Recruiting 4.0 – Personalbeschaffung der Zukunft

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Im digitalen Zeitalter ändern sich die Anforderungen an das Recruiting ganz erheblich. Das Veröffentlichen von Stellenanzeigen in Printmedien reicht längst nicht mehr aus, um die Personalbeschaffung erfolgreich zu gestalten. Denn die Fachkräfte bewerben sich zunehmend über Online Stellenbörsen (z. B. Stepstone, Indeed, Monster, Stellenanzeigen.de, Jobware) und können ihre Bewerbungsunterlagen dabei schnell übermitteln. Wie Sie mit Hilfe der Digitalisierung effizient und effektiv die besten Talente akquirieren und worauf Sie beim Recruiting 4.0 besonders achten müssen, lesen Sie in diesem Artikel.


Inhalt des Artikels:

  1. Fachkräftemangel in Deutschland
  2. Warum Recruiting 4.0 die Personalbeschaffung der Zukunft ist
  3. Digitale Strategien zur Personalrekrutierung
  4. Algorithmen und Künstliche Intelligenz im Recruiting
  5. Chatbots als Recruiter
  6. Virtual Reality und Gamification als Recruiting Mittel
  7. Fazit: Die digitale Personalbeschaffung ist die neue Realität

Gerade High Potentials legen Wert auf ein effektives Bewerbungsmanagement. Daher braucht es eine neue Strategie zur Personalbeschaffung. Recruiter müssen Talente direkt ansprechen und ihre Corporate Benefits als Arbeitgeber überzeugend vermarkten, um das Interesse der Bewerber zu wecken. Recruiting 4.0 ist das Konzept der Zukunft.

Fachkräftemangel in Deutschland

Der Fachkräftemangel in Deutschland zählt inzwischen zu den größten Herausforderungen für die Industrie, das Handwerk, den Handel und den Dienstleistungssektor. In einigen Branchen (zum Beispiel IT, Pflege, Logistik) fehlen schon jetzt geeignete Mitarbeiter, sodass offene Stellen unbesetzt bleiben. Der Personalmangel führt zum „War for talents„. Daher ist es unabdingbar, dass Unternehmen aktiv auf qualifizierte Kandidaten zugehen, anstatt einfach nur auf Bewerbungen zu warten.

Gründe für das Recruiting 4.0 sind vielfältig. Effizienz und Effektivität sind die Haupttreiber.
Die Gründe, die für die Einführung des Recruiting 4.0 sind vielfältig. Effizienz und Effektivität sind die Haupttreiber.

Warum Recruiting 4.0 die Personalbeschaffung der Zukunft ist

Recruiting 4.0 steht für die digitalisierte Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter. Der Begriff bezieht sich auf die „Industrie 4.0“. Die wesentlichen Mehrwerte einer automatisierten Personalgewinnung bestehen in der besseren Reichweite der Jobinserate, der zielgerichteten Kommunikation mit den Bewerbern und der Beschleunigung des Bewerbungsprozesses. Zum Beispiel kann eine Stellenausschreibung im Multiposting-Verfahren auf zahlreichen Stellenportalen und in sozialen Medien zeitgleich veröffentlicht werden.

Wesentliche Vorteile der digitalen Rekrutierung:

  • Größere Reichweite der Jobinserate
  • Zielgerichtete Kommunikation mit den Bewerbern
  • Beschleunigung des Bewerbungsprozesses

Digitale Strategien zur Personalrekrutierung

Viele Unternehmen wenden sich an eine Personalvermittlung oder einen Headhunter. Die Dienstleister entwickeln dann eine Strategie, um das passende Personal zu rekrutieren. Darüber hinaus ist ein digitaler Plan erforderlich. Denn die Reichweite Ihrer Stellenanzeigen entscheidet maßgeblich darüber, ob sich die besten Talente bei Ihnen bewerben. Je effizienter und attraktiver Ihr Bewerbermanagement gestaltet sind, umso eher werden Sie qualifizierte Fachkräfte gewinnen. Wer auf die Automatisierung verzichtet, riskiert, dass die Konkurrenz schneller ist. Digitalisierung im Recruiting ist daher Pflicht!

