Die vielen Vorteile eines kleinen Büros

12.06.2018

Was wir heute als Büro in seinen verschiedenen Erscheinungsformen kennen, war früher das Kontor, wobei weder Kontor noch Büro eine wirklich lange Tradition besitzen. Vor der Industrialisierung fanden sich in den Manufakturen und Handwerksbetrieben, den damaligen KMUs, sowohl Produktion oder Lagerhaltung genauso wie Buchhaltung und zugleich das Wohnen unter einem Dach. In der Wall Street in New York wurden die ersten Aktien auf der Straße oder im Teehaus gehandelt. Lloyds of London war ursprünglich ein Kaffeehaus, dessen Besitzer zufällig Lloyds hieß. Das Büro gibt es eigentlich erst seit rund 200 Jahren, aber es hat schon einiges an Entwicklung mitgemacht, wobei es damals wie heute oft mit einem kleinen Büro angefangen hat.




Das Einzelbüro – die Keimzelle guter Ideen

Obwohl heute überall die Teamfähigkeit proklamiert wird und es in den meisten größeren Unternehmen von Projekten nur so wimmelt, in denen verschiedene Mitarbeiter zusammenarbeiten, sind die meisten guten Ideen den eher einsamen Tüftlern zu verdanken. Nun jedoch nicht einsam im sozialen Sinne, sondern einfach nur allein in einem kleinen Büro. 


Die Vorteile einer solchen Keimzelle guter Ideen liegen auf der Hand, so etwa:

    • Ungestörtes Arbeiten
    • Privatsphäre und hohe Individualität
    • Weitestgehend freie Gestaltung der Arbeitsumgebung
    • Einstellung der Beleuchtung nach eigenem Ermessen
    • Belüftung, wie und wann es gefällt

Die kleine Liste zeigt, dass der oder die Nutzerin eines kleinen Büros fast vollständig ein eigenes kleines Reich beherrscht und das ist in Hinsicht auf Kreativität und Arbeitsleistung durchaus von Vorteil. Dabei kann ruhig Wert auf das Adjektiv „klein“ gelegt werden, denn ein zu großes Einzelbüro bringt in Bezug auf die Leistung und Ideen keine Vorteile. Es muss jedoch ein gewisses Mittelmaß eingehalten werden. Ähnelt das Büro eher einem Wandschrank, in dem klaustrophobisch veranlagte Menschen ins Schwitzen geraten, ist dies genauso wenig vorteilhaft wie ein Einzelbüro, in dem sich eine Minigolfanlage aufstellen ließe.


Ist Kommunikation denn nicht wichtig?

Es ist eine der Phrasen, die in Bezug auf die Einrichtung von Großraumbüros gerne herangezogen wird: „Die Kommunikationswege verkürzen sich“. In der Realität geht es jedoch nur um die Einsparung teurer Büroflächen. Großraum- oder Mehrpersonenbüros besitzen dann eine gewisse Berechtigung, wenn die darin verrichtete Arbeit eher der an einem Fließband ähnelt. Beispielsweise monotone Dateneingabe, bei der so oder so jeder Mitarbeiter ein Headset aufhat. 

Wird jedoch Denkarbeit benötigt, stören äußere Einflüsse nur, die von der betreffenden Person nicht gesteuert werden können. Das digitale Zeitalter ist vor ungefähr 30 Jahren angebrochen und bescherte Kommunikationswege früher ungeahnten Ausmaßes. Der Nutzer eines kleinen Büros kann mit ein paar Klicks mit dem Nachbarn im Büro gegenüber reden oder eine weltweite Videokonferenz inszenieren. Er kann die Kommunikation aber auch sofort unterbrechen, was im Großraumbüro schlicht unmöglich ist. Da nutzen auch mobile Trennwände oder Sichtblenden nichts. 


Störungen sind Gift

Wer schon einmal versucht hat, in einem Meeting einen Gedanken wirklich zu Ende zu denken, der schätzt es, danach wieder in sein oder ihr kleines Büro zurückkehren zu können, um ein Problem tatsächlich von allen Seiten zu betrachten. Das bedeutet ja keineswegs, dass deswegen auf die Ideen und Vorschläge der Kollegen und Kolleginnen verzichtet wird. Kluge Projektleiter speichern alles Wichtige in einer Cloud, auf die jeder Teilnehmer Zugriff hat. 

So lässt sich wirklich nutzbare Kommunikation mit dem Vorteil verbinden, den eigenen Gedanken freien Lauf zu lassen, unbeeinflusst von der Gruppe. Tatsächlich fand der Psychologe Irving Janis heraus, dass so manche gute Idee schlicht untergeht, weil sich Teilnehmer der vorherrschenden Gruppenmeinung einfach nur anschließen, um die Harmonie nicht zu stören. Ebenso sind es die sogenannten „Alphatiere“ einer Gruppe, die den anderen Teilnehmern ihre Meinung quasi aufzwingen.


Das kleine Büro bedeutet mehr Selbstwertgefühl

Das eigene Büro mit vier Wänden, einer Tür und hoffentlich auch einem Fenster, bedeutet in Zeiten verschiedenster Büro-Ideen wie dem:

    • Gruppenbüro
    • Dem Großraumbüro
    • Dem Kombibüro
    • Dem nonterritoralen Büro

für den oder die Mitarbeiterin eine besondere Wertstellung, auch wenn das Büro nur klein ausfällt. Eine Studie des Industrieverbands Büro und Arbeitswelt (iba) aus dem Jahr 2017 macht es deutlich. Von 1013 befragten Büro-Angestellten waren die Mitarbeiter mit Einzelbüros besonders zufrieden und 60 % der Befragten gaben an, das ihnen Rückzugsgebiete für konzentriertes Arbeiten fehlen. Fast alle Teilnehmer der Studie sahen einen niedrigen Geräuschpegel als sehr wichtig an. Es spricht folglich viel dafür, dem kleinen oder dem Zellenbüro wieder etwas Glanz zu verleihen.






Bild: © contrastwerkstatt - Fotolia
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