Wenn Diskretion alles ist: Geheimhaltungsvereinbarungen bei Consulting-Aufträgen

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Stellen Sie sich vor, ein Consultant wird zur Lösung eines Problems in ein Unternehmen beordert und plaudert genau diese Probleme nach Beendigung der Zusammenarbeit fröhlich aus – wohl nicht gerade ein Umstand, über den sich die Unternehmensleitung freuen würde. Genau aus diesem Grund gibt es sogenannte Geheimhaltungsvereinbarungen, die dafür sorgen, dass unangenehme Wahrheiten und sensible Daten auch geheim bleiben.

Warum das Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ nicht nur während, sondern auch nach einem Auftrag gilt und wie sich Berater vor den Folgen eines Verstoßes gegen eine Geheimhaltungsvereinbarung schützen können, erklärt exali.de-Gründer Ralph Günther anhand eines Urteils des OLG Frankfurt am Main.

Headhunter ermutigt abgelehnte Bewerberin zu Schadenersatzklage

Genau wie für Ärzte und Priester hat auch für Consultants Diskretion oberste Priorität. Denn indiskretes Verhalten wirkt sich nicht nur auf das Image des Beraters und das in ihn gesetzte Vertrauen aus, sondern kann auch den Auftraggeber in die Bredouille bringen. Warum das auch für die Zeit nach der Zusammenarbeit zwischen den beiden Parteien gilt, zeigt ein Fall, mit dem sich die Richter am Oberlandesgericht Frankfurt am Main (Az.16 U 175/13) im vergangenen Jahr beschäftigten. 

Ein Maschinenbauunternehmen beauftragte einen Headhunter mit der Suche nach einer passenden Besetzung für die Stelle des strategischen Einkäufers. Eine vom Personalberater als geeignet eingestufte Kandidatin, lehnte die Unternehmensführung ihm gegenüber ab, da die Stelle nicht mit einer Frau besetzt werden solle. So erhielt die Bewerberin eine Absage.
Nachdem die Zusammenarbeit der beiden Vertragsparteien beendet war, wurde die abgelehnte Bewerberin vom Consultant kontaktiert. Er verriet ihr den wahren Grund für ihre Absage und ermutigte sie, einen Rechtsanwalt aufzusuchen und den Maschinenbauer wegen Verstoßes gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) auf Schadenersatz zu verklagen – was sie dann auch erfolgreich tat.

Fehlende Diskretion: Personalberater muss zahlen

8.500 Euro erhielt die Bewerberin aus einem Vergleich, in dem das Verfahren endete – eine ärgerliche Angelegenheit für das Maschinenbauunternehmen. Doch auch für den Headhunter endete die Geschichte ärgerlich, denn er wurde von seinem ehemaligen Auftraggeber wegen Verstoßes gegen die Geheimhaltungsvereinbarung auf Erstattung der Entschädigungsleistungen in Höhe von rund 11.500 Euro verklagt. Die Informationen zur Begründung der Ablehnung der Bewerberin hätte der Personalberater aufgrund vertraglicher Regelungen für sich behalten müssen – das oberste Gebot der Diskretion hatte er hier zu 100 Prozent missachtet.

Die Klage wurde in erster Instanz zwar abgewiesen, doch das Maschinenbauunternehmen ließ nicht locker und bekam vor dem Oberlandesgericht schließlich zumindest teilweise Recht. Auch wenn sein Auftraggeber einen Rechtsverstoß beging, indem er das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz missachtete, sei der Personalberater an seine vertraglichen Pflichten gebunden. Ein besonders pikantes Detail in dem Fall: Der Headhunter hatte offensiv mit seiner Diskretion geworben.
Dennoch hatte er noch einmal Glück im Unglück: Er wurde „nur“ zur Zahlung eines Drittels der Gesamtkosten verurteilt, da die Richter dem Unternehmen aufgrund des rechtsverletzenden Verhaltens eine erhebliche Mitschuld zuschrieben.

Geheimhaltung, Schäden und Haftung: Versicherungsschutz für Consultants

Eines wird bei Betrachtung des Falls ganz deutlich: Das Ende der Zusammenarbeit mit einem Kunden bedeutet für Consultants noch lange kein Ende der mit dem Auftrag verbundenen Schweigepflicht. Das gilt auch dann, wenn es der Consultant gut meint und ein Fehlverhalten seines Auftraggebers „ausbügeln“ möchte.

Doch der Verstoß gegen eine Vertraulichkeits- oder Geheimhaltungsvereinbarung muss gar nicht immer so offensiv ausfallen. Auch kleinere Unachtsamkeiten, ein falscher E-Mail Adressat oder eine versehentliche Anmerkung können bereits ausreichen, um den Stein ins Rollen zu bringen – und dem Consultant mächtig Ärger zu bescheren. Denn der Verstoß gegen Geheimhaltungsvereinbarungen ist sehr oft mit einer Vertragsstrafe verbunden – und die kann richtig saftig ausfallen.

Deshalb ist es für die Berufsgruppe der Berater sinnvoll, eine branchenspezifische Berufshaftpflicht abzuschließen, die ihnen maßgeschneiderten Schutz bei Verstößen und Fehlern während ihrer Beratertätigkeit bietet. Verstöße gegen Geheimhaltungsvereinbarungen sind dabei längst nicht alles; auch Leistungsverzögerungen, Fragen der vertraglichen Haftung, Schäden durch die Verletzung von Schutz- und Urheberrechten und viele Risiken mehr sorgen in der Praxis immer wieder für Unmut.

Eine Berufshaftpflicht mit offener Deckung (z.B. die Consulting-Haftpflicht über exali.de) ist deshalb die beste Wahl für Freiberufler im Consulting-Bereich. Sie sichert alle Tätigkeiten als Unternehmensberater, Personalberater – und mit der entsprechenden Leistungserweiterung auch als Interim Manager – ab und hält dem Consultant im Ernstfall den Rücken frei.  

Über den Autor

Ralph Guenther

Ralph Günther von exali.de gilt als ausgewiesener Experte, wenn es um Risikomanagement und spezifische Haftpflichtversicherungen für Freelancer, Dienstleister und mittelständische Unternehmen der IT-, eCommerce-, Medien- und Consulting-Branche geht. Als einer der Vorreiter im Online-Versicherungsbusiness hat er aktiv an der Verbesserung des Versicherungsschutzes für Selbständige und Freiberufler mitgewirkt und neue Leistungserweiterungen am Markt eingeführt. Sein Wissen gibt er regelmäßig als Autor in relevanten Fachmedien an seine Zielgruppe weiter.

Von Ralph Guenther

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