Vertrag als Freiberufler kündigen – was ist zu beachten?

23.08.2018

Wer seinen Vertrag als Freiberufler kündigen und dem Vertragspartner Lebewohl sagen will, muss einige Aspekte beachten. Worauf es bei der Vertragskündigung als Freelancer ankommt, lesen Sie hier.




Zahlreiche Unternehmen in Deutschland arbeiten mit Freiberuflern zusammen. Sie als Freelancer haben einen größeren Freiraum als normale Mitarbeiter und müssen lediglich die vereinbarte Leistung vollbringen. Möchten Sie das aus diversen Gründen nicht mehr tun, können Sie als Freiberufler den Vertrag kündigen. Vorher sollten Sie aber wissen, welche Pflichten Sie und Ihr Arbeitgeber haben, um diese nicht zu verletzen und vertragsbrüchig zu werden.

 


Freiberufler-Vertrag: Was steht drin?
 

Wer als Freiberufler für ein Unternehmen arbeitet, schließt im Regelfall einen Dienstleistungs- oder Werkvertrag ab. Darin werden Rahmenbedingungen vereinbart, die als Basis für die Partnerschaft dienen, unter anderem: Nutzungsrechte für erbrachte Leistungen, Urlaub, Entlohnung sowie Details zur Kündigung.

 

Der letzte Punkt ist für Sie entscheidend. Welche Voraussetzungen für eine Kündigung gelten laut dem Vertrag? Lesen Sie den Vertrag und gehen Sie sicher, dass die Bedingungen erfüllt werden.

 


Die ordentliche Kündigung
 

In den meisten Fällen schließen Freiberufler einen Dienstvertrag ab, der eine befristete Laufzeit hat. Eine ordentliche Kündigung ist nur dann möglich, wenn dafür eine Vereinbarung getroffen wurde. Ob eine Kündigung möglich ist, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Wichtig ist deshalb, bereits beim Vertrag Kündigungsmöglichkeiten zu regeln, damit keine der beiden Parteien einen Nachteil hat.

 

Weiterhin besteht die Möglichkeit, ein unbefristetes Dienstverhältnis jederzeit ordentlich zu kündigen (§§ 620 Abs. 2, 621 BGB). In diesem Fall finden Sie in § 621 GBG und § 624 GBG die dazugehörigen Kündigungsfristen, die von der Vergütung abhängen. Ist die Vergütung beispielsweise nach Tagen bemessen, kann übermorgen gekündigt werden.

 


Die außerordentliche Kündigung
 

Sollte im Vertrag keine Kündigungsoption genannt sein, ist nur die außerordentliche Kündigung gemäß § 626 BGB möglich. Es muss aber ein wichtiger Grund vorliegen, zum Beispiel Zahlungsrückstände auf Seiten des Auftraggebers.


Beispiele zu Kündigungsgründen

Zur weiteren Erläuterung von wichtigen Kündigungsgründen gehen wir hier auf ein paar Beispiele ein.

Ein Vertrag kann aufgrund von Zahlungsrückständen vorzeitig beendet werden. Es muss sich hier um eine erhebliche Summe handeln, das heißt eine Summe, die mindestens eine Monatsrate übersteigt. Es sollte vor der Kündigung allerdings eine schriftliche Abmahnung erfolgen, in der eine Zahlungsfrist gesetzt wird. Erst nachdem dieser Frist nicht nachgekommen wurde, kann eine Kündigung erfolgen.

Ein wichtiger Punkt ist der Verstoß gegen eine vertraglich festgehaltene Vereinbarung. Dies kann jegliche Klausel in Ihrem Vertrag betreffen, wie zum Beispiel eine Geheimhaltungsvereinbarung. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie den Vertrag vor Abschluss genau prüfen, um sicher zu gehen, dass alle Vertragsbestandteile korrekt erfüllt werden können und keine Unklarheiten bestehen. Auch wenn im Vertrag falsche Angaben gemacht wurden, kann dies nämlich ein Kündigungsgrund sein.

Eine Straftat gilt ebenfalls als Kündigungsgrund. Hier muss nur der Tatverdacht, nicht die Tat an sich, bewiesen werden.

Sollte die vertraglich festgelegte Zusammenarbeit von einer der beiden Seiten nicht, nur sehr schlecht, falsch oder grob fahrlässig ausgeführt werden, so sollte zuerst, wie auch bei Zahlungsrückständen, eine schriftliche Abmahnung erfolgen. Kommt der Abgemahnte der Forderung bzw. Verbesserung nicht nach, dann kann dies ein wichtiger Kündigungsgrund sein. 

 

Ein Insolvenzantrag ist übrigens nicht automatisch Grund für eine Kündigung, wie ein Rechtsanwalt in einem Interview mit COMPUTERWOCHE erklärt. Es muss in jedem Einzelfall geprüft werden, welche Zusammenhänge es gibt und ob Zahlungsverzüge entstanden sind. Im Falle einer Insolvenz sollten Freiberufler ihre Kündigung vorsichtshalber an die Firma sowie den Insolvenzverwalter senden.


Eine Kündigung korrekt formulieren
 

Freiberufler können einen Vertrag nur dann kündigen, wenn sie das Kündigungsschreiben richtig formulieren und kein Türchen offen lassen.

 

Generell besteht jedes Kündigungsschreiben aus 9 Elementen (von oben nach unten):

 

  1. Name, Anschrift Arbeitnehmer

  2. Name, Anschrift Arbeitgeber

  3. Kündigungsdatum

  4. Betreffzeile

  5. Anrede Arbeitgeber

  6. Formulierung der Kündigung

  7. Bitte um Kenntnisnahme

  8. höfliche Verabschiedung

  9. Unterschrift Arbeitnehmer

 

Die Betreffzeile sollte unbedingt den Titel Kündigung enthalten, damit es keinen Zweifel über den Sinn dieses Schreibens gibt. Für die Kündigung selbst können Sie z.B. folgende Formulierung verwenden:

 

Sehr geehrte/r Frau/Herr XY,

 

hiermit kündige ich das mit der Firma XY bestehende Arbeitsverhältnis vom XX.XX.XXXX ordentlich und fristgerecht zum XX.XX.XXXX.

 

Bitte bestätigen Sie den Erhalt dieser Kündigung schriftlich.

 

Ich bedanke mich für die Zusammenarbeit und Erfahrung und bitte Sie, ein qualifiziertes Arbeitszeugnis auszustellen.

 

Mit freundlichen Grüßen,
XY

 


Fazit: Jede Kündigung ist ein Einzelfall
 

Die Kündigung eines Vertrages als Freelancer bringt viele Herausforderungen mit sich, da jeder Fall verschieden ist. Lesen Sie unbedingt die Vertragsdetails und lassen Sie sich im Zweifel von einem Experten beraten.






Bild: © schockfactor - pixabay.com

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