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11.01.2018

Stundensatz für Freelancer, Teil 1: So kalkulieren Sie richtig!


Über Geld sprechen nur die wenigsten gerne, doch gerade für Freelancer gehört der richtige Stundensatz zur Existenzsicherung. Gerade Neulinge trauen sich oft nicht, einen angemessenen Stundenlohn zu berechnen, was sich auch in unserer aktuellen Umfrage gezeigt hat. Der niedrigste Stundensatz ist der jüngsten Generation vorbehalten. Das Alter sollte jedoch kein Grund sein, zu tief zu stapeln und sich somit das Geschäft zu vermiesen. Wer seinen eigenen Marktwert nicht kennt, wird es kaum schaffen, für schlechte Zeiten vorzusorgen.




Nicht selten stehen Freelancer im Krankheitsfall oder wegen schlechter Auftragslage blitzschnell vor dem Aus. An eine Altersvorsorge oder Urlaub denken viele ebenfalls nicht. Das Totschlag-Argument der Tiefstapler: „Das zahlt doch niemand!“ Wer nicht überzeugt davon ist, dass seine Arbeit das Geld wert ist, sollte jedoch unbedingt an seiner Einstellung arbeiten. Sie haben sich selbstständig gemacht, um überdurchschnittlich zu verdienen und gut leben können - oder? Mit unseren Tipps gelingt Ihnen die richtige Berechnung.


1. Berücksichtigen Sie ALLE Ausgaben

Wer Geld verdienen möchte, muss mehr einnehmen als er ausgibt. Eigentlich völlig logisch, doch einigen Freelancern scheint diese Rechnung nicht immer leicht zu fallen. Mit viel zu niedrigen Stundensätzen stehen sie am Ende des Monats vor roten Zahlen, weil sie bei ihren Berechnungen nicht alle Posten einbezogen haben. Sie haben kein Festgehalt, Sie müssen all Ihre Ausgaben durch Ihren Stundensatz finanziert bekommen. Ihr Büro, Ihre Möbel, Ihre Ausstattung, Ihren Urlaub, Geld für Krankheitstage, ein Auto, Ihre Miete, Ihre Kosten für Lebensmittel, Strom und Heizung usw. Was nützt es Ihnen, wenn Sie mit einem niedrigen Stundensatz Aufträge bekommen, mit denen Sie Ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können?


2. Sie müssen mehr verdienen als ein Angestellter

Hier geht es nicht darum, vor Festangestellten angeben zu können, sondern deren Vorteile auszugleichen. Jeder Festangestellte kann krank werden und ist abgesichert. Er kann in den Urlaub fahren und auf seinem Konto wird trotzdem das Gehalt eingehen. Dieses Geld müssen Sie extra verdienen, kein Auftraggeber wird es Ihnen aus Freundlichkeit überweisen, während Sie in Portugal am Strand liegen. Es ist also völlig normal, dass Sie als Freelancer im Monat deutlich mehr verdienen (müssen) als ein Festangestellter.


3. Vergessen Sie nicht die Sozialversicherung

Zusätzlich zum Bruttogehalt eines Festangestellten bezahlt der Arbeitgeber auch noch die Sozialversicherung. Dazu zählen Renten- und Pflegeversicherung sowie die Krankenkasse. Der Anteil liegt insgesamt bei 19,325 Prozent, der eigentlich noch zum Gehalt eines Angestellten gerechnet werden muss und den Sie zusätzlich verdienen müssen, um einen vergleichbaren Monatslohn zu erzielen. 


4. Berechnen Sie Ihre Arbeitstage

Niemand kann und sollte 365 Tage im Jahr arbeiten. Dennoch ist es vielen Freelancern egal, ob gerade ein Wochenende oder ein Feiertag im Kalender steht, schließlich hat man genau dann endlich mal Zeit, den ganzen Papierkram zu erledigen. Darüber freuen sich aber weder Familie und Freunde noch die ganz persönliche „Work-Life-Balance“. Sind Sie wirklich selbstständig geworden, um nur noch für Ihre Arbeit zu leben? 

Rechnen Sie doch mal, wie viele Arbeitstage ein Monat tatsächlich hat: 365 Tage hat ein Jahr, davon ziehen Sie alle Tage ab, an denen Sie normalerweise nicht arbeiten — also Samstag und Sonntag (104 Tage) sowie Feiertage. Je nach Bundesland und Kalenderjahr sind das 9 bis 16 Tage. Auch Urlaub sollten Sie abziehen, wie viel genau liegt natürlich an Ihnen — wir gehen mal von 30 Tagen aus. Zusätzlich sollten Sie auch ein paar Krankheitstage (ca. 5) berücksichtigen — wenn Sie nicht krank werden, nicht in den Urlaub fahren und Ihre Wochenenden im Büro verbringen, ist das eine freie Entscheidung. Ihren Stundensatz sollten diese Zeiten jedoch nicht beeinträchtigen.

