Leiden auch Sie unter dem Hochstapler-Syndrom? So gehen Sie damit um!

20.02.2018

Kennen Sie sie auch? Diese kleine Stimme die Ihnen ständig ins Ohr flüstert: „Du gehörst nicht hier hin“, „Du bist nicht gut genug“ oder auch „Dieses Projekt schaffst du nie!“ Sie meldet sich am liebsten, wenn Sie überarbeitet sind oder wegen einer tollen neuen Chance tatsächlich ein wenig verunsichert. Gerade als Freelancer hört man sie also öfter als einem lieb ist.




Aber keine Panik — Sie sind nicht allein. Das unangenehme Gefühl hat sogar einen Namen: Es heißt Hochstapler-Syndrom oder auch Impostor-Syndrom und ist wissenschaftlich belegt. Das Syndrom ist für übersteigerte Selbstzweifel verantwortlich. Was hilft? Verständnis und Handlungsstrategien — einfacher als es klingt. Wir erklären Ihnen in diesem Artikel das wichtigste zu diesem Phänomen und wie Sie am besten damit umgehen.


1. Impostor-Syndrom — was ist das eigentlich?

Entdeckt wurde das Syndrom 1978 von den amerikanischen Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes. Auf den Gedanken sind sie gekommen, weil Pauline Clance selbst betroffen ist. Sie stand vor einer wichtigen Prüfung und hatte große Angst, zu versagen. Plötzlich rückte alles, was sie nicht wusste in den Vordergrund und verdrängte all das, was sie gelernt hatte. Clance beschäftigte sich mit diesem Gefühl, mit dem unser Hirn uns austricksen möchte.
Wer unter dem Hochstapler-Syndrom leidet, schafft es nicht seine Erfolge zu erkennen und geht davon aus, er sei nicht intelligent, kreativ oder fleißig genug. Das Gemeine: Nur erfolgreiche Menschen leiden unter dem Syndrom. Sie alle haben bereits etwas erreicht, haben hohe Positionen inne und könnten stolz auf sich sein. Stattdessen beschleicht sie ständig der Gedanke: „Habe ich das wirklich alles verdient?“


2. Ein kleines Stück vom Hochstapler-Syndrom schadet niemandem

Ständig in der Angst zu leben, nicht genug zu sein und schlussendlich als Taugenichts entlarvt zu werden, kann sehr nervenaufreibend sein. Ein zu großes Selbstbewusstsein ist aber auch nicht die Lösung. Der Mittelweg: Sich selbst ab und zu in Frage in stellen und danach streben, bessere Leistungen zu erzielen. Das ist eine  positive Eigenschaft, die bei vielen Menschen viel zu gering ausgeprägt ist. Wer unter dem  Impostor-Syndrom leidet, treibt sie jedoch ins Extreme. Die selbsternannten Hochstapler begleitet die Angst, entdeckt zu werden, was in dieser Form jedoch oft nicht zu besseren Leistungen, sondern zu Blockaden bei der Arbeit führt.


3. Wodurch wird das Syndrom verursacht?

Aber was lässt genau diese erfolgreichen Menschen so an sich zweifeln, dass sie das Impostor-Syndrom entwickeln? Die Lösung ist einfach: Wenn Sie Experte auf einem bestimmten Gebiet sind, haben Sie in der Regel viel Zeit investiert, um Ihr Wissen zu perfektionieren. Mit dieser Basis fällt es Ihnen natürlich deutlich leichter, sich neues Wissen anzueignen und noch besser zu werden. Je besser Sie werden, desto leichter wird es Ihnen fallen. Genau das ist der Knackpunkt: Es fühlt sich nicht mehr nach harter Arbeit an. Sie haben das Gefühl, sich nicht genug anzustrengen und entwickeln Selbstzweifel, obwohl andere finden, dass Sie Großartiges leisten.


4. Warum sind so viele Freelancer betroffen?

Freelancer leiden im Vergleich zu Festangestellten oft unter dem Hochstapler-Syndrom. Einer der Gründe: Sie bekommen deutlich weniger Feedback. Im Büro bekommt man automatisch Rückmeldungen zu seiner Arbeit, entweder in Mitarbeitergesprächen oder direkt von seinen Kollegen. Wer täglich neben Ihnen sitzt, weiß wie hart sie arbeiten und kann den Aufwand und die Leistung einschätzen. Die Arbeit von Freelancern wird in der Regel nur als Endprodukt wahrgenommen, den harten Arbeitsprozess verfolgt hingegen niemand. Sie sind der Einzige, der bezeugen kann, wie hart Sie gearbeitet haben. 


5. Wie gehen Sie am besten mit dem Syndrom um? 
 
  • Keine Panik, jeder zweifelt mal an sich
Richtig mit dem Hochstapler-Syndrom umzugehen bedeutet in erster Linie, seine Denkweise zu ändern. Selbstzweifel sind etwas völlig Normales und wie gesagt in gesundem Maß eine sehr positive Eigenschaft. Wenn die kleine Stimme das nächste Mal zu laut wird, erinnern Sie sich daran, dass sie völlig normal ist. Zudem wird die Stimme von Ihnen selbst gesteuert — Sie können also auch entscheiden, sie selbst abzustellen. 
 
  • Erinnern Sie sich selbst an Ihre Leistungen
Denken Sie regelmäßig daran, was Sie bereits erreicht haben. Ein guter Zeitpunkt ist das Jahresende. Überlegen Sie genau, was Ihnen alles gut gelungen ist in den vergangenen Monaten. Welche Projekte waren besonders erfolgreich und auf was können Sie zu Recht stolz sein?
 
  • Das Impostor-Syndrom ist ein Ausdruck Ihrer Fähigkeiten
Erinnern Sie sich daran: Das Hochstapler-Syndrom trifft vor allem sehr erfolgreiche Menschen, die sehr gut darin sind, was sie tun. Wenn Ihnen die Arbeit also sehr leicht fällt, ist das kein Zeichen von Unfähigkeit. Sie haben hart gearbeitet um sich so leicht zu tun und genau da zu sein, wo Sie jetzt sind. Vergessen Sie das auf keinen Fall. 






Bild: © Sergey Nivens - shutterstock.com

Weitere Artikel

  • Vertrag als Freiberufler kündigen – was ist zu beachten?

    Wer seinen Vertrag als Freiberufler kündigen und dem Vertragspartner Lebewohl sagen will, muss einige Aspekte beachten. Worauf es bei der Vertragskündigung als Freelancer ankommt, lesen Sie hier.
  • Unternehmensformen für IT-Selbständige

    Selbständige in der IT Branche haben in Deutschland verschiedene Rechtsformen zur Auswahl, unter denen sie ihrer Tätigkeit nachgehen können. Ob Einzelunternehmer oder Personen- (wie GbR, PartnerG) und Kapitalgesellschaften (wie GmbH, UG (haftungsbeschränkt), AG) hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab und muss im individuellen Einzelfall näher betrachtet werden.
  • So korrigieren Sie Ihre Rechnungen richtig!

    Selbständige, Freiberufler und Unternehmer sind grundsätzlich dazu verpflichtet, erbrachte Leistungen gegenüber dem Kunden mit einer Rechnung abzurechnen. Ist unser Kunde selbst Unternehmer, benötigt er die Rechnung als Nachweis, um sich die ausgewiesene Umsatzsteuer vom Finanzamt erstatten zu lassen.

Kommentare

  • Keine Kommentare vorhanden

Artikel kommentieren