Risiken eines Freelancers und Forderung der Projektanbieter nach Berufshaftpflicht

24.01.2011

Interview mit Thomas Gareis (freelancermap GmbH) und Ralph Günther (exali GmbH), Teil1

Mit der IT-Experten-Haftpflicht und der Web-Haftpflicht haben die exali GmbH und freelancermap GmbH zwei neue Versicherungskonzepte entwickelt, die eigens auf die Anforderungen der User von freelancermap.de abgestimmt worden sind. Im Interview berichten exali-Chef Ralph Günther und freelancermap-Projektleiter Thomas Gareis über Hintergründe, Notwendigkeiten und unaufhaltsame Entwicklungen.

Herr Gareis, lassen Sie uns die Leute auf freelancermap.de genauer anschauen: Welche Freelancer-Typen finden sich hier wieder?

Gareis: Freelancermap mit seinen 14 Landesplattformen beherbergt eine Vielzahl unterschiedlicher Typen von Akteuren, die sich am Markt für freiberufliche und selbständige Dienstleistungen beteiligen. Das Spektrum reicht dabei vom angestellten Webdesigner, der sich nebenberuflich sein Gehalt aufbessern möchte, bis hin zum IT-Consultant, der auf der Suche nach langlaufenden Projekten ist.

Zudem gibt es immer mehr kleinere Firmen, meist Zusammenschlüsse mehrerer Freelancer, die Ihre Dienstleistungen anbieten und auf freelancermap Projekte akquirieren möchten.

Warum sind Freelancer vor allem auf Ihrer Plattform?


Gareis: Projekte, Aufträge und Anfragen – das ist es, was der Freelancer sucht und was wir ihm auf unseren Portalen bieten können. Durchschnittlich werden bei uns 1.200 Projekte pro Woche veröffentlicht und rund 2.000 Freelancer aus unserer Datenbank von Personalsuchenden angefragt. Dabei zeigt die Tendenz ganz klar nach oben. Zudem sind wir ständig bemüht unsere Services für Freelancer zu erweitern und zu verbessern.

Warum fordern immer mehr Projektanbieter von den Selbstständigen und Dienstleistern eine Berufshaftpflicht? Früher war das nicht so…


Gareis: Bezogen auf IT-Projektvermittler, liegt die Antwort auf der Hand.  Sie geben einfach die Forderungen nach einer Haftpflichtversicherung, die von Kundenseite an Sie gestellt wird, an die von Ihnen beauftragten Freiberufler weiter.

Günther: Die Auftraggeber bzw. Endkunden selbst fordern den Nachweis einer Berufshaftpflichtversicherung, um im Schadenfall einen Anspruch auch durchsetzen zu können. Der Freiberufler haftet zwar persönlich mit seinem Privatvermögen, bei einem größeren Schaden wird dies jedoch i.d.R. nicht ausreichen.

Vor kurzem hatte ich einen Schaden von 730.000 Euro auf dem Tisch. Das übersteigt die finanziellen Ressourcen der meisten Freiberufler. Laut einer Umfrage, die wir Anfang 2010 zusammen mit einem großen deutschen Projektvermittler durchgeführt haben, hatten 45 % der Auftraggeber bereits einmal oder mehrfach einen Schaden durch einen externen bzw. freiberuflichen Mitarbeiter erlitten. Aus dieser Warte betrachtet ist die Forderung sicherlich nachvollziehbar.

Fast jeder Freelancer hat sein individuelles Geschäftsmodell. Deshalb zwei Versicherungskonzepte?


Gareis: Eine Analyse unserer Nutzerschaft hat gezeigt, dass ein bestimmtes Merkmal besonders heraus sticht, mit dem sich Freelancer Typen unterscheiden lassen – und zwar die Art der Beauftragung. Dabei gibt es

  • den langfristigen Projekteinsatz, teilweise über Projektvermittler, bei mittleren und großen Industrieunternehmen weltweit,

  • kleinere Projekte und Aufträge, die größtenteils ortsunabhängig durchgeführt werden können und mit der Lieferung eines Werks oder einer Dienstleistung verbunden sind.


Günther: Diese generelle Unterscheidung in der Art der Beauftragung und somit auch in der Art der Auftraggeber hat uns dazu bewogen, zwei unterschiedliche Versicherungskonzepte für zwei generelle unterschiedliche Versicherungsbedürfnisse zu erarbeiten:

  • Die Web-Haftpflicht für Webworker, die vorwiegend im Agentur und Endkundengeschäft tätig sind, und

  • die experten-haftpflicht.html">IT-Experten-Haftpflicht für IT-Experten mit Schwerpunkt im IT-Projektgeschäft.


Innerhalb der jeweiligen Versicherung bleibt allerdings noch genug Gestaltungsspielraum um den Vertrag an die Bedürfnisse des Freelancer zusätzlich anzupassen.

Ist bei den Freelancern das Risikobewusstsein vorhanden?


Gareis: Aus Gesprächen mit unseren Partnern und Kunden konnte ich meist mitnehmen, dass ein generelles Risikobewusstsein besteht, aber die konkrete Vorstellung fehlt, welchen genauen Risiken man sich als Freelancer aussetzt. Hierbei ist noch weitere Aufklärungsarbeit notwendig, um aufzuzeigen welche Gefahren für den einzelnen von Bedeutung sind und eine Absicherung nötig machen.

Im IT-Projektgeschäft haben wir 2010 eine Umfrage unter 25 Projektvermittlern durchgeführt und dabei herausgefunden, dass 80 % eine Haftpflichtversicherung vom Freiberufler im Projektvertrag oder den AGB fordern.

Günther: Allein dadurch rückt die Berufshaftpflichtversicherung immer mehr in den Fokus und ist ein Kriterium bei der Projektbesetzung geworden. Dieses Ergebnis war auch einer der Auslöser, warum Freelancermap zusammen mit exali und der Hiscox für seine Plattformnutzer eine geeignete Lösung entwickelt haben.

Thema Kosten: IT-Freelancer ohne Vollauslastung oder Freelancer jenseits der IT mit geringeren Stundensätze scheuen die Investitionen für eine Berufshaftpflicht…


Gareis: … und bewegen sich dadurch auf sehr dünnem Eis. Nein, im Ernst, jeder muss für sich entscheiden ob eine Absicherung beruflicher Risiken notwendig ist. Gemeinsam mit dem Team von exali versuchen wir bestmöglich über die Gefahren und Risiken aufzuklären und haben z.B. mit dem Web-Haftpflicht-Tarif eine erschwingliche aber für die Zielgruppe umfassende Versicherungslösung erarbeitet.
Fortsetzung folgt:

Im 2. Teil des Interviews nehmen Ralph Günther (exali GmbH) und Thomas Gareis (freelancermap GmbH) den Versicherungsumfang der Web-Haftpflicht  unter die Lupe.

Im experten-haftpflicht-fur-freelancermap-user-im-fokus-6230.html">3. Teil des Interviews beleuchten Ralph Günther und Thomas Gareis die Leistungen der IT-Experten-Haftpflicht.

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