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09.03.2017

EU-Sicherheitsforschung: Milliarden in den Sand gesetzt?


Die Europäische Union hat Milliarden in Forschungsvorhaben für mehr öffentliche Sicherheit investiert - ohne Ergebnis.




Dass die Europäische Union in die öffentliche Sicherheit investiert, ist löblich. Dass Milliarden von Forschungsprojekten verschlungen werden, die keinerlei verwertbare Produkte hervorbringen, ist allerdings ein Skandal. Laut der Zeit haben Journalisten bei einer Analyse der EU-Datenbank herausgefunden, dass genau das der Fall zu sein scheint. Die zehn kostenintensivsten EU-Forschungsgruppen konnten trotz milliardenschwerer Investitionen kaum einsetzbare Produkte vorweisen. Durch geschicktes Vorgehen konnten sich Industrie und Forschungsinstitute wie die Fraunhofer-Gesellschaft die teuren Forschungsprojekte sichern.

Als sich Journalisten aus ganz Europa die Förderprogramme für Sicherheitstechnik innerhalb von FP7 und Horizon2020 genauer angesehen haben, stießen sie auf Geldverschwendungen im ganz großen Stil. Eines der Projekte wurde beispielsweise vom Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen IIS durchgeführt. Ganze 5,4 Millionen Euro wurde in eine Technik namens MicroMole investiert, die durch Messgeräte in Abwasserleitungen Drogen-Labore aufdecken sollte. Für eine Kleinstadt wären allerdings schon Zehntausende der Sensoren nötig gewesen, um nach Drogen-Rückständen zu suchen. Auch mit Zehntausenden Sensoren wäre das Ergebnis allerdings noch ungenau gewesen.

Ein anderes Projekt, das bis jetzt immerhin 800.000 Euro gekostet hat, wird sogar von der eigenen Leitung als unrealistisch angesehen. Geforscht wird hier zum Schutz von Flughäfen uns Stromnetzen vor Sabotage, doch wozu, wenn der Projektleiter selbst davon ausgeht, dass sein Produkt niemals eingesetzt wird? Ebenfalls 800.000 Euro wurden in ein Projekt zum Schutz bei Terroranschlägen investiert. Von dem Personen-Airbag gibt es bisher nicht einmal einen Prototypen. Auch die Europäische Union zeigt sich unzufrieden mit den sicherheitstechnischen Forschungsprojekten, wünscht sich mehr Effizienz. Im Gegensatz zu anderen Projekten, die ebenfalls Fördersummen erhalten, würden in dem Bereich deutlich weniger wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht.

Obwohl die Erfolgsquote mehr als gering ist, können sich Institute und Rüstungsunternehmen wie Thales oder Airbus darauf verlassen, dass regelmäßig Geld an sie fließe. Pikantes Detail ist die Beteiligung vieler Firmenvertreter an der Ausschreibung. So können die Ausschreibungstexte praktischerweise perfekt zugeschnitten werden. Eigentlich sollten in Deutschland unabhängige Gutachter dafür sorgen, dass genau solche Fälle vermieden werden. Doch welche Gutachter hier aktiv geworden sind, werde geheim gehalten. Für die Bürger, die als Polizisten oder Mitglied der Feuerwehr tatsächlich für Sicherheit sorgen sollen, ist all die Forschung ohnehin nicht von großem Nutzen. Ihnen wäre schon geholfen, wenn wenigstens ein Teil der Forschungsgelder nicht in High-Tech-Produkte, sondern in mehr Personal oder moderne Ausrüstung investiert würde.






Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Sicherheitsforschung-Milliarden-ausgegeben-ohne-Ergebnis-3633504.html
Bild: © Andrey Kuzmin - Fotolia com

 

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