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02.02.2018

Stundensatz für Freelancer, Teil 2: So viel bleibt übrig!


In „Stundensatz für Freelancer, Teil 1: So kalkulieren Sie richtig!“ haben wir bereits beschrieben, wie Sie Ihren genauen Stundensatz berechnen können. Eines ist klar geworden: Man muss viel mehr Posten einberechnen, als man sich als Anfänger vorstellen kann: Nebenkosten, Arbeitsmaterial, die Sozialversicherung, „unproduktive Stunden“, Urlaub und Krankheit, Weiterbildungen. Da kommt ganz schön was zusammen. Wer sich unter Wert verkauft, wird es jedoch schnell bereuen, denn mit einem zu geringen Stundensatz muss man viel zu viele Stunden arbeiten, um auf sein Geld zu kommen — das geht nicht lange gut.


 



Auch wenn so manchem das Selbstbewusstsein fehlt, um den Preis zu verlangen, den er berechnet hat: Führen Sie sich immer vor Augen, was Sie können und was Ihre Arbeit wert sein muss — sonst droht Ihnen schnell das Aus. Im zweiten Teil des Artikels geht es darum, was im Vergleich zu ei-nem Festangestellten wirklich von Ihrem berechneten Stundensatz übrig bleibt. Als Vorbereitung lohnt es sich, den ersten Teil zu lesen und Ihren ganz persönlichen Stundensatz zu berechnen. Dann gehören auch Sie im nächsten Jahr zu den Freelancern, deren Einkommen gestiegen ist. Laut Freelancer-Kompass 2017 konnten das nämlich nur 40,2 Prozent der Freelancer von sich behaupten.


1.    Krankenversicherung

Eine große Belastung für viele Freelancer und Selbstständige ist die Bezahlung der Krankenversi-cherung. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Sie können sich freiwillig gesetzlich oder privat versi-chern. Die Beitragshöhe in der gesetzlichen Krankenkasse richtet sich nach Ihrem Einkommen, doch die Krankenkasse geht von einem Mindesteinkommen von 2283,50 € aus. Für die Kranken-versicherung werden 14% des Einkommens fällig, mit Anspruch auf Krankengeld sind es 14,6% plus 2,55% für die Pflegeversicherung. Daraus ergibt sich ein Mindestbeitrag von 391 € + Zusatz-beitrag der jeweiligen Krankenkasse, kinderlos muss man noch einmal ein paar Euro mehr bezahlen. Ein geringerer Beitrag ist in der Regel nur mit Gründerzuschuss oder als Härtefall möglich. Mit einem höheren Einkommen steigt auch der Beitrag, rund 800 € werden fällig wenn man die Bei-tragsbemessungsgrenze von 4425 € erreicht. Liegt man darüber steigt er aber nicht mehr an. Ihren Krankenkassenbeitrag können Sie zum Beispiel hier berechnen.

Die hohen Versicherungsbeiträge bringen viele Freelancer dazu, sich privat zu versichern. Gerade wenn man jung und gesund ist, zahlt man hier deutlich weniger als für die GKV. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass die Beiträge immer weiter steigen. Je älter man wird, desto teurer — für Selbstständige mit nicht ausreichender Altersvorsorge kann das zu einem wirklich großen Problem werden. Ein Wechsel zurück in GKV ist nur sehr schwer möglich. Gerade wenn man Kinder hat, sollte man sich gut über die Versicherungsmöglichkeiten informieren, denn für Kinder werden in der privaten Krankenversicherung extra Beiträge fällig.


2.    Altersvorsorge

Es gibt einige wenige Berufe, die trotz Selbstständigkeit eine Einzahlung in die gesetzliche Renten-versicherung (GRV) verlangen. In der Regel müssen Sie sich jedoch selbst darum kümmern. Eine freiwillige Mitgliedschaft in der GRV ist für viele Freelancer aufgrund ihres oft unregelmäßigen Einkommens nicht unbedingt die beste Wahl, weil die Versicherung die Zahlung eines festen mo-natlichen Beitrags erwartet. Gehört man zu den Selbstständigen, die gesetzlich rentenversichert bleiben müssen, liegt der Beitragssatz bei 20% des Bruttoeinkommens. Diesen Richtwert sollte man sich als Freelancer mit alternativer Altersvorsorge mindestens vornehmen, um nach Eintritt der Rente gut über die Runden zu kommen.