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Networking und Active Sourcing

Ein Recruiter 4.0 tritt als Networker auf. Bei Xing und LinkedIn sind Tools verfügbar, mit denen Sie Talente direkt ansprechen können. Damit gestalten Sie die Kommunikation von Beginn an dialogorientiert. Den Kandidaten mit Wertschätzung und auf Augenhöhe zu begegnen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Eine positive Candidate Experience führt dazu, dass der Bewerber das Unternehmen im Bekanntenkreis weiterempfiehlt. Auf diese Weise werden Kandidaten zu Botschaftern Ihrer Arbeitgebermarke. Ein weiterer Mehrwert des Social Recruiting besteht darin, dass sich Mitarbeiter mit potenziellen Kandidaten vernetzen. Dies führt ganz automatisch dazu, dass Ihr Unternehmen bei den Talenten präsent ist.

Suchmaschinenoptimierung und Mobile Recruiting

Talentierte Fachkräfte informieren sich auf der Website Ihres potenziellen Arbeitgebers, bevor sie sich zu einer Bewerbung entscheiden. Es ist daher wichtig, dass Ihre Homepage suchmaschinenoptimiert und nutzerfreundlich gestaltet ist. Idealerweise sollte Ihre Seite so strukturiert sein, dass sie auch mit einem mobilen Endgerät gut lesbar und nutzbar ist. Dann können talentierte Kandidaten sich direkt mit ihrem Smartphone bewerben. Besonders die jungen Fachkräfte wissen die Möglichkeiten der mobilen Bewerbung sehr zu schätzen. Sie halten dieses Verfahren für schneller, effektiver und fairer.

Social Recruiting: Aufbau von Beziehungen zu talentierten Fachkräften

Social Recruiting ist die Personalbeschaffung über die sozialen Netzwerke (z. B. Instagram, Facebook, Xing, Pinterest) sowie WhatsApp, Blogs und Foren. Arbeitgeber können über die sozialen Medien mit ihren Followern kommunizieren und auf diese Weise eine Beziehung zu potenziellen Mitarbeitern aufbauen. Wichtig ist dabei die individualisierte Ansprache.

Unpersönliche Nachrichten erzielen bei den Talenten in der Regel keine Wirkung. Der Recruiter sollte einen Bezug zu dem bisherigen Lebenslauf des Profils herstellen. Dies weckt die Neugier des potenziellen Bewerbers. Wichtig ist, dass Sie auf Fragen seitens der Kandidaten in angemessener Zeit reagieren.

One-Click-Bewerbung: spart den Bewerbern viel Zeit

Bei der One-Click-Bewerbung informiert sich die Fachkraft auf ihrem mobilen Endgerät über eine freie Stelle. Ist das Interesse vorhanden, kann der Bewerber sofort initiativ werden. Durch einen Klick auf den „Bewerben“-Button in der Stellenausschreibung werden die Daten des persönlichen Profils bei Xing oder LinkedIn automatisch in das Bewerbungssystem des Unternehmens übertragen. Dadurch sparen die Talente wertvolle Zeit und gewinnen einen positiven Eindruck von dem Arbeitgeber. Es lohnt sich daher, die One-Click-Bewerbung in das Bewerbungsmanagement einzubinden.

Ein Bewerbungsgespräch lässt sich übrigens auch per Video-Call durchführen. Räumliche Distanzen stellen dann kein Hindernis mehr dar, um eine talentierte Fachkraft möglichst zeitnah zu rekrutieren.

