Wie viel Berufserfahrung brauchen Freelancer?

08.02.2018

Viele Freelancer kommen bei Beginn ihrer Selbstständigkeit aus einer Festanstellung. Für sie überwiegen die Nachteile einer Festanstellung: Sie haben das Gefühl nicht mehr weiter zu kommen, sich nicht verwirklichen zu können und wollen raus aus diesem Hamsterrad. Tschüss geregeltes Leben mit bezahltem Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall — Hallo große Freiheit! Doch auch, wenn die Zeit als Angestellter einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt, war sie wertvoll, um Berufserfahrungen zu sammeln. Doch wie viel Berufserfahrung braucht ein Freelancer eigentlich?





Sehen wir uns die Umfrageergebnisse aus dem Freelancer Kompass 2017 an. Durchschnittlich haben die 1.112 Umfrageteilnehmer 13,64 Jahre Berufserfahrung gesammelt, bis sie Freelancer geworden sind. Mutige 11,5% haben sich nach weniger als drei Jahren selbstständig gemacht, 12,41% nach drei bis fünf Jahren. Der größte Teil (23%) hat vorher sechs bis zehn Jahre gearbeitet, auf Platz zwei sind mit 17% die Freelancer, die elf bis 15 Jahre festangestellt waren und 15% waren sogar 16 bis 20 Jahre in einer Festanstellung, bis sie sich selbstständig gemacht haben.


Vorteile: Berufserfahrung als Festangestellter

Vor der Selbstständigkeit festangestellt zu sein, hat einige Vorteile. Sie können sich in einem sicheren Rahmen Fähigkeiten aneignen, vielleicht sogar auf Kosten des Arbeitgebers an wichtigen Fortbildungen und Kursen teilnehmen. Sie können Geld ansparen, das als finanzielles Polster für den Anfang als Freelancer dient und Kontakte knüpfen, die auch später sehr hilfreich sein können. Es ist zwar nicht die feine Art, doch durchaus möglich, dass Kunden sie in die Selbstständigkeit begleiten. Sie wissen, dass Sie gute Arbeit leisten und wünschen sich, dass Sie diese Arbeit auch in Zukunft für sie erledigen. Das ist nichts Verwerfliches.


Nachteile

Wer wirklich nicht für die Festanstellung geschaffen ist, wird sich in dieser Zeit einfach nur quälen. Kreative Freigeister tun sich oft schwer mit den starren Strukturen in Unternehmen und können so eingeschränkt vielleicht gar keine gute Arbeit leisten. Wenn Sie eine gute Geschäftsidee haben und sicher sind, dass Sie sich als Selbstständiger wohler fühlen, sollten Sie nicht zögern und den Schritt wagen. Sollte es schief gehen, müssen Sie im schlimmsten Fall eben in den sauren Apfel beißen und sich einen neuen Arbeitgeber suchen.


Wie wirkt sich die Berufserfahrung auf den Stundensatz aus?



Interessant ist nun auch die Stundensatzverteilung nach Altersstufen. Hier zeigt sich, dass die Erfahreneren einen deutlich höheren Stundensatz veranschlagen als die jüngere Generation. Den höchsten Stundensatz verlangen mit 90,17 € Freelancer zwischen 40 und 49 Jahren. Den niedrigsten Stundensatz haben Freelancer unter 30 Jahren angegeben. Sie bekommen nur 75,74 € und liegen damit 11,62 € unter dem durchschnittlichen Stundenlohn von 87,36 €. Ab 50 Jahren sinkt der Stundensatz wieder, die über 69-jährigen erhalten im Schnitt 83,26 € pro Stunde. 



Vorteile: frühe Selbstständigkeit

Trotz eines geringeren Stundensatzes kann sich die frühe Selbstständigkeit lohnen. Wenn Sie eine zündende Idee haben und genau jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist — warum warten? Die Idee für eine tolle App kann zum Beispiel in ein paar Monaten schon wieder veraltet sein oder ein anderer ist schneller, also ergreifen Sie Ihre Chance. Je jünger Sie sind, desto weniger haben Sie in der Regel zu verlieren. Sie sind eher bereit, Risiken einzugehen, weil die Tragweite der möglichen Folgen noch nicht so groß ist. Wenn Sie später erst einmal Familie haben und womöglich ein Haus abbezahlen müssen, ist die Hemmschwelle, eine sichere Stelle aufzugeben, deutlich größer. Das kann bedeuten, dass Sie Ihren Traum nie verwirklichen. Nutzen Sie also Ihre Motivation!


Nachteile

Wie bereits erwähnt liegt der Stundensatz der jüngeren Generation deutlich unter dem Durchschnitt, fehlende finanzielle Rücklagen können Ihnen das Leben schwer machen. Ohne entsprechende Berufserfahrung kann es schwer sein, mit der Konkurrenz mitzuhalten. Wenn Sie etwas Neues lernen möchten, müssen Sie die Kosten für eine Weiterbildung als Freelancer selbst tragen. Urlaub und Freizeit? Diese Bedürfnisse müssen erst einmal hintangestellt werden. In einer Festanstellung kann man sich in jungen Jahren besser „austoben“, hier ist es in der Regel kein Problem sich zwischendrin mal drei Wochen die Welt anzusehen. Dessen sollten Sie sich auf jeden Fall bewusst sein, bevor Sie den Schritt in die frühe Selbstständigkeit wagen.


Fazit

Sowohl die Festanstellung als auch die frühe Selbstständigkeit haben Vor- und Nachteile. Die Berufserfahrung, die die Stundensätze der älteren Generation steigen lässt, muss allerdings nicht zwangsläufig in einer Festanstellung erworben werden. Als junger Freelancer scheitert man womöglich leichter als jemand, der in vielen Jahren sein Handwerk gelernt hat und genau weiß, was er kann und will. Doch auch aus Fehlern kann man viel lernen und hat in jungen Jahren noch viel Zeit, es besser zu machen. Hören Sie also auf sich und Ihre Bedürfnisse, dann steht Ihrer Karriere als Freelancer nichts im Weg — egal ob sie 23 oder 55 sind.


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Bild: © sunabesyou - shutterstock.com
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Kommentare

  • Kommentar von Andreas Zimmermann am 09.02.2018 um 16:12 Uhr

    Mich würde schon einmal interessieren, warum statistisch die Stundensätze für 50+ Selbständige niedriger werden. Das ist für mich weder bei " Zeit gegen Geld" noch bei "Erfahrung gegen Geld" nachvollziehbar.

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