnitt), weil einzelne Spitzenhonorare den Mittelwert stark nach oben ziehen bzw. verfälschen.
Zur Einordnung: Bei einer 40-Stunden-Woche kommen IT-Freelancer auf einen monatlichen Projektumsatz von rund 6.000 Euro. Davon gehen allerdings noch Betriebsausgaben, Sozialabgaben, Steuern und unbezahlte Ausfallzeiten ab.
| Kennzahl | Wert |
| Mittlerer Stundensatz (Median) | 95 € |
| Durchschnittlicher Stundensatz | 97 € |
| Monatlicher Projektumsatz (Median) | 6.000 € |
| Zufriedenheit mit dem Einkommen | 61 % |
IT-Freelancer vs. Festangestellte: der Verdienstvergleich
Vergleicht man Festangestellte und Freelancer in der IT, fällt auf: der Abstand ist enorm. Angestellte Softwareentwickler in Deutschland verdienen im Schnitt rund 64.700 Euro brutto im Jahr (Quelle: jobvector), das Einstiegsgehalt liegt bei etwa 57.500 Euro. Auf eine 40-Stunden-Woche umgerechnet ergibt das einen Stundenlohn von grob 28 bis 34 Euro.
Ein IT-Freelancer mit 95 Euro Stundensatz liegt damit beim Dreifachen, allerdings brutto und ohne soziale Absicherung. Der höhere Satz muss die fehlende Lohnfortzahlung, Urlaubs- und Krankheitstage sowie die komplette Altersvorsorge mit abdecken.
Stundensatz nach IT-Fachbereich
Die größten Unterschiede zeigen sich zwischen den Fachbereichen. Wer das richtige Spezialgebiet besetzt, verlangt deutlich mehr.
| IT-Fachbereich | Stundensatz (Median) |
| SAP & ERP | 120 € |
| Data & Analytics | 100 € |
| IT-Infrastruktur | 95 € |
| Software- & Webentwicklung | 90 € |
SAP– und ERP-Berater führen das Feld mit 120 Euro klar an. Das überrascht wenig, denn: SAP-Know-how ist knapp, die Einführungs- und Migrationsprojekte sind langwierig und geschäftskritisch.
Data & Analytics profitiert vom anhaltenden KI- und Datentrend und kommt auf 100 Euro. Die Software- und Webentwicklung bildet mit 90 Euro das untere Ende. Sie ist mit 356 Befragten aber auch die mit Abstand größte und heterogenste Gruppe, vom Frontend-Entwickler bis zum Cloud-Architekten.

hinweis
So beeinflusst das Alter den Stundensatz
Mit den Jahren wächst die Erfahrung, und mit der Erfahrung der Satz. Die jüngsten IT-Freelancer zwischen 20 und 30 verlangen im Mittel 80 Euro. Ab Anfang 40 ist die Kurve auf 96 Euro geklettert und bleibt dort stabil, bevor sie jenseits der 60 wieder leicht nachgibt.
| Alter | Stundensatz (Median) |
| 20 – 30 Jahre | 80 € |
| 31 – 40 Jahre | 95 € |
| 41 – 50 Jahre | 96 € |
| 51 – 60 Jahre | 95 € |
| 60+ Jahre | 95 € |
Das Alter ist hier ein guter Näherungswert für die Erfahrung eines Freelancer. Wer länger im Markt ist, kennt seinen Wert. Er hat ein Portfolio, eine Referenzliste und verhandelt entsprechend selbstbewusster.
Gibt es einen Gender-Pay-Gap in der IT?
In vielen Branchen verdienen Freelancerinnen messbar weniger als ihre männlichen Kollegen. Die gute Nachricht hier: In der IT lässt sich ein solcher Abstand aus den Daten nicht belegen. Männliche IT-Freelancer verlangen im Mittel 95 Euro. Die Stundensätze der befragten Frauen liegen auf ähnlichem Niveau oder sogar darüber.
