Freelancer-Kompass im Vergleich – was hat sich in 10 Jahren getan?
Als wichtigste deutschsprachige Umfrage dieser Art liefert der Freelancer-Kompass wertvolle Erkenntnisse zur aktuellen Lage der Freelancer im deutschsprachigen Raum – politisch, gesellschaftlich und im Business-Kontext. Und das schon zum zehnten Mal in Folge. Wir schauen uns an, was sich zwischen den Jahren 2016 und 2025 in der Welt des Freelancings verĂ€ndert hat.
Vom kleinen Fragebogen zur gröĂten Freelancer-Umfrage im DACH-Raum
Seit seiner ersten Veröffentlichung im Jahr 2016 hat sich die Umfrage kontinuierlich weiterentwickelt und ist mittlerweile die gröĂte fĂŒr SelbststĂ€ndige im DACH-Raum. Was mit 711 teilnehmenden Freelancern begann, umfasst heute ĂŒber 3.000 Teilnehmer, die aktiv die Zukunft der Arbeit mitgestalten. Denn nur wer die BedĂŒrfnisse und Herausforderungen einer Gruppe wirklich versteht, kann mit und ĂŒber sie reden.
Freelancer-Kompass 2025
Deutschlands gröĂte Marktstudie fĂŒr Freelancer, Freiberufler und SelbststĂ€ndige
Im Laufe der zehn Ausgaben hat sich nicht nur das Design des Freelancer-Kompass verĂ€ndert, sondern auch die Themen, die die Arbeitswelt der Freelancer prĂ€gen. Neben den wiederkehrenden Finanzfragen wurden neue, zukunftsorientierte Bereiche eingefĂŒhrt – von Unternehmen-Insights ĂŒber das Politikbarometer bis hin zu Ausblicken auf die Zukunft des Freelancings. In diesem Jahr wurden erstmals auch Unternehmen zu ihren Erfahrungen zu der Arbeit mit Freelancern befragt.
Entwicklungen und Trends im Vergleich
Ein RĂŒckblick auf die letzten zehn Jahre enthĂŒllt sowohl erwartbare Entwicklungen als auch ĂŒberraschende neue Erkenntnisse ĂŒber die ArbeitsrealitĂ€t der Freelancer. Die wichtigsten Trends werden im Folgenden zusammengefasst.
Einkommenszufriedenheit seit 2016
Betrachtet man die Zufriedenheit der Freelancer mit ihrem Einkommen von 2016 bis 2025, zeigt sich ein interessanter Trend. WĂ€hrend der Anteil der zufriedenen Befragten in den ersten Jahren zwischen 71 % und 74 % schwankte, ist er seit 2023 unter die 70 %-Marke gefallen.

Im Jahr 2025 liegt die durchschnittliche Einkommenszufriedenheit bei 66 %. Bei einem genaueren Blick auf die Zahlen erscheinen teils groĂe Unterschiede. In den Bereichen Marketing & Kommunikation und Grafik, Content & Medien liegt die Zufriedenheit mit dem eigenen Einkommen bei unter 50 %. Freelancer, die sich in der IT-Branche spezialisiert haben, sind mit ihren EinkĂŒnften aus der Projektarbeit am zufriedensten – die Spitze liegt bei 85 %.
Stundensatz im Wandel: Wie sich die VergĂŒtung der Freelancer seit 2016 verĂ€ndert hat
Der durchschnittliche Stundensatz hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht. 2016 lag er bei 82 Euro und stieg bis 2025 auf 104 Euro.