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Höhere Reichweite durch Recruiting Software

Recruiting Software hilft Ihnen dabei, den Internetauftritt Ihrer Firma und speziell die Karriereseite kontinuierlich zu verbessern. Denn die Gewohnheiten der Besucher lassen sich damit effektiv analysieren. Durch den Einsatz der Software erfahren Sie, in welcher Häufigkeit bestimmte Sucheingaben getätigt wurden. Auf dieser Grundlage kann Ihr Digital Marketing Team in der Zukunft den passenden Content für Ihre Auftritte im Web erstellen. Um das Interesse der Talente zu wecken, sollten Sie Ihre Corporate Benefits dabei zielgerichtet vermitteln. Dazu ist es empfehlenswert, einen Redaktionsplan zu erstellen. Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter, Kommentare zu posten und Beiträge zu „liken“. Achten Sie darauf, dass die veröffentlichten Inhalte stets aktuell sind.

Digitale Strategien zur Personalbeschaffung - daraus besteht das Recruiting 4.0
Digitale Strategien zur Personalbeschaffung – daraus besteht das Recruiting 4.0

Employer Branding: Themen der modernen Arbeitswelt einbinden

Bei der Gestaltung der Inhalte sollten Sie als Recruiter die Themen einer zeitgemäßen Arbeitswelt einbeziehen. Zu den Mega-Trends der heutigen Berufswelt gehören Diversity, Inklusion und Nachhaltigkeit. Für viele talentierte Fachkräfte stellt die Werteorientierung der Unternehmen ein wichtiges Kriterium bei der Bewerbung dar. Bei Ihrem Employer Branding sollten Sie daher Ihre Philosophie und Ihre Grundsätze erläutern. Dann erfahren die Bewerber, wofür Sie gemeinsam mit Ihrer Belegschaft stehen. Zahlreiche Fachkräfte wünschen sich einen Arbeitgeber, der im „Magischen Dreieck“ aus Ökonomie, Umweltverträglichkeit und sozialer Verantwortung erfolgreich sein möchte. Prägen Sie Ihre Arbeitgebermarke mit Ihrer Präsenz im Netz!

Höhere Passgenauigkeit durch den Matching-Algorithmus und künstliche Intelligenz im Recruiting

Ein Matching-Algorithmus vergleicht die für eine Stelle geforderten Kompetenzen mit den Profilen der Bewerber und erstellt eine Prognose über den Cultural Fit der Kandidaten. Nach einer Vorauswahl erfolgt automatisch die Weiterleitung der Informationen über die passenden Bewerber an die jeweilige Fachabteilung. Dadurch hat jedes Mitglied im Recruiting Team die Möglichkeit, sich einen Eindruck von dem Bewerber zu verschaffen. Dies führt zu einer erheblichen Zeitersparnis in der HR-Abteilung. Die manuelle Recherche in den einzelnen sozialen Netzwerken wird überflüssig. Besonders begehrte Talente sind oft in hoch spezialisierten Fachnetzwerken (z. B. Github, Stackoverflow) präsent. Ein Matching-Algorithmus kann auch diese Communities aufspüren.

Die Algorithmen werden kontinuierlich verfeinert und funktionieren daher im Laufe der Zeit immer präziser. Künstliche Intelligenz (KI) beschleunigt die Auswertung der Informationen ganz erheblich. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Bewertung der Bewerber neutraler und fairer erfolgt. Denn das unvermeidliche subjektive Empfinden des Recruiting-Teams wird ausgeblendet.

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Chatbots als Recruiter

Chatbots sind digitale Assistenten, mit deren Einsatz das automatisierte Beantworten von Fragen möglich ist. Diese innovative Software funktioniert mit künstlicher Intelligenz. Die digitalen Assistenten kommen auf Jobportalen, auf der Karriereseite der Firma und bei den FAQ auf der Homepage zum Einsatz. Durch Algorithmen können die Bots die Interessen und Fähigkeiten der Kandidaten abfragen und die passenden Jobs direkt ermitteln. Eine aufwendige Recherche durch die Bewerber wird somit überflüssig.

