Freelancer im Interview: Nikolaus Teixeira

05.04.2018

Als Changemaker unterstützt das freelancermap-Mitglied Nikolaus Teixeira bei der Transformation eines Unternehmens zu einem ethischeren Wirtschaften und unterstützt u.a. bei der Entwicklung der Unternehmenskultur. Dabei setzt der Keynote-Speaker auf Gemeinwohl-Ökonomie.





Kleine Aufwärmrunde - Stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor:
Nikolaus Teixeira ist mein Name und ich lebe in Pullach, bei München, bekannt durch den BND (BundesNachrichtenDienst), also gefühlt bestens geschützt. Ich komme eigentlich aus der Werbebranche, war Kreativdirektor, habe aber nach mehr Sinn gesucht und wollte nicht mehr mitverantwortlich sein, dass immer mehr Scheiß verkauft wird, der als Müll endet und vorher viel Energie verbraucht. Energie und Ressourcen, die uns bald fehlen könnten. Außerdem hatte ich viel in der Modebranche zu tun, und als ich die Arbeitsbedingungen in der Herstellung in Asien gesehen habe, war klar, ich muss da raus. Freiberufler war ich fast mein ganzes Leben, viele Jahre. Jetzt unterstütze ich Unternehmen dabei, ethischer zu wirtschaften und dabei erfolgreich zu sein.

Was sind die Probleme und Aufgaben, bei denen Sie Ihren Kunden helfen? 
Kunden, die mich beauftragen, suchen nach Möglichkeiten ökologisch und sozial vorbildlicher zu werden. Sie haben irgendwann von der Gemeinwohl-Ökonomie oder anderen Konzepten gehört und gesehen, dass es schon heute sehr bekannte Unternehmen gibt, die beweisen, dass ethisches Unternehmertum unter den realen Marktbedingungen erfolgreich möglich ist. Das sind die besten Unternehmer in diesem Lande, weil sie ihren Impact über den Profit stellen, wozu sie nicht verpflichtet sind und was auch nicht subventioniert wird. Diese Unternehmen arbeiten mit Leuten wie mir, um erfolgreicher und ethischer zu werden. Sie machen z.B. eine Gemeinwohl-Bilanz, damit benchmarken sie ihr Verhalten, leiten daraus strategische Ziele ab und integrieren das in ihre Unternehmensentwicklung. Sie benutzen das Tool auch für Projekte. Und ich helfe ihnen dabei, den Weg unternehmerisch zu gehen. Das besondere an mir ist, dass ich als Coach und Referent die Motivation und effektive Umsetzung begleiten kann und außerdem mit meinen Skills aus der Kommunikationsbranche helfe, dass der Prozess auch wahrgenommen wird, ein hohes Commitment aller Beteiligten entsteht, das Besondere an dem Unternehmen, das mich beauftragt, sichtbarer wird. Oft mache ich das zusammen mit anderen KollegInnen, denn für mich gilt, Kooperation geht vor Konkurrenz.

Reden wir über den Start Ihrer Karriere: Was hat für Sie den Ausschlag für das freiberufliche Leben gegeben?
In die Freiberuflichkeit? Eher aus Zufall und weil es damals als Fotograf nur langweilige Jobs im Angestelltenverhältnis gab. Zwischendurch habe ich auch mal als Angestellter gearbeitet, in der besagten Werbeagentur. Aber ich bin schon ziemlich stark, wenn ich auf Augenhöhe und gestaltend tätig sein kann. Das ist in einer Hierarchie schwierig. Gerade deshalb mache ich jetzt genau an der Stelle ein Angebot. Ich glaube, neues Arbeiten bedingt auch andere Strukturen.

Erhalten Sie Projektanfragen dabei eher von bestehenden Kunden oder suchen Sie aktiv nach spannenden Aufgaben, die Sie besonderes reizen?
Das, was ich jetzt mache, ist so neu, da gibt es keinen bestehenden Markt. Natürlich lassen sich Unternehmens-Weggefährten beraten und helfen. Aber viel geht auch über eigenes Engagement. Zum Beispiel leite ich ehrenamtlich eine sog. GWÖ-Fokusgruppe Unternehmen in München (also ein nachhaltiges Unternehmernetzwerk), wo Kontakte entstehen. Ich bin aber auch viel auf Veranstaltungen, als Referent, oder als Besucher. Dort suche ich die Rosinen und die Rosinen suchen nach mir.

Natürlich sind wir jetzt gespannt – konnten Sie bei der Projektsuche gute Erfahrungen mit freelancermap machen?
Ich bin mal gespannt, was sich ergibt. Change, Transition, unternehmerischer Kulturwandel und ethische Kommunikation nach innen und außen gibt es hier noch nicht als Filter und ich kann noch nicht einschätzen, ob man sich hier trifft. Aber eigentlich ist das doch genau der Ort, wo ethische Unternehmen auf verantwortungsvolle Freelancer treffen. 

Was machen Sie, wenn Sie nicht in Ihr Spezialgebiet vertieft sind? Welche Themen innerhalb, aber auch außerhalb der IT-Branche interessieren Sie?
Mein Thema trifft ja nur, was die digitale Kommunikation betrifft, in die IT. Alles andere sind analoge Prozesse, die auch digital abgebildet werden. Aber moderiert, denn sonst sind soziale Intranets zum Beispiel Rohrkrepierer, in meiner Erfahrung. Ansonsten arbeite ich mit den Themen, die mir Spaß bereiten und gehe gerne radeln, kicken und mache Yoga. Und ich lese gerne Bücher, digital und analog. Die Berge sind meine Akkus.

Nun vom Besonderen zum Allgemeinen: Die IT-Branche wächst und wächst – worin sehen Sie die Herausforderungen der nächsten Jahre und vermissen Sie manchmal auch “the good old days”?
Karl Valentin hat mal den Spruch gebracht: „Die Zukunft war früher auch schöner.“ Mich interessiert nicht, was irgendwann war. Ich bin zwar nicht so blöd, dass ich Entwicklungen nicht wahrnehme. Ich bin aber nicht Teil des Problems, sondern der Lösung. Und deshalb sehe ich IT auch als Chance sichtbar zu machen, wie wir global zusammenwachsen, den Planeten enkeltauglich machen und Social-IT hinkriegen. Getreu dem Leitsatz in der Gemeinwohl-Ökonomie: Geld ist Mittel, aber nicht Zweck, Kooperation vor Konkurrenz und gelingende Beziehungen. 

Gibt es noch eine interessante Geschichte oder eine Anekdote aus Ihrer freiberuflichen Tätigkeit, die Sie gerne mit uns teilen würden?
Tipps für Einsteiger? Höre auf deinen Herzschlag. Glaube an dich. Wo Überzeugung und Leidenschaft ist, da sind auch die Kunden nicht weit. Ansonsten vergesse nicht: Geld ist Mittel, aber nicht Zweck deines Handelns. Kooperation macht glücklicher als Konkurrenz. Es gibt ein Leben offline, dort findest du gelingende Beziehungen.

Vielen Dank für das Interview!

freelancermap-Profil von Nikolaus Teixeira
 
Webseite von Nikolaus Teixeira





 

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