- Stundensatz Männer in der IT: 95 € (n = 584)
- Stundensatz Frauen in der IT: rund 95 – 100 € (n = 36)
Eine wichtige Einschränkung: Mit nur 36 befragten Frauen ist die weibliche Stichprobe recht klein. Festhalten lässt sich aber, dass Frauen in der IT nicht systematisch unter dem Satz der Männer liegen und sich ebenfalls selbstbewusst zeigen. Im Projektgeschäft zählt offenbar die nachgewiesene Kompetenz mehr als das Geschlecht.
Mehr Stunden, höherer Satz: der Effekt des Arbeitsumfangs
Auch der wöchentliche Arbeitsumfang schlägt sich im Stundensatz nieder. Wer in Vollzeit oder mehr für Projekte arbeitet, verlangt mehr als Teilzeit-Freelancer.
| Wochenstunden | Stundensatz (Median) |
| Unter 20 Stunden | 80 € |
| 20 – 40 Stunden | 90 € |
| Über 40 Stunden | 100 € |
Von 80 Euro in Teilzeit bis 100 Euro bei mehr als 40 Wochenstunden. Vollauslastung geht oft mit größeren, langfristigen Projekten und damit auch mit höheren Sätzen einher. Und: einige Teilzeit-Freelancer haben nebenbei noch einen Job – entweder auch in Teilzeit oder gar in Vollzeit.
Dadurch ergibt sich bei ihnen ein niedriger Steuersatz und in die Altersvorsorge ist zum Teil auch bereits gedeckt.

Stundensatz nach Bundesland
Auch bei IT-Freelancern gibt es regional teils deutliche Unterschiede. Bundesländer wie Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg liegen zwischen 90 und 95 Euro.
| Bundesland | Stundensatz (Median) |
| Baden-Württemberg | 95 € |
| Nordrhein-Westfalen | 95 € |
| Hessen | 95 € |
| Schleswig-Holstein | 95 € |
| Rheinland-Pfalz | 95 € |
| Niedersachsen | 92 € |
| Bayern | 90 € |
| Berlin | 90 € |
| Hamburg | 90 € |
| Brandenburg | 90 € |
| Sachsen | 85 € |
Wie IT-Freelancer ihren Stundensatz 2026 einschätzen
Die Stimmung im IT-Freelancing ist angesichts der aktuellen Marktlage überraschend zuversichtlich. 61 Prozent der Befragten sind mit ihrem Einkommen zufrieden.
Für eine Berufsgruppe von Selbstständigen ist das ein hoher Wert. Und der Blick nach vorn ist optimistisch: 28 Prozent wollen ihren Stundensatz 2026 anheben, während nur rund jeder Zehnte ihn senken will. Die große Mehrheit plant, den Satz stabil zu halten.
Was bedeutet das für die eigene Kalkulation? Wer unter dem Median von 95 Euro liegt und eine solide Auslastung hat, sollte eine Anpassung in Betracht ziehen. Den eigenen optimalen Satz berechnet man am besten nicht aus dem Bauch heraus, sondern mit einer sauberen Kalkulation aus Zielgewinn, Auslastung und Fixkosten.
Fazit: starker Markt für ITler
IT-Freelancer gehören mit einem mittleren Stundensatz von 95 Euro zu den bestbezahlten Freiberuflern überhaupt. Die größten Hebel für ein höheres Honorar sind die Spezialisierung, allen voran SAP und Data, die Erfahrung und eine hohe Auslastung.
Der Standort spielt dank Remote-Arbeit eine kleinere Rolle als früher, und ein Gender-Gap zulasten von Frauen zeigt sich in der IT nicht. Bei aller Zufriedenheit gilt der alte Grundsatz: Der Stundensatz muss alles abdecken, was Festangestellte selbstverständlich bekommen, von der Rente bis zum Krankheitstag.