Der Chatbot wird so trainiert, dass durch die Sprach- oder Texteingabe eine hohe Anzahl an Fragen automatisch geklärt werden kann. Auf diese Weise repräsentiert der Recruiting-Bot die Firma. Die Mitarbeiter in der HR-Abteilung werden durch den Einsatz eines Chatbot-Systems entlastet und können sich auf die strategischen Aufgaben konzentrieren. Derweil erhalten die Bewerber auf einfache Weise verlässliche Antworten auf ihre Fragen zu der offenen Stelle sowie zum Bewerbungsablauf. Die virtuellen Helfer ermöglichen außerdem die Kommunikation in einer Fremdsprache. Dadurch präsentiert sich das Unternehmen als weltoffener Arbeitgeber.

Virtual Reality und Gamification als Recruiting Mittel

Virtual Reality (VR) ist ein geeignetes Mittel, um das Unternehmen auf eine authentische Weise zu präsentieren. Dadurch können sich talentierte Kandidaten einen umfassenden Eindruck von ihrem potenziellen Arbeitgeber verschaffen.

Gamification kann für die Auswahl unter den Bewerbern genutzt werden. Möglich ist zum Beispiel ein digitales Assessmentcenter, bei dem die Kandidaten Aufgaben lösen oder sich an einem spielerischen Wettbewerb beteiligen.

Fazit: Die digitale Personalbeschaffung ist die neue Realität geworden

Die Zukunft des Recruitings hat bereits begonnen! Inzwischen bewerben sich Unternehmen bei den talentierten Fachkräften und nicht umgekehrt! Recruiting 4.0 ist eine innovative Form der Personalbeschaffung und des Bewerbungsmanagement-Systems. Mobile Recruiting, Social Recruiting und Active Sourcing sind die Elemente einer zukunftsorientierten Rekrutierung von Fachkräften.

Bewerbungsmanagement effektiv und attraktiv gestalten

Recruiting 4.0 bietet Ihnen durch die Digitalisierung zahlreiche Möglichkeiten, den Prozess der Personalauswahl effizienter, innovativer und für die Bewerber attraktiver zu gestalten.

Mit der Nutzung geeigneter Kommunikationskanäle erreichen Sie die besten Talente und setzen sich im Wettbewerb erfolgreich von der Konkurrenz ab. Unternehmen sollten Ihr Bewerbermanagement-System unbedingt responsiv gestalten. Reagieren Sie auf die Frage eines Kandidaten so schnell wie möglich, bevor Ihr Konkurrent dies tut! Durch eine Automatisierung des Auswahlprozesses und eine verlässliche Kommunikation erhalten die Bewerber schnell Klarheit bezüglich ihrer beruflichen Zukunft.

Auch das digitale Recruiting sollte persönlich gestaltet sein

Recruiting 4.0 ist mehr als das Prinzip der digitalen Stellenanzeige. Wichtig ist auch, dass Recruiter aktiv auf die Talente zugehen. Nutzen Sie dafür die modernen Prozesstools in den Karrierenetzwerken! Anstelle von vorgefertigten Nachrichten, sollten Sie interessante Profile ganz individuell anschreiben. Die Digitalisierung ist das Mittel, aber der Bewerber steht im Mittelpunkt. Mit der richtigen Ansprache werden Sie das Interesse der Talente wecken und qualifizierte Fachkräfte für Ihr Unternehmen rekrutieren. Auf diese Weise werden Sie die Herausforderung des Fachkräftemangels meistern, Talente an sich binden und wertvolle Markenbotschafter für Ihre Firma gewinnen!

Über den Autor

Natascha Baumann

Natascha Baumann studierte Business Administration mit Schwerpunkt International Entrepreneurship und Digital Media an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Sie ist seit Dezember 2019 im Team von freelancermap.de tätig.