Erst McKinsey, dann die Freiheit: Neue Möglichkeiten für Unternehmensberater

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Wlan, Laptop, Handy – das goldene Dreieck des remote working hat die Arbeitswirklichkeit vieler Branchen verändert. Mit Kollegen im Ausland in virtuellen Teams zusammenarbeiten, ohne am selben Ort zu sein, Homeoffice, wenn nötig, Reisen und dabei arbeiten – all das ist heute möglich. Auch freiberufliches Arbeiten wird so als Option für viele Menschen immer interessanter – auch für Unternehmensberater.

Statista und BDU – Zahlen legen nahe, dass gegenwärtig bereits 25.000 bis 40.000 freiberufliche Berater in Deutschland tätig sind. Das ist immerhin gut ein Drittel aller Berater und damit ein großer Markt mit viel Potenzial, der stärker ins Blickfeld rücken sollte. Werden es mehr? Laut Consulting Monitor von Odgers Berndtson können sich über 60 Prozent der festangestellten Seniorberater einen Wechsel in die Freiberuflichkeit in der nahen Zukunft gut vorstellen – eine Zahl, größer als noch im Vorjahr. Auch sichtbar: Die Zahl der Serviceangebote für diese Freelancer ist gewachsen.

Warum Freiberufler werden?
Welche Motive stehen hinter dem Schritt in die Freiberuflichkeit und welche Vorteile verspricht er?Unsere Erfahrungen aus über 700 Gesprächen mit freiberuflichen Beratern sind eindeutig: In fast jedem dieser Gespräche wurde der Wunsch nach mehr Flexibilität geäußert. Die Berater wollen über das wann, wo, für wieviel  und mit wem ihrer Arbeit einfach selbst entscheiden. Sie wollen das Arbeitspensum und ihre Reisetätigkeit besser kontrollieren und ihre Klienten selbstbestimmt auswählen können. Die Gründe hierfür sind sehr vielfältig. Beraterinnen mit Kindern beispielsweise wollen mehr Zeit für die Familie haben. Sie wählen Projekte aus, die sie größtenteils in ihrer Stadt erledigen können oder legen fest, dass sie nur noch wenige Tage pro Woche unterwegs sein möchten. Berater, die selbst ein Startup gegründet haben, haben so ausreichend Freiraum, die schwierige Startphase finanziell zu überbrücken. Berater mit Fernweh teilen ihr Jahr klar auf in emsige Arbeitsmonate und Reisemonate, in denen sie durch die Welt tingeln, in Australien surfen oder in Indien meditieren. Professoren haben in den Gesprächen erzählt, dass sie Zeit für die akademische Lehre brauchen. Wir haben sogar Berater gesprochen, die in der Lage sein wollen, Klienten nach ihren ganz persönlichen moralischen Grundsätzen auszuwählen. Das ist eine Freiheit, die sie in Festanstellung kaum hätten, die Freiheit zu einem Projekt auch mal Nein sagen zu können.  Was ebenfalls häufig als Motiv genannt wurde, war der klare Wunsch, Berater sein zu wollen. Das hört sich erstmal seltsam an, trifft aber auf die Berater zu, die aus großen Beratungshäusern kommen. Mit jeder weiteren Stufe des Up or Out hätten sie weniger beratend gearbeitet, aber immer mehr auf Vertriebsseite. Es gibt Berater, die finanziell komplett ausgesorgt haben durch ein Erbe, Heirat oder Arbeit und einfach nur leidenschaftlich gern beraten. Freiberufliche Beratung bedeutet also Flexibilität. Bessere Bezahlung ist ein weiterer Vorteil, gute Köpfe verdienen deutlich mehr, wenn sie auf eigene Rechnung arbeiten als in Festanstellung.

Gibt es Nachteile?
Die Nachteile sind ebenfalls offensichtlich: Man ist auf sich allein gestellt. Feedback und Teamwork fehlt. Projektakquise liegt auf den eigenen Schultern, ohne gezielten Vertrieb bleiben Aufträge aus. Die Projektakquise
gestaltet sich schwierig, weil viele Entscheider keinen rechten Zugang zum Markt der Freelancer sehen und Zweifel bezüglich der Qualität der Beratungsleistung hegen. Nur 3 Prozent der Entscheider im Mittelstand engagieren regelmäßig freiberufliche Berater für ihre Projekte – aus eben diesen Gründen, wie eine Untersuchung unter 500 Mittelständlern ergab. Dabei gibt es auf Projektseite nur wenige Fälle, in denen Freelancer per se die falsche Wahl für den Klienten wären. Dann, wenn proprietäre Daten wie z.B. Benchmarks gebraucht werden oder ein großes, internationales Team antreten muss. Wenn die Ergebnisse des Projekts publiziert werden sollen, geht das nur mit einem branchenweit bekannten Beratungshaus im Rücken. Alle anderen Projektfälle eignen sich grundsätzlich für Freelancer.

Wie können Online-Vermittler helfen?
Die On-Demand-Economy kann die Schwierigkeiten der Freelancer und die Bedenken der Klienten aus dem Weg räumen. Digitale Plattformen und Marktplätze sind zentrale Anlaufpunkte, dieExpertise und Honorarvorstellungen des Beraters mit den Anforderungen und Budgetgrenzen des Klienten zusammenbringen.
Fungiert die Plattform darüber hinaus auch als Qualitätsgarant, ist sie für beide Seiten besonders interessant. Denn der Pool der Freelancer auf dem Markt ist groß, aber auch geprägt von unglaublichem Qualitätsgefälle. Vermittelnde Dienstleister können vorab prüfen: Wieviele Jahre hat der Berater in einer namhaften Beratung gearbeitet? Kann er einschlägige Berufs- und Projekterfahrung vorweisen? Welche Sprachen spricht er, welche Software beherrscht er? Wie steht es um seine Soft Skills? Sie geben dem Klienten außerdem die Möglichkeit, die erhaltene Beratungsleistung nach Projektende selbst zu bewerten. Die Berater können sich so eine richtige Marke aufbauen und sich langfristig von der breiten Masse absetzen. Es entsteht Transparenz, die den guten der 40.000 freiberuflichen Berater nützt und die die Unternehmen dringend brauchen. Im wachsenden Markt der freiberuflichen Unternehmensberater wird das wichtiger denn je.

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