Ein nĂ€herer Blick lĂ€sst erkennen, dass in den Jahren 2020 und 2021, wĂ€hrend der Pandemie, das Wachstum der StundensĂ€tze in allen Bereichen langsamer verlief. Die Entwicklung ĂŒber die letzten Jahre zeigt jedoch einen durchschnittlichen Anstieg um 21 % ĂŒber alle Branchen.
Die Branche Grafik, Content und Medien gehört zu einem der Fachbereiche mit dem gröĂten Wachstum der letzten zehn Jahre. In diesem Arbeitsbereich wurden seit Beginn der Befragung immer die geringsten StundensĂ€tze erhoben, dennoch ist hier ein Wachstum von 41 % zwischen 2016 und 2025 zu verzeichnen. Die Branche Entwicklung/Tech & Data erreichte die zweitgröĂte Steigerung im oben genannten Zeitraum. Von ursprĂŒnglich 74 Euro (2016) stieg er um gut ein Viertel auf 94 Euro im Jahr 2025. Das Fachgebiet Beratung und Management kann bereits seit der ersten Freelancer-Kompass-Umfrage mit dem höchsten Stundensatz glĂ€nzen. Bei der Befragung 2025 stellte sich heraus, dass die VergĂŒtung um 23 % auf jetzt im Durchschnitt 120 Euro pro Stunde stieg.

Arbeitsorte der Freelancer: VerÀnderungen und Trends seit 2016
Eine deutliche VerĂ€nderung in den letzten Jahren hat sich beim Arbeitsort der Freelancer verzeichnet. Die voranschreitende technische Weiterentwicklung und nicht zuletzt die Covid Pandemie haben Remote als Teil der New Work-Bewegung als Standard der freien Experten etabliert. 2015 arbeiteten noch 66 % der Freelancer direkt vor Ort bei den Unternehmen, wĂ€hrend die Umfrageergebnisse aus 2025 ein völlig anderes Bild zeigen: 60 % arbeiten inzwischen aus dem Home-Office, und knapp die HĂ€lfte der Befragten nennt das ortsunabhĂ€ngige Arbeiten als einen der HauptgrĂŒnde fĂŒr ihre SelbststĂ€ndigkeit. AusschlieĂlich vor Ort arbeiten heute nur noch fĂŒnf Prozent.

Die Wochenarbeitszeit der Freelancer – die Entwicklung seit 2016
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Freelancer ist von 2016 bis 2025 kontinuierlich gesunken – von 48 Stunden auf 40 Wochenstunden. 2021 stieg die Arbeitszeit kurzfristig um zwei Stunden. Der Umzug ins Home-Office durch den Lockdown und die Nachfrage nach flexiblen Freelancern könnten zwei AnlĂ€sse dafĂŒr sein. Seitdem hat sich die Arbeitszeit jedoch wieder auf 40 Stunden pro Woche eingependelt. Ein möglicher Grund fĂŒr diesen RĂŒckgang könnte die Anpassung der Arbeitsgewohnheiten sein – etwa eine effizientere Organisation der ArbeitsablĂ€ufe im Home-Office oder die Nutzung von KI im Arbeitsalltag. 69 % der 2025 befragten Freelancer gab an, sie hĂ€tten eine (sehr) gute Work-Life-Balance, was fĂŒr eine bewusste Trennung von Arbeits- und Privatleben spricht.

Die Auftragslage in der Zukunft
Die EinschĂ€tzung der Freelancer zur zukĂŒnftigen Auftragslage zeigt zwischen 2016 und 2025 ein unbestĂ€ndiges Bild. WĂ€hrend in den Jahren 2016-2019 ein recht stabiler Anteil von etwa 50 % der befragten Freelancer die Lage als gleichbleibend einschĂ€tzte, schwankten die optimistischen und pessimistischen Prognosen zwischen 20 % und 40 %.
Im Jahr 2020 Ă€nderte sich die Situation: Die EinschĂ€tzung einer besseren Auftragslage stieg sprunghaft auf 52 % im Jahr 2021, wĂ€hrend nur noch 6 % eine schlechtere Lage erwarteten. Dieser positive Trend war jedoch nur temporĂ€r und kehrte sich in den Folgejahren wieder um. 2025 schĂ€tzten knapp ein Drittel der Befragten die zukĂŒnftige Auftragslage als schlechter ein – ein Wert, der fast wieder an das Niveau von 2019 heranreicht und deutlich ĂŒber dem Durchschnitt der Jahre vor der Pandemie liegt.
Die anfĂ€ngliche positive Entwicklung im Jahr 2021 könnte auf die verĂ€nderten Arbeitsbedingungen und die verstĂ€rkte Digitalisierung wĂ€hrend der Pandemie zurĂŒckzufĂŒhren sein. Der spĂ€tere RĂŒckgang deutet jedoch auf eine Normalisierung oder neue Herausforderungen fĂŒr die Freelancer-Branche hin.

