Als Freelancer eine Steuerklärung abgeben: Was ist wichtig?

07.08.2018

Auch für Freelancer gilt wie für alle anderen Steuerzahler die übliche Frist, um die Steuererklärung abzugeben: Bis Ende Mai muss sie für das Vorjahr beim Finanzamt vorliegen. Wie alle anderen Bürger haben aber auch viele Freelancer zum Teil Schwierigkeiten mit diesem bürokratischen Akt. Was wichtig ist, wenn Freelancer die Steuererklärung ausfüllen, und was Sie beachten müssen, möchten wir im Folgenden kurz erklären.




Abgabepflicht und Fristen

Freelancer, also freie Mitarbeiter, unterscheiden sich von Angestellten darin, dass sie eine Steuererklärung abgegeben müssen. Aufgrund dieser Abgabepflicht kommen sie also nicht darum herum, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. 

Die Frist für die Abgabe der Steuererklärung für das Vorjahr ist der 31. Mai. Allerdings gibt es hier eine Änderung: Ab 2019, also ab der Steuererklärung für das Jahr 2018, verschiebt sich die Frist nach hinten, auf den 31. Juli. Dann gilt auch für Freelancer, dass sie zwei Monate mehr Zeit haben. 

Weiterhin ist es möglich, eine Fristverlängerung beim Finanzamt zu erfragen – dies jedoch nur mit schriftlicher Begründung. 

Wer einen Steuerberater bemüht, dessen Steuererklärung kann sogar noch später abgegeben werden. Zurzeit liegt der Stichtag am 31. Dezember, künftig wird es der letzte Tag im Februar sein. 

Wichtig: Selbstständige können die Steuererklärung nur noch elektronisch übermitteln. Für die dafür notwendige Registrierung und die Beantragung der nötigen elektronischen Zertifikate sollte genügend Zeit eingeplant werden. 


Was müssen Freelancer ausfüllen?

Wie alle Steuerpflichtigen müssen auch Freelancer bei der Steuererklärung zunächst den Mantelbogen, also den Hauptvordruck ausfüllen. Dieser enthält alle wichtigen Angaben zur Person und Informationen wie die Steueridentifikationsnummer. 

Zusätzlich müssen Freelancer noch die Anlage S ausfüllen, in der die Einkünfte aus selbstständiger Arbeit eingetragen werden. 

Darüber hinaus können weitere Anlagen hinzukommen, die aber nur dann ausgefüllt werden sollten, wenn sie tatsächlich erforderlich sind. Dazu gehören z. B.: 

    • Anlage Vorsorgeaufwand (für Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Rentenversicherung etc.)
    • Anlage AV (z. B. für Beiträge zur Riester-Rente) 
    • Anlage V (Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung)
    • Anlage KAP (für Kapitaleinkünfte)
    • Anlage Kind

Freelancer unterliegen in der Regel nicht der Bilanzpflicht. Das heißt, dass bei ihnen zur Gewinnermittlung eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) ausreicht. Diese funktioniert nach dem leicht verständlichen Prinzip „Einnahmen minus Ausgaben gleich Gewinn“. Seit 2017 ist die Abgabe der Anlage EÜR für alle Freelancer Pflicht. Diese lässt sich zudem nur elektronisch übermitteln. 


Was können Freelancer von der Steuer absetzen?

Die Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung kann lästig sein. Doch Freelancer können auch davon profitieren, bestimmte Angaben zu machen. Ausgaben, die in Zusammenhang mit der ausgeübten Tätigkeit stehen, können nämlich von der Steuer abgesetzt werden. 

Welche Ausgaben können beispielsweise hierunter fallen? 

    • Kosten für ein Arbeitszimmer
    • Reisekosten
    • Kosten für Arbeitsgeräte (z. B. Computer)
    • Weiterbildungen 
    • Beiträge für Berufsverbände

Es kann also durchaus einiges Potential an Einsparungen bestehen, wenn die Möglichkeiten der Steuererklärung maximal ausgeschöpft werden. Freelancer sollten bei berufsbedingten Ausgaben daher immer alle Belege aufbewahren, um sie beim Finanzamt geltend machen zu können.

Seit der Steuererklärung 2017 müssen diese Belege nicht mehr mitgeschickt werden. Sie müssen jedoch zum Nachweis aufbewahrt werden, damit sie bei Nachfragen vorgezeigt werden können. 


Wie können Freelancer ihre Steuererklärung erstellen?

Als Freelancer haben Sie grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten bei der Erstellung der Steuererklärung: 

    • Steuerberater
    • ELSTER
    • Steuersoftware

Die erste Option, der Steuerberater, ist die bequemste, weil sich hier ein Experte um die Anfertigung und Übermittlung der Unterlagen kümmert. Allerdings ist dies natürlich auch mit Kosten verbunden, die nicht jeder dafür aufwenden kann oder möchte. Es ist aber auch durchaus möglich, die Steuererklärung selbst zu erstellen. 

Über ELSTER, das offizielle Portal der Finanzämter (elster.de), lässt sich die Steuererklärung auf einfache Weise online erstellen und elektronisch übermitteln. Voraussetzung hierfür ist ein elektronischer Identitätsnachweis, der unter Umständen erst angefordert werden muss, was einige Wochen in Anspruch nehmen kann. Diese Zeit sollte also entsprechend eingeplant werden. 

Mögliche Formen der Identifizierung sind zum Beispiel: 

    • Personalausweis mit freigeschalteter Online-Funktion (Kartenlesegerät erforderlich!)
    • Zertifikatsdatei
    • Signaturkarte

Vorteil von ELSTER ist, dass die Daten direkt nach dem Ausfüllen an das Finanzamt übermittelt werden können. Zudem werden Fehler in den Formularen und Hinweise zu einzelnen Feldern angezeigt, die beim Ausfüllen helfen können.

Auch Steuersoftware kann für Freelancer eine gute Alternative zum Steuerberater sein. Mit diesen Programmen lässt sich die Steuererklärung Schritt für Schritt erstellen, sodass auch für Steuerneulinge das Ausfüllen nicht zum Hexenwerk wird. Zusätzlich gibt es Tipps, wie Steuern gespart werden können, etwa welche Ausgaben angegeben werden könnten. 

Es zeigt sich also, dass Freelancer durchaus auch ohne Steuerberater in der Lage sind, selbst eine Steuererklärung abzugeben. Entsprechende Software kann durch die einzelnen Schritte führen und Tipps beim Ausfüllen geben. 






Bild: © alphaspirit - Fotolia.com

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