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15.08.2014

Ist das Internet zu voll?


Am vergangenen Dienstag standen viele Internetnutzer vor dem gleichen Problem: Die Verbindung war extrem langsam. Was war da los?

Am 12. August 2014 hatten weltweit Internetnutzer Ärger mit ihren Verbindungen. Unnatürlich langsame Geschwindigkeiten strapazierten die Nerven, teilweise waren einige Webseiten nicht zu erreichen. In Deutschland waren die Nutzer zwischen 10 und 12 Uhr betroffen, vornehmlich über Telekom-Anschlüsse. Nach einer Analyse kam jetzt heraus: Das eigene Wachstum und veraltete Hardware bereiten dem Netz Probleme.

Schnell wurde der Grund für die lahmen Geschwindigkeiten gefunden: Die Backbone-Router, die den Ternary Content-Addressable Memory (TCAM) als Speicher für das „Adressverzeichnis“ nutzen, haben eine grundsätzliche Schwachstelle in der Speicherverwaltung. Mit den Informationen aus dem Verzeichnis werden die Datenpakete an die richtige Stelle geleitet.

Das Problem: Der Speicherplatz ist nicht unbegrenzt verfügbar, sondern bei vielen Geräten auf 512.000 Einträge limitiert. Weil das Internet immer weiter wächst, reicht der Speicherplatz schlicht nicht mehr aus. Tabelleneinträge, die über die maximale Anzahl hinausgingen, wurden einfach gelöscht. Somit hatten die betroffenen Router nicht mehr die nötigen Informationen zur Verfügung, um die Datenpakete an die richtige Stelle zu liefern.

Problematisch ist vor allem, dass trotz des neuen Internet-Standards IPv6, der vor zwei Jahren eingeführt wurde, noch immer viele Ipv4-Netze genutzt werden. Hinter allen Netzen befinden sich Subnetze, die unnötig viele Tabelleneinträge verursachen und somit die Geschwindigkeit heruntersetzen.

Betroffen waren viele Cisco-Router, doch die Techniker reagierten schnell und haben das Problem bei ihren Catalyst-6500-Routern gelöst. Die vorgegebene Obergrenze für den Speicherplatz für TCAM haben sie einfach von 512.000 auf eine Million Einträge erweitert.

Laut BGPmon steuern allerdings weltweit die Routing-Tabellen auf ihre Höchstgrenze von 500.000 Einträgen zu. Der 12. August, an dem es in den USA, den Niederlanden, Singapur und Australien so weit war, ist also nur der Anfang gewesen. Wenn wie am Dienstag mehrere Backbone-Router gleichzeitig vollkommen ausgelastet sind, kann das Internet auftretende Probleme nicht mehr sofort durch die Umleitung von Datenströmen lösen.


Quelle: www.spiegel.de
Bild: © bhk - Fotolia.com

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