Übrig bleiben ungefähr 213 Tage, also 17,75 Arbeitstage pro Monat. In dieser Zeit sollten Sie das Geld verdienen, das Sie brauchen. Nehmen wir an, Sie bräuchten 5500 Euro im Monat. Das klingt viel, doch darin enthalten sind die bereits erwähnten 19,325 Prozent für die Sozialversicherung, die immerhin gut 880 Euro ausmachen. 5500 Euro : 17,75 Arbeitstage = 309,86 Euro. Sie müssen also an einem Tag 309,86 Euro verdienen, teilen Sie den Betrag durch acht Stunden bleibt ein Stundensatz von 38,73 Euro + 19% Mehrwertsteuer. Das war doch ganz einfach, oder? Nicht ganz, denn jetzt müssen Sie Ihre Zusatzkosten draufschlagen, die einem Angestellten erspart bleiben. 


5. Was geben Sie wirklich aus?

Angestellte spazieren ins Büro, setzen sich an den Computer, es ist gemütlich warm und das Licht ist auch an. Wenn sie eine Weiterbildung machen, füllen sie einfach das Formular aus und steigen in den Zug, der Arbeitgeber zahlt. Sie telefonieren mit Kunden, können sich Büromaterial abholen und die Miete für das Büro ist ebenfalls bezahlt. All diese Kosten müssen Sie als Freelancer selbst tragen. Je nach Ihrer Ausstattung können diese Kosten schnell bei gut tausend Euro im Monat liegen - nehmen wir an Sie geben 1300 Euro aus. 

Für den Stundensatz bedeutet das:
6800 Euro : 17,75 Tage = 383,10 Euro Tagessatz = 47,89 Euro Stundensatz
Das passt jetzt aber, oder? Nein, immer noch nicht. Denn die „unproduktiven“ Zeiten sind hier noch nicht berücksichtigt. Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie faul auf dem Sofa liegen — weiter geht es mit Tipp Nummer 6!


6. Produktive und unproduktive Stunden

Es klingt nach fleißig und faul, aber das täuscht. Produktiv bedeutet lediglich, dass Sie in dieser Zeit direkt für Ihren Auftraggeber arbeiten. Unproduktive Stunden werden für administrative Aufgaben und Vertriebsleistungen genutzt — also für Rechnungen schreiben, Aufträge akquirieren und Weiterbildungen. Um zu vermeiden, dass Sie Feiertage und Wochenenden wie oben erwähnt im Büro verbringen, müssen Sie diese Zeiten ebenfalls von der Arbeitszeit abziehen und auf den Stundensatz schlagen, damit Sie auch in dieser Zeit bezahlt werden.

Gehen wir davon aus, dass ein Drittel Ihrer Arbeitszeit „unproduktiv“ ist, bleiben von den 17,75 Arbeitstagen im Monat noch 11,8 produktive Tage. Für den Stundensatz bedeutet das:
6800 Euro : 11,8 Tage = 576,27 Euro netto pro Tag, also 72 Euro in der Stunde.
Das klingt zwar schon ganz gut, doch haben Sie jetzt schon Gewinn gemacht? Nein…


7. Unternehmer brauchen Gewinn

Um Rücklagen für Investitionen oder schlechtere Zeiten bilden zu können, müssen Sie Gewinne erzielen. Üblicherweise veranschlagt man 15 % Gewinn. Um diesen zu erreichen, müssen Sie auf Ihren Tagessatz noch 15 % schlagen, ihn also durch 0,85 teilen:
6800 Euro : 11,8 Arbeitstage  : 0,85 = 677,97 Euro Tagessatz und 84,75 Euro in der Stunde.

Natürlich muss zusätzlich noch die Mehrwertsteuer mit 19 % berücksichtigt werden, die ans Finanzamt weitergeleitet werden.

Sie sehen, dass ein Stundensatz, der auf den ersten Blick relativ hoch erscheint, durchaus seine Daseinsberechtigung hat. Als Freelancer muss man Kosten stemmen, die Festangestellten nicht in den Sinn kommen, weil sie für sie eben bereits gezahlt wurden. Überlegen Sie für Ihre Kalkulation ganz genau, welche Ausgaben gedeckt werden müssen und was Sie brauchen, dann kann eigentlich nichts schief gehen.

In Teil 2 des Artikels sehen wir uns an, was genau von Ihrem Geld übrig bleibt.






Bild: © dessauer - Fotolia.com
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