Berufshaftpflicht vs. Rechtsschutzversicherung: Wo der Unterschied liegt und was abgesichert ist

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Was macht eigentlich eine Berufshaftpflichtversicherung, wenn ich einen Schaden verursache? Klar, sie bezahlt den Schadenersatz an den Geschädigten! Das ist natürlich richtig, aber noch lange nicht alles. Denn, was viele nicht wissen, ein wichtiger Bestandteil einer Berufshaftpflicht ist der sogenannte passive Rechtsschutz. Warum dieser so wichtig ist und warum eine klassische Rechtsschutzversicherung eine Berufshaftpflicht nicht ersetzen kann, erklärt Versicherungsexperte Ralph Günther, Gründer und Geschäftsführer des Versicherungsportals exali.de.

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Eine Firmen-Rechtsschutzversicherung schließt häufige Fälle aus

Leider geht es im Business und auch im Freelancer-Leben nicht immer friedlich zu, auch wenn sich das natürlich jeder wünscht. Aber ob es Vertragsstreitigkeiten mit Kunden, ein Verstoß gegen die DSGVO oder eine Abmahnung wegen einer Urheberrechtsverletzung sind: Gründe für Streitigkeiten, die beim Anwalt oder sogar vor Gericht landen, gibt es viele. Und ein Rechtsstreit wird schnell teuer: Anwalts- und Gerichtskosten, Kosten für Sachverständige und Gutachter sowie eventuell eine Schadenersatzzahlung, wenn Sie den Rechtsstreit verlieren.

Diese Kosten übernimmt doch meine Rechtsschutzversicherung, denken viele in solchen Fällen. Denn diese ist schließlich dafür da, die Kosten eines Rechtsstreits zu bezahlen. Genau das ist jedoch ein Irrtum, der teuer werden kann. Denn eine Rechtsschutzversicherung für Selbständige (Firmen-Rechtsschutzversicherung) schließt in der Regel genau die Fälle aus, die Freelancer am häufigsten treffen, nämlich:

  • Rechtsverletzungen, die andere Ihnen vorwerfen (z.B. DSGVO-Verstöße, Urheber-, Marken- oder Wettbewerbs-Rechtsverletzungen)
  • Vertragsstreitigkeiten mit Auftraggebern
  • die Abwehr von unberechtigten beruflichen Schadenersatzansprüchen und
  • die Zahlung von berechtigten Schadenersatzforderungen

Berufshaftpflicht und Rechtsschutz können sich ergänzen

Bei diesem Problem kommt nun ein wichtiger Bestandteil einer Berufshaftpflichtversicherung ins Spiel: der passive Rechtsschutz. Denn im Rahmen des passiven Rechtsschutzes übernimmt die Versicherung im Schadenfall nicht nur den Schadenersatz, sondern auch die notwendigen gerichtlichen und außergerichtlichen Kosten, um diesen abzuwehren. Dazu gehören beispielsweise Anwalts-, Gerichts-, Sachverständigen- und Gutachterkosten. Zusätzlich trägt die Berufshaftpflicht im Gegensatz zu einer herkömmlichen (Firmen-)Rechtsschutzversicherung auch bei Rechtsverletzungen, Schadenersatzforderungen und deren Abwehr sowie bei einer Schlechtleistung die Kosten.

Ein Firmenrechtsschutz kann für Freelancer jedoch eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Sie springt beispielsweise bei Streitigkeiten mit dem Finanzamt ein, wenn Betriebskosten nicht anerkannt werden, übernimmt Leistungen bei arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern, bietet Schutz rund um den Gebrauch des Firmenfahrzeuges sowie für Mieter oder Eigentümer einer Gewerbeimmobilie. Sie ist im Gegensatz zum passiven Rechtsschutz einer Berufshaftpflicht auch „aktiv“ ausgerichtet, das heißt sie übernimmt auch die Kosten, wenn Sie selbst gerichtlich gegen jemanden vorgehen.

Beispiel aus der Praxis: IT-Freelancer soll für Verschulden des Vorgängers haften

Ein Fall, der einem Versicherten von exali.de genau so passiert ist, zeigt, wann der passive Rechtsschutz einer Berufshaftpflicht greift: Ein IT-Freelancer wurde von einer französischen Geschäftsbank beauftragt, das IT-System zu pflegen, über das unter anderem das regelmäßige Reporting an die Bankenaufsichtsbehörde erfolgte. Diese Aufgabe übernahm er von einem anderen ITler. Bei der Übergabe mit seinem Vorgänger erhielt der IT-Freelancer keinerlei Informationen darüber, dass irgendetwas in der Vergangenheit nicht geklappt hatte. Jedoch stellte er bald fest, dass bestimmte Werte bereits seit Längerem fehlerhaft oder nicht vollständig übermittelt wurden. Dies teilte er mehrmals sowohl mündlich als auch schriftlich der Geschäftsleitung der Bank mit und schlug eine Lösung vor, um den Fehler zu beheben. Die Geschäftsleitung unternahm jedoch nichts. Bald darauf erhielt die Bank eine Strafe in Höhe von 25.000 Euro auferlegt, weil sie bestimmte Regulationsbestimmungen nicht eingehalten hatte. Die Bank versuchte daraufhin, dem IT-Freelancer die Schuld in die Schuhe zu schieben und forderte diese Summe als Schadenersatz von ihm zurück.

Doch da hatte sie die Rechnung ohne die Berufshaftpflichtversicherung des ITlers gemacht, der er die Angelegenheit sofort meldete. Sie prüfte im Rahmen des passiven Rechtsschutzes die Unterlagen und beauftragte einen Gutachter, um zu ermitteln, ob der IT-Freelancer eine (Mit-)Schuld an dem Übertragungsfehler trägt oder doch sein Vorgänger für den Schlamassel verantwortlich ist. Der Gutachter stellte fest, dass der exali.de-Versicherte nicht verantwortlich gemacht werden konnte. Daraufhin beauftragte der Versicherer einen Rechtsanwalt, mit dessen Hilfe der Schaden komplett abgewehrt werden konnte.

Berufshaftpflicht und Rechtsschutz im Vergleich

Hier noch einmal der Unterschied zwischen Berufshaftpflicht und (Firmen-)Rechtsschutz im Überblick:

Für Freelancer gilt daher: Eine Rechtsschutzversicherung kann eine Berufshaftpflichtversicherung nicht ersetzen, sondern lediglich in bestimmten Fällen ergänzen.

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Über den Autor

Ralph Guenther

Ralph Günther von exali.de gilt als ausgewiesener Experte, wenn es um Risikomanagement und spezifische Haftpflichtversicherungen für Freelancer, Dienstleister und mittelständische Unternehmen der IT-, eCommerce-, Medien- und Consulting-Branche geht. Als einer der Vorreiter im Online-Versicherungsbusiness hat er aktiv an der Verbesserung des Versicherungsschutzes für Selbständige und Freiberufler mitgewirkt und neue Leistungserweiterungen am Markt eingeführt. Sein Wissen gibt er regelmäßig als Autor in relevanten Fachmedien an seine Zielgruppe weiter.

Von Ralph Guenther

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