3.    Arbeitslosen- / Unfall- / Lebensversicherung etc.

Die Liste der möglichen Versicherungen, die man zusätzlich abschließen kann, ließe sich endlos weiterführen. Hier muss jeder für sich selbst entscheiden, ob ein Abschluss Sinn macht. Für Freelancer, die sich ihrer Selbstständigkeit anfangs noch nicht hundertprozentig sicher sind, kann eine Arbeitslosenversicherung durchaus Sinn machen. Sollte etwas schief gehen, sind Sie auf der sicheren Seite und sogar dann leistungsberechtigt, wenn sie nur eingeschränkt tätig sind. Weitere Infos gibt es hier. Zusätzlich können auch Zahnzusatzversicherungen, eine Berufshaftpflicht und andere Versicherungen für Sie in Betracht kommen und natürlich Ihren Gewinn schmälern.


4. Steuern

Wenn Sie alle Betriebsausgaben von ihren Einnahmen abgezogen haben, bleibt der Gewinn Ihrer Arbeit übrig — fast. Denn Steuern müssen wohl oder übel auch noch gezahlt werden. Welchem Steuersatz Ihr Gewinn unterliegt, ist jedoch vom Einzelfall abhängig. Hier werden Ihr Familien-stand, die Steuerklasse, Sonderausgaben, weitere Einkünfte und eventuelle Freibeträge, z.B. durch Kinder, einbezogen. Aus all diesen individuellen Faktoren errechnet sich Ihr zu versteuerndes Ein-kommen. Liegt Ihr zu versteuerndes Einkommen als Alleinstehender unter 9.000 €, müssen Sie keine Steuern zahlen. Liegen Sie darüber, gibt es sogenannte Progressionszonen und ab 54.900 € Proportionalzonen, innerhalb derer Ihr Steuersatz bestimmt wird. Der höchste Steuersatz liegt bei 45%, die „Reichensteuer“ wird bei einem zu versteuernden Einkommen ab 260.533 € erhoben.

Sie sehen also: Selbst mit einem Stundensatz von 84,75 Euro bleibt am Ende nicht wirklich viel davon übrig — auch wenn es nach sehr viel Geld klingt. Auf keinen Fall sollten Sie vergessen, die Einkommensteuer jeden Monat auf ein extra Konto zu überweisen, damit Sie sie nicht ausgeben. Eine Steuernachzahlung hat schon so manchen übermütigen Freelancer die Existenz gekostet. Und noch einmal zur Erinnerung: Sie sind nicht die Wohlfahrt, sondern verkaufen Ihr Fachwissen und Ihre Arbeitskraft. Sie sollten sich nie für einen hohen Stundensatz rechtfertigen, sondern dem Kun-den einfach klar machen, was er dafür bekommt. Wenn er jemanden findet, der die gleiche Arbeit für weniger Geld macht: Bitte schön. Ihre Arbeit ist ihr Geld wert — wer Qualität zu einem ver-nünftigen Preis anbietet, hat alles richtig gemacht.
 


Lesen Sie hier Teil 1: So kalkulieren Sie richtig!






Bild: © dessauer - Fotolia.com

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Kommentare

  • Kommentar von Robert am 26.01.2018 um 16:20 Uhr

    Die Berechnung ist völlig falsch. Die Prozentsätze für die Sozialversicherung beziehen sich ja auf die jeweiligen Beitragsbemessungsgrenzen. Korrekt berechnet liegt die Sozialversicherung also für Westdeutschland bei ca. 2200€ pro Monat.

  • Kommentar von Philipp Preischl am 02.02.2018 um 13:34 Uhr

    Hallo Robert,

    vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben den Artikel zwischenzeitlich aktualisiert!

    Mit freundlichen Grüßen,

    Philipp Preischl
    freelancermap.de

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