Elternzeit als Freiberufler: Elterngeld Plus vs. Basiselterngeld

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Können Selbstständige Elterngeld beantragen? Werdende Eltern stehen meist vor der Herausforderung, Familie und den Beruf in Einklang zu bringen. Um die beiden Lebensbereiche miteinander vereinen zu können, wurde das sogenannte Elterngeld eingeführt: Es dient als finanzielle Unterstützung. Doch können Freiberufler diese Leistung auch nutzen? Für wen sich der Antrag auf Elterngeld lohnt und wie Sie als Freiberufler an die finanzielle Unterstützung kommen, erklären wir hier im Beitrag.


Inhalt des Artikels:

  1. Was ist das Elterngeld und wie lange kann es bezogen werden?
    1. Mutterschutz und Mutterschaftsgeld für Selbstständige?
  2. Wer kann Elterngeld beantragen?
  3. Wie wird das Elterngeld berechnet?
  4. Basiselterngeld oder Elterngeld Plus?
    1. Übersicht über das Elterngeld
    2. Vorteile des Elterngeld Plus für Freelancer
    3. Partnerschaftsbonus möglich
  5. Wie wird das Elterngeld beantragt?
    1. Elterngeld-Checkliste

Mit dem Gedanken an die Gründung einer eigenen Familie kommen besonders bei Freiberuflern und Freelancern viele Fragen auf. Wie können Selbstständige die Familienplanung und die Elternzeit finanziell stemmen? Was müssen sie bis zur Geburt erledigen? Bleibt genug Zeit für den Nachwuchs? Was passiert mit der Firma, der Arbeit und den Stammkunden in der Elternzeit? Wir klären über das Elterngeld als Unterstützung auf und stellen die Möglichkeit vor, auch mit Kind weiterzuarbeiten.

Was ist das Elterngeld und wie lange kann es bezogen werden?

Das Elterngeld beschreibt eine staatliche Entgeltersatzleistung, die ein wegfallendes Erwerbseinkommen nach der Geburt eines Kindes zum Teil ausgleichen soll. So haben die Eltern Zeit für ihr neues Familienmitglied und müssen sich keine finanziellen Sorgen machen, wenn sie weniger oder gar nicht mehr arbeiten.

Das sogenannte Basiselterngeld ist für Mütter und Väter gedacht, die in der Elternzeit nicht oder nur eingeschränkt erwerbstätig sind, weil sie sich hauptsächlich selbst um das Neugeborene kümmern wollen. Es kann maximal 14 Monate bezogen werden – unter der Voraussetzung, dass beide Eltern sich die Elternzeit aufteilen. Ein Elternteil kann lediglich 12 Monate des Elterngeldes beziehen. Wenn der andere Elternteil ebenfalls mindestens zwei Monate vom Angebot Gebrauch macht (Partnermonate) und der Familie mindestens zwei Monate lang Einkommen wegfällt, so können dem Paar weitere zwei Monate – also die vollen 14 Monate – ausgezahlt werden.

Das Elterngeld wird entweder direkt nach der Geburt Ihres Kindes ausgezahlt, oder sobald das Mutterschaftsgeld wegfällt.

Mutterschutz und Mutterschaftsgeld für Selbstständige?

Im Gegensatz zu Angestellten haben Selbstständige und Freiberuflerinnen keinen rechtlichen Anspruch auf Mutterschutz und Mutterschaftsgeld. Es gibt jedoch Ausnahmen, die das Beantragen des Mutterschaftsgeldes doch ermöglichen.

Für schwangere Festangestellte gelten Schutzfristen: Frauen darf man die letzten sechs Wochen vor und die ersten acht Wochen nach der Geburt ihres Kindes nicht beschäftigen. Ist man als freiberufliche Frau in einer gesetzlichen Krankenversicherung – mit Krankengeldanspruch – vor Beginn dieser Schutzfristen pflichtversichert, so steht ihnen das Mutterschutzgeld ebenso zu. Die Bezugszeit beträgt hier maximal zwei Monate. Anschließend können Selbstständige Elterngeld beziehen – die Bezugsdauer des Mutterschaftsgeldes wird von der Gesamtbezugszeit des Elterngeldes abgezogen.

Wer kann Elterngeld beantragen?

Grundsätzlich sind alle Eltern nach der Geburt ihres Kindes berechtigt, Elterngeld zu beziehen – also auch Selbstständige. Es ist nicht davon abhängig ob und in welcher Form man vor der Geburt des Kindes gearbeitet hat. Angestellte und Freiberufler haben hier gleiche Ansprüche und können einen Antrag stellen.