Die Freelancer-RealitÀt: Vorteile der SelbststÀndigkeit
Die Umfrageergebnisse des Freelancer-Kompass der letzten zehn Ausgaben zeigen eine bemerkenswerte Konstanz bei der Bewertung der wichtigsten Vorteile der SelbststĂ€ndigkeit, gleichzeitig aber auch einige VerĂ€nderungen im Zeitverlauf. UnabhĂ€ngigkeit und Entscheidungsfreiheit rangieren konstant an der Spitze der genannten Vorteile und erreichen in den letzten Jahren Werte von ĂŒber 70 %. Die freie Zeiteinteilung belegt ebenfalls regelmĂ€Ăig einen Spitzenplatz und erreicht hohe Umfragewerte.
Ein signifikanter Wandel ist jedoch ab 2020 erkennbar: Die Werte fĂŒr die drei Top-Vorteile (UnabhĂ€ngigkeit, Entscheidungsfreiheit, freie Zeiteinteilung) steigen deutlich an und stabilisieren sich auf einem hohen Niveau. Im Jahr 2024 erscheint erstmals das höhere Einkommen unter den Top 5 Vorteilen der SelbststĂ€ndigkeit. Dies deutet darauf hin, dass finanzielle Aspekte zunehmend an Bedeutung gewinnen. Nicht zuletzt als Folge der hohen Inflation in den Jahren 2022 und 2023, durch die Freelancer sich ihrer Einkommensvorteile gegenĂŒber festangestellten Kollegen stĂ€rker bewusst werden.
Die Herausforderungen der Freelancer im Wandel
Die Herausforderungen fĂŒr Freelancer blieben ĂŒber die Jahre hinweg gleich, doch die Gewichtung der Probleme hat sich verĂ€ndert. Ein schwankendes Einkommen und die Akquise neuer AuftrĂ€ge belegen seit 2016 durchgehend die ersten beiden PlĂ€tze und werden von den meisten Freelancern als besonders unangenehm empfunden. Auch der Zahlungsverzug von Auftraggebern ist ein anhaltendes Problem. WĂ€hrend âunbezahlter Urlaubâ und die âBuchhaltungâ in den ersten Jahren ebenfalls als Herausforderung genannt wurden, rĂŒcken im Laufe der Jahre andere Aspekte in den Vordergrund.
Neue Faktoren wie das Zeitmanagement, ScheinselbststĂ€ndigkeit und die fehlende Planungssicherheit mit der damit verbundenen Notwendigkeit fĂŒr ein stĂ€rkeres Selbstmarketing treten seit den letzten drei Jahren stĂ€rker in den Fokus. Die gefĂŒhlt zunehmende Isolation unterstreicht die Bedeutung von Networking und den Aufbau von stabilen Kundenbeziehungen.
Der Freelancer-Kompass 2025
Der Freelancer-Kompass 2025 ist mehr als eine Momentaufnahme – er ist ein Spiegel der Entwicklung einer ganzen Arbeitswelt. In den letzten zehn Jahren hat sich die Umfrage zu einer zentralen Informationsquelle fĂŒr die Freelancer-Community und darĂŒber hinaus entwickelt. Die Ergebnisse des Freelancer-Kompass zeigen deutlich: SelbststĂ€ndigkeit ist lĂ€ngst keine Nische mehr, sondern ein essenzieller Bestandteil der modernen Arbeitswelt.
Mit der steigenden Sichtbarkeit geht auch Verantwortung einher – fĂŒr Freelancer selbst, aber auch fĂŒr Unternehmen und die Politik. Die nĂ€chsten Jahre werden entscheidend sein, um faire Bedingungen zu schaffen, bĂŒrokratische HĂŒrden abzubauen und die SelbststĂ€ndigkeit als zukunftsfĂ€higes Modell weiter zu stĂ€rken. Der Freelancer-Kompass bleibt dabei ein wichtiger Impulsgeber fĂŒr diesen Wandel – und wird auch in Zukunft die Stimmen der Freelancer hörbar machen.