Vermögensschaden: Wenn Ihre Fehler für den Kunden teuer werden

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Wenn Freelancern im Job ein Fehler unterläuft, der für den Auftraggeber bzw. Kunden teuer wird, handelt es sich um einen Vermögensschaden. Ein solcher liegt immer dann vor, wenn durch schuldhaftes Verhalten des Dienstleisters einem anderen ein finanzieller Schaden entsteht.

Hier ein Beispiel aus der Praxis:

Ein erfahrener IT-Experte programmierte für einen großen deutschen Sportverband eine Individualsoftware zur Erstellung der Mitgliedsausweise der einzelnen Verbandsvereine. Mit einem speziell aufgedruckten Logo sollten die Ausweise mit entsprechenden Spielberechtigungen versehen werden. Die Software verwaltete die Kennzeichnung mit den entsprechenden Logos.


Die Produktion der Ausweise verlief zuerst reibungslos, einige Monate später hagelte es aber plötzlich Beschwerden, weil Berechtigungen auf den Ausweisen falsch vermerkt waren. Die Analyse ergab: Der Fehler lag in einem Datumsfeld der vom IT-Dienstleister entwickelten Kennzeichnungsroutine. Der IT-Experte reagierte unverzüglich, behob den Fehler und half bei der Recherche der falsch erstellten Ausweise. Summa summarum waren es ca. 30.000 Ausweise, die falsch produziert und herausgegeben worden waren.

Kunde fordert 23.000 Euro Schadenersatz

Die Produktion der neuen Ausweise und ihr Versand kosteten den Sportverband 23.000 Euro. Dieser holte sich den Betrag von seinem IT-Dienstleister wieder und forderte von ihm Schadenersatz in gleicher Höhe. Für derartige Fälle hatte der IT-Freelancer eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung (konkret eine IT-Haftpflichtversicherung) abgeschlossen, so dass sein Versicherer den entstandenen Schaden an den Verband zahlte.

Hätte der IT-Experte seine beruflichen Risiken nur über eine Büro- oder Betriebshaftpflichtversicherung abgesichert, wäre er auf den 23.000 Euro sitzen geblieben. Denn bei den Mehrkosten für die Nachproduktion der Ausweise handelt es sich um einen „finanziellen Schaden“, sprich Vermögensschaden, und nicht um einen über die Betriebshaftpflicht versicherten Sachschaden.

Viele Freiberufler und Selbstständige sind sich nicht darüber im Klaren, dass eine herkömmliche Betriebshaftpflicht nur vor Sach- und Personenschäden schützt, nicht aber vor den so genannten echten bzw. reinen Vermögensschäden.
Gerade diese bergen aber für selbstständig Tätige in IT- und Medienberufen ein hohes Potential für Schadenersatzansprüche.

Echter vs. unechter Vermögensschaden

Versicherungstechnisch wird unterschieden zwischen „echten/reinen“ Vermögensschäden und Sach- bzw. Personen-Folgeschäden als „unechte“ Vermögensschäden.
Von einem echten bzw. reinen Vermögensschaden spricht man, wenn weder ein Personen- noch Sachschaden vorliegt noch sich ein Schaden daraus herleitet.

Beispiel echter Vermögensschaden

Durch das versehentliche Löschen der Datenbank eines Call-Centers sind die Mitarbeiter nicht in der Lage, ihrer Arbeit nachzugehen. Der Aufwand für die Wiederbeschaffung der Informationen wie auch der Nutzungsausfall bis zur Rekonstruktion der Datenbank verursacht erhebliche Kosten.

Als unechten Vermögensschaden bezeichnet man „finanzielle Nachteile“, die sich aus Personen- und Sachschäden ergeben.

