Was ist die Kapitalflussrechnung?

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Bei der Kapitalflussrechnung, auch Cashflow-Statement oder Finanzflussrechnung genannt, handelt es sich um ein Periodenrechnungsverfahren, welches den Zu- und Abfluss von Zahlungsströmen innerhalb eines Unternehmens abbildet.


Inhalt des Artikels:

  1. Definition Kapitalflussrechnung
  2. Wozu bedarf es der Kapitalflussrechnung?
  3. Arten der Kapitalflussrechnung
  4. Direkte & indirekte Kapitalflussrechnung
  5. Rechtliche Vorschriften

Definition

Der Begriff Kapitalflussrechnung ist inzwischen auch im deutschsprachigen Raum weitgehend durch den Begriff des Cashflows ersetzt worden. Dieser ist eine Bilanzkennzahl des externen Rechnungswesens, welche angibt, wie viel Geld in einer bestimmten Periode zugeflossen bzw. abgeflossen ist.

Folglich bedeutet das, dass mit dem Kapitalfluss nur Ein- und Auszahlungen eines bestimmten Zeitraums erfasst werden, um so die liquiden Mittel eines Unternehmens berechnen und transparent darstellen zu können. Ist der Cashflow in einem Geschäftsjahr positiv, ergibt sich ein Jahresüberschuss, ist er negativ, spricht man von einem Jahresfehlbetrag

Wozu dient die Kapitalflussrechnung?

In der internationalen Rechnungslegung (IFRS und US-GAAP) ist die Kapitalflussrechnung Pflichtbestandteil des Jahresabschlusses. In Deutschland wird sie vom Handelsgesetzbuch §297 im Rahmen des Konzernabschlusses verlangt. Die Kapitalflussrechnung stellt die Mittelherkunft und Mittelverwendung der liquiden Mittel dar und lässt sich kaum manipulieren, weshalb sie eine attraktive Kennzahl für Kapitaleber darstellt.

Auf Basis des Cashflows können Analysen zur Unternehmenssituation gemacht werden. Daraus resultiert beispielsweise, wie viel Geld dem Unternehmen für Investitionstätigkeiten, Schuldentilgung und Gewinnausschüttung zur Verfügung steht. Der Cashflow gibt Auskunft darüber, ob dem Unternehmen möglicherweise eine Insolvenz droht oder die finanzielle Lage des Unternehmens attraktiv ist. 

Arten der Kapitalflussrechnung

Im Allgemeinen können die Zahlungsströme der Kapitalflussrechnung in drei Stufen erfolgen, nämlich dem:

  • Cashflow aus operativer Tätigkeit
  • Cashflow aus Investitionstätigkeit
  • Cashflow auf Finanzierungstätigkeit 

Für jedes der oben genannten Felder ergibt sich mittels der Rechnung ein positiver oder negativer Cashflow, der somit einen Mittelüberschuss oder einen Fehlbetrag offenlegt. In der Regel werden die Ein- und Auszahlungen anhand des Bruttoprinzips aufgeführt. So können Zahlungsströme nicht nur vollständig, sondern auch transparent aufgeführt werden.

Die einzige Ausnahme stellt die indirekte Methode dar. Während die Kapitalflussrechnung für die Finanzierungstätigkeit sowie die Investitionstätigkeit gemäß der direkten Methode aufgeführt werden muss, können Unternehmen frei entscheiden, ob sie den Cashflow aus der aktuellen Geschäftstätigkeit auf direkte oder indirekte Weise berechnen wollen. Unterschieden werden die Methoden grundsätzlich nur darin, wie die Zahlungsüberschüsse bzw. Fehlbeträge ermittelt werden.

Der Aufbau einer Kapitalflussrechnung, bestehend aus operativem Cashflow, Cashflow aus Investitionstätigkeit und Cashflow aus Finanzierungstätigkeit.
Aufbau einer Kapitalflussrechnung

Direkte & indirekte Kapitalflussrechnung

Es existieren zwei Möglichkeiten den Kapitalfluss aus laufender Geschäftstätigkeit zu berechnen. Die indirekte Berechnung und die direkte Berechnung. Im Alltag findet meist die indirekte Berechnung des Cashflows anwendung.

