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17.09.2013

Spezialisierung als Freelancer!


Während sich einige Freelancer durch eine hohe Spezialisierung ihrer Dienstleistungen auszeichnen, versuchen andere, sich möglichst breit aufzustellen.

Positionierung: Spezialgebiet oder breite Aufstellung?


Wer sich als Freelancer mit seinen Dienstleistungen und Fähigkeiten auf eine sehr komplizierte Fachrichtung oder Nische spezialisiert, kann in zweierlei Hinsicht profitieren. Zum einen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Unternehmen intern nicht über das entsprechende Knowhow verfügen und daher gewissermaßen zwangsläufig die Dienste eines externen Profis in Anspruch nehmen müssen. Zum anderen ist der Konkurrenzdruck auf hochspezialisierten Tätigkeitsfeldern entsprechend niedriger als in allgemeineren Geschäftsbereichen.

Doch auch Freelancer mit einem breit aufgefächerten Angebotsspektrum haben großen Erfolg. Indem sie eine Vielzahl an Anforderungen und Ansprüchen erfüllen können, steht ihnen eine Fülle an Projekten und Aufträgen offen. Hinzu kommt eine hohe Flexibilität, was Marktschwankungen, Trends und Kundenwünsche anbelangt, so dass trotz höherer Konkurrenz für jeden Freelancer der passende Job zu ergattern ist. Daher stehen nicht nur frischgebackene Freelancer vor dieser Entscheidung, sondern auch alteingesessene Profis denken hin und wieder über Veränderungen nach. Welche Vor- und Nachteile es jeweils mit sich bringt, sich als Spezialist oder eben als Multitalent zu positionieren, wird im Folgenden kurz umrissen.

Vorteile einer exakten Spezialisierung:


Aufbau umfassender Spezialkompetenz
Die Spezialisierung auf eine einzelne Fachrichtung ermöglicht es, sich nach und nach umfassendes und tiefgreifendes Wissen um Technologie, Trends, Vokabular und natürlich auch Unternehmen und Entscheider von Rang und Namen anzueignen. Dies kommt sowohl der Akquise als auch der Abwicklung von Aufträgen sehr entgegen. Hinzu kommt: Auf dem überschaubaren Markt mit seinen benachbarten Bedarfsfeldern spricht sich vergleichsweise schnell herum, wer Sie sind und was Sie anbieten.

Zielgerichtetes Marketing mit Tiefenwirkung
Dadurch, dass Ihre spezifischen Kenntnisse und Fähigkeiten meist eine ebenso spezifische Kundengruppe ansprechen sollen, können Sie Ihr Marketing entsprechend genau ausrichten. Vor diesem Hintergrund können Sie sich darauf konzentrieren, dass Ihre Marketing-Maßnahmen eher eine möglichst große Tiefenwirkung erzielen, statt eine möglichst breite Masse anzusprechen. Darüber hinaus kann Ihnen eine hochgradige Spezialisierung dazu verhelfen, höhere Stundensätze durchzusetzen, als es der Fall wäre, wenn Sie lediglich über Standard-Knowhow oder gar oberflächliche Kenntnisse verfügten.

Renommee & Expertenstatus
Nicht zuletzt stehen die Chancen, sich als Experte Name und Renommee aufzubauen, sehr viel besser, je kleiner der Kreis derjenigen ist, für die Ihr Tätigkeitsspektrum relevant ist. Je überschaubarer die Zahl an Fachveranstaltungen (Messen, Kongresse, Workshops, Seminare) ist, umso wahrscheinlicher können Sie bei einer davon mitwirken oder sogar Ihre eigene ins Leben rufen. Als Redner, Seminarleiter und Autor können Sie vergleichsweise schnell ein interessiertes Fachpublikum erreichen und zudem Unternehmen, die nach Ihren Dienstleistungen suchen, auf sich aufmerksam machen.

Nachteile einer exakten Spezialisierung:


Risiko bei Marktschwankungen & Konjunkturrückgang
Einbrüche des Marktes, auf dem Sie Ihre hoch spezialisierten Dienstleistungen anbieten, oder auch Schwankungen der Konjunktur insgesamt können Freelancern mit exakter Spezialisierung schnell zum Verhängnis werden. Macht ein Problem mit der Software, auf die Sie spezialisiert sind, diese plötzlich für ein Unternehmen nicht mehr attraktiv oder nutzbar, wird man entsprechend auch Ihre Dienste nicht mehr benötigen. Und wenn ein Unternehmen mit einem begrenzten Budget haushalten muss, kann es sein, dass Ihnen jemand, der eine auf die Bedürfnisse des Unternehmens abgestimmte Komplettlösung anbietet, den Rang abläuft. Im Verhältnis könnte er oder sie die Einzelleistung, die Sie als Spezialist anbieten, mit hoher Wahrscheinlichkeit mittels „Paketpreis“ günstiger erbringen.

Ressortbindung durch Expertenstatus
Ein „Exportschlager“ Kanadas ist Ahornsirup, wohingegen man bei Pralinen hierzulande höchstwahrscheinlich eher an die Schweiz denken würde. Kanadische Pralinen würden allenfalls Neugier wecken, gezielt nachfragen aber würde sie zumindest kurz- oder mittelfristig kaum jemand – ebenso dürfte es sich mit Schweizer Ahornsirup verhalten. Wenn Sie folglich ein anerkannter Experte für berater">SAP-Lösungen sind, der sich hochgradig auf dessen Datenbanken oder die Anwendungsentwicklung mit ABAP spezialisiert hat, ist es unwahrscheinlich, dass man gleichzeitig mit Anfragen im Bereich mobiler App-Entwicklung auf Sie zukommt. Je besser Ihr Ruf auf Ihrem Gebiet, desto unwahrscheinlicher ist es, außerhalb von dessen Grenzen tätig werden zu können. Denn ist der Ruf erst etabliert…

Monotonie & fehlende Perspektiven
Ab einem gewissen Grad der Spezialisierung wird es immer schwieriger, ein wenig Abwechslung in den eigenen Arbeitsalltag zu bringen. Die Ansprüche und damit der Druck von Seiten der Kunden sind hoch, Sie versuchen, mit dem gleichen Engagement mehr oder minder die gleiche Tätigkeit für mehrere Ihrer Kunden zu übernehmen. Die Folge kann darin bestehen, dass Sie aufgrund der Eintönigkeit irgendwann die Freude an Ihrer Arbeit verlieren, oder dass Sie stressbedingt mit Konsequenzen wie Burnout und körperlichen Symptomen zu kämpfen haben. Fachlich dürfte irgendwann ebenfalls gewissermaßen der Gipfel Ihrer Kompetenz erreicht sein, so dass es im Grunde nichts Neues mehr für Sie in Ihrem Ressort gibt. Nach so manchem Aufstieg kann es auf dem Gipfel mitunter recht einsam werden.


Quelle: www.freelanceswitch.com
Bild: © alphaspirit - Fotolia.com

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