Seit der Elterngeldreform 2021 gibt es eine neue Einnahmegrenze für Top-Verdiener, die 0,4 Prozent der Elterngeldbezieher ausmachen. Verdient ein selbstständiges Paar in dem Kalenderjahr, bevor das Kind geboren wurde über 300.000 €, so haben sie keinen Anspruch auf Elterngeld. Auch für Alleinerziehende gilt die Bemessungsgrundlage, jedoch liegt die Einnahmegrenze des Bemessungszeitraums bei 250.000 €.

Wie wird das Elterngeld berechnet?

Die Höhe des Betrages für Freiberufler und Selbstständige richtet sich an dem vergangenen Nettoeinkommen. Das ist das Einkommen, welches man im letzten abgeschlossenen Wirtschaftsjahr vor der Geburt des Kindes erzielt hat. Wenn ein Kind im März 2022 zur Welt kommt, gilt der Zeitraum von Januar bis Dezember 2021.

Berechnung des Elterngeldes
Berechnung des Elterngeldes

Die Elterngeldstelle akzeptiert Anträge zur Verschiebung des Bemessungszeitraums nur bei Minderung des Einkommens durch schwangerschaftsbedingte Krankheitstage oder wenn während des Bemessungszeitraums bereits Elterngeld für ein Geschwisterkind bezogen wurde.

Allgemein gilt für die Berechnung des Elterngeldes:

  • 67 % des Einkommens, wenn es zwischen 1.000 € und 1.200 € lag
  • 66 % des Einkommens, wenn es bei 1.220 € lag
  • 65 % des Einkommens, wenn es mehr als 1.240 € betrug

Minimal können 300 Euro und maximal 1800 Euro pro Monat erhalten werden. Bei der Variante Elterngeld Plus sind es mindestens 150 Euro und maximal 900 Euro pro Monat.

Basiselterngeld oder Elterngeld Plus?

Gerade für Freelancer und Selbstständige ist das Teilzeit-Modell “Elterngeld Plus” interessant – dabei wird das monatliche Elterngeld halbiert, dafür aber der Bezugszeitraum verdoppelt. Das bietet den Vorteil, den Kundenstamm in Teilzeit, mit maximal 30 Stunden pro Woche, weiterhin pflegen und betreuen zu können. Das kann den Wiedereinstieg eines Freelancers in den Berufsalltag um einiges erleichtern.

Übersicht über das Elterngeld

 BasiselterngeldElterngeld Plus
Bezugszeitraumbis zu 12 Monatebis zu 24 Monate
zusätzliche Dauer+2 Zusatzmonate bei Aufteilung zwischen beiden Eltern+4 Zusatzmonate, wenn beide Eltern Teilzeit arbeiten (Partnerschaftsbonus)
Betrag300€ bis 1800€ pro Monat150€ bis 900€ pro Monat
Besonderheiten Teilzeitarbeit bis zu max. 30 Stunden pro Woche

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Vorteile des Elterngeld Plus für Freelancer

Elterngeld Plus eignet sich vor allem für Eltern, die weiterhin in Teilzeit arbeiten wollen, denn sie können durch diese Variante aus einem Bezugsmonat zwei Bezugsmonate machen. Dadurch kann aus dem maximal 14 Monaten Basiselterngeld maximal 28 Elterngeld-Plus-Monate werden. Die monatlichen Ansprüche in der Elternzeit werden hierbei in der Regel halbiert. Auch die Kombination der beiden Alternativen ist möglich, wenn sich die Eltern nicht ausschließlich für das Basiselterngeld oder Elterngeld Plus entscheiden.

Werden jedoch mehr als die maximal erlaubten 30 Stunden die Woche gearbeitet, fällt das Elterngeld weg und es fallen Nachzahlungen an. Außerdem rechnet die Elterngeldstelle den Hinzuverdienst gegen, wenn er bei mehr als 50% des Gehalts vor der Geburt liegt und kürzt entsprechend das Elterngeld. Mit dem entsprechenden Antrag kann man auch vom Basis-Elterngeld zum Elterngeld Plus Modell wechseln.

Partnerschaftsbonus möglich

Für den Partnerschaftsbonus gelten nochmals andere Regeln. Das ist vor allem für die Paare interessant, die beide weiterhin in Teilzeit erwerbstätig sein wollen, sich aber auch gemeinsam um den Nachwuchs kümmern wollen. Jeder Partner darf in diesem Fall für vier aufeinanderfolgende Monate lang nur zwischen 24 und 32 Wochenstunden arbeiten. Außerdem müssen beide Partner gleichzeitig in Teilzeit sein. Sind diese Voraussetzungen gegeben, so hat das Paar Anspruch auf vier weitere Monate Elterngeld Plus.