Die indirekte Methode

Die indirekte Cashflow-Rechnung wird auf Basis des Jahresabschlusses gebildet. Ausgangspunkt dieser Methode ist also der bilanzielle Erfolg eines Unternehmens, also der Gewinn bzw. der Verlust (kurz: GuV) nach Steuern.

Dieser wird zur Berechnung des Cashflows korrigiert, und zwar um alle zahlungsunwirksamen Posten, also um Bestandsveränderungen des Nettoumlaufvermögens sowie um alle Positionen der Cashflows aus der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit. Hierbei werden neutrale Aufwendungen wie zum Beispiel Abschreibungen oder eine Erhöhung der Rückstellungen addiert und einnahmenneutrale Erträge subtrahiert (z.B. Zuschreibungen). Die Formel zur Berechnung des Cashflows auf indirekter Basis lautet also:

Indirekte Berechnung des Cashflows:
Jahresüberschuss
  –  nicht zahlungswirksame Erträge
  + nicht zahlungswirksame Aufwendungen
  = Cash Flow am Ende der Periode

Die folgende Grafik zeigt ein detailliertes Beispiel für die Berechnung des indirekten Cashflows. Abhängig vom Unternehmen, fallen dementsprechend mehr oder weniger zahlungsunwirksame Erträge und Aufwendungen an.

Der indirekte Cashflow - Berechnungsschema für die Kapitalflussrechnung indirekt
indirekte Methode der Kapitalflussrechnung

Die direkte Methode

Bei der direkten Kapitalflussrechnung werden Fehlbeträge und Überschüsse errechnet, indem sämtliche zahlungswirksamen Einzahlungen (z.B. Zinsen, Umsatzerlöse, Desinvestitionen, Subventionen) und alle zahlungswirksamen Auszahlungen (z.B. Gehälter, Zinsaufwendungen, Materialkosten) aufgeführt werden. Der Saldo aus den Ein- und Auszahlungen ergibt den jeweiligen positiven oder negativen Cashflow. Die Formel zur Berechnung des Cashflows auf direkter Basis lautet also:

Direkte Berechnung des Cashflows
+ zahlungswirksame Erträge
– zahlungswirksame Aufwendungen
= Cash Flow am Ende der Periode

Die folgende Grafik zeigt ein detailliertes Beispiel für die Berechnung des direkten Cashflows. Abhängig vom Unternehmen, fallen dementsprechend mehr oder weniger zahlungswirksame Erträge und Aufwendungen an.

Der direkte Cashflow - Berechnungsschema für die Kapitalflussrechnung direkt
direkte Methode der Kapitalflussrechnung

Rechtliche Vorschriften in der Kapitalflussrechnung

Die gesetzlichen Vorschriften in der Kapitalflussrechnung können in nationale und internationale Vorgaben unterteilt werden. Welche der beiden genannten Vorschriften das Unternehmen einhalten muss, hängt davon ab, ob ein Unternehmen den Konzernabschluss nach HGB oder IFRS aufstellt.

Nationale Vorgaben

Wie bereits erwähnt, ist die Kapitalflussrechnung in Deutschland innerhalb des §279 HGB geregelt. Die Grundsätze für eine ordnungsgemäße Konzernrechnungslegung werden in Deutschland durch das Deutsche Rechnungslegung Standards Committee (DRSC) entwickelt. Aktualisierte Vorgaben des DRSC wurden im Jahr 2014 mit dem Deutschen Rechnungslegungsstandard Nummer 21 (kurz: DRS21) veröffentlicht. Vorher geltende Standards wurden abgelöst und durch eine weitergehende Angleichung an internationale Standards (IAS 7) ersetzt. 

Internationale Vorgaben

Die Rechnungslegungsvorschriften für internationale Unternehmen werden in den sogenannten International Financial Reporting Standards (IFRS) festgehalten. Diese werden vom International Accounting Standards Board (IASB) veröffentlicht. Grundsätze für die Cashflow Rechnung bietet der International Accounting Standard 7 (ISA 7).

Über den Autor

Demet Okyay

Demet Okyay ist Masterstudentin im Fach Digital Marketing & seit Februar 2021
Werkstudentin im Bereich SEO bei freelancermap.de

Von Demet Okyay