Beispiel unechter Vermögensschaden

Bei Wartungsarbeiten an einem Server wird eine Hardwarekomponente beschädigt. Die Mitarbeiter der betroffenen Steuerkanzlei können an ihren Arbeitsplätzen bis zum Austausch des Bauteils keine Vorgänge bearbeiten. Durch diesen Arbeitsausfall entsteht der Steuerkanzlei ein Vermögensschaden (in diesem Fall als Folge des vorausgegangenen Sachschadens).

Freiberufler, die ihre beruflichen Risiken umfassend versichern möchten, sollten deshalb eine Berufshaftpflichtversicherung wählen, die eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung mit einer Büro- und Betriebshaftpflichtversicherung kombiniert (idealer Weise in einem durchgeschriebenen Bedingungswerk).

Versicherungsbedingungen einer Haftpflicht für Vermögensschaden

Bei der Auswahl einer Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung ist auf folgende Punkte besonders zu achten:

  • Die Versicherungssumme (auch Deckungssumme genannt) des Vertrags sollte für Vermögensschäden mindestens 250.000 Euro pro Schadenfall betragen (im IT Bereich mindestens 500.000 Euro)
  • Die Versicherungsbedingungen der Vermögensschaden-Haftpflicht sollten dem „All-Risk-Prinzip“ folgen und alle typischen Haftungsrisiken von Freiberuflern und Selbstständigen decken. Dabei werden die versicherten Gefahren in den Versicherungsbedingungen nicht abschließend aufgelistet. Versichert ist demnach alles, was nicht explizit ausgeschlossen wurde
  • Ebenso offen sollte die Definition der versicherten Tätigkeiten und Dienstleistungen gehalten sein. Bei der Beschreibung als „offenen Deckung“ in den Versicherungsbedingungen oder in der Police sind alle Tätigkeiten z.B. eines IT-Experten, eines Grafikers oder eines Unternehmensberaters durch Vermeidung einer abschließenden Aufzählung versichert.
  • Wichtig ist auch, dass Rechtsverletzungen Dritter wie Urheberrechtsverletzungen, Lizenz-, Marken-, Namens-, Persönlichkeits-, Wettbewerbs- und Datenschutzrechtsverletzungen eingeschlossen sind. Der Versicherungsschutz sollte auch dann gelten, wenn der Versicherte grob fahrlässig handelt.
  • Wichtig ist vor allem für IT-Experten, dass die Versicherungsbedingungen keine „Rückzugsmöglichkeiten“ wie die so genannte Experimentier– und Erprobungsklausel oder die „Stand der Technik Klausel“ enthalten, damit der Versicherer die Leistung nicht aufgrund unzureichender bzw. nicht angemessener (Programm)Tests verweigern kann.
  • Der Versicherungsschutz sollte neben der gesetzlichen Haftung auch bestimmte Ansprüche im Bereich der vertraglichen Haftung übernehmen wie z.B. Schadenersatz aufgrund der Nichterfüllung oder Schlechterfüllung einer vertraglichen Leistungspflicht
  • Ein Schadenersatz durch Überschreitung von Deadlines und sonstige Leistungsverzögerungen sollte in jedem Fall mitversichert sein.
  • Der räumliche Geltungsbereich der Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung sollte insbesondere bei Webworkern mindestens für Europa und die Schweiz gelten. Je nach Tätigkeitsschwerpunkt sollte der Versicherer auch einen weltweiten Versicherungsschutz anbieten.

Über den Autor

Ralph Guenther

Ralph Günther von exali.de gilt als ausgewiesener Experte, wenn es um Risikomanagement und spezifische Haftpflichtversicherungen für Freelancer, Dienstleister und mittelständische Unternehmen der IT-, eCommerce-, Medien- und Consulting-Branche geht. Als einer der Vorreiter im Online-Versicherungsbusiness hat er aktiv an der Verbesserung des Versicherungsschutzes für Selbständige und Freiberufler mitgewirkt und neue Leistungserweiterungen am Markt eingeführt. Sein Wissen gibt er regelmäßig als Autor in relevanten Fachmedien an seine Zielgruppe weiter.

Von Ralph Guenther

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