Elterngeld im Überblick
Elterngeld im Überblick

Was muss zusätzlich beachtet werden?

Das Elterngeld für Freiberufler ist an diverse Bedingungen und Regelungen geknüpft, die unbedingt eingehalten werden müssen, da sonst von vornherein zu viel für die Krankenkasse gezahlt wird oder Nachzahlungen fällig werden (im schlimmsten Fall sogar für den gesamten Bezugszeitraum). 

  • Krankenkassenbeitrag:
    Die zu zahlenden Beiträge für die private Krankenversicherung müssen auf das niedrigere Einkommen angepasst werden. Mutterschaftsgeld gibt es für Schwangere nur in Form von Krankentagesgeld durch die private Krankentagegeldversicherung. Im Regelfall gibt es günstigere Tarife für solche Übergangszeiten. Freiwillig gesetzlich versicherte Freelancer können jedoch unter Umständen beim Ehepartner in der Familienversicherung aufgenommen werden.
  • Zuflussprinzip:
    Für die Berechnung des monatlichen Beitrags ist nicht der Zeitpunkt der erbrachten Leistung für den Bezugszeitraum entscheidend, sondern der Zeitpunkt der eingegangen Zahlung. Das heißt, dass jeder Euro, der auf dem Konto eingeht, als Zuverdienst gilt und gegengerechnet wird. Es gibt keinen Freibetrag.
  • Progressionsvorbehalt:
    Prinzipiell ist das Elterngeld steuerfrei. Dennoch muss während der Bezugszeit eine Steuererklärung abgegeben werden – damit unterliegt es dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Das Elterngeld erhöht zwar nicht das zu versteuernde Einkommen, dafür wird aber in der Regel der Steuersatz erhöht. Somit fällt eine Nachzahlung für das aus der Teilzeittätigkeit verdiente Einkommen an.

Auch hier ist es wichtig, sich umfassend zu informieren.

Wie wird das Elterngeld beantragt?

Checkliste für die Beantragung von Elterngeld
Checkliste für die Beantragung von Elterngeld

Frisch gebackene Eltern können das Elterngeld für Freiberufler frühestens ab dem Tag der Geburt, bis zum Ende des vierten Lebensmonats des Kindes beantragen, um den vollen Anspruch zu erhalten. Ratsam ist es, den Großteil der Unterlagen vor der Geburt zusammen zu tragen, sodass für den Antrag lediglich noch die standesamtliche Geburtsurkunde, das Geburtsdatum und der Name des Kindes fehlen.

Elterngeld-Checkliste

  • ausgefülltes, von beiden Elternteilen unterschriebenes Antragsformular
  • Geburtsbescheinigung des Kindes mit Verwendungszweck “Elterngeld” bzw. “für soziale Zwecke”
  • Personalausweis und Reisepass
  • Nachweise zum Erwerbseinkommen: Lohn-oder Gehaltsabrechnungen – bei Freiberuflern der Steuerbescheid für den letzten abgeschlossenen Veranlagungszeitraum
  • Arbeitszeitbestätigung bzw. Erklärung über die Arbeitszeit bei selbstständiger Tätigkeit
  • Bescheinigung der Krankenkasse über das Mutterschaftsgeld (falls vorhanden)
  • Prognose über voraussichtliches Einkommen während der Bezugsdauer (bei Elterngeld Plus notwendig)

Fazit

Elterngeld ist für alle zugänglich – egal ob freiberuflich, selbstständig oder angestellt. Die finanzielle Unterstützung kann frisch gebackenen Eltern entlasten und mehr Zeit mit dem Kind ermöglichen.

Auf die Frage, ob sich das Elterngeld für Freiberufler lohnt, gibt es keine pauschale Antwort, da es von der jeweils individuellen Situation abhängt. Wer kurz nach der Gründung Nachwuchs bekommt und aus finanzieller Sicht ein schwaches Jahr hatte, der hat womöglich einen finanziellen Nachteil. Mit einem Elterngeldrechner lassen sich die Möglichkeiten gut abwägen. Es lohnt sich daher, die Zeit zu investieren und jedes Modell einzeln durchzurechnen, um das Elterngeld maximal optimieren zu können.

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freelancermap Team

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