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09.06.2010

Gesetzliche Pflichtangaben auf Rechnungen


Bereits seit dem 01. Januar 2004 gelten für das Ausstellen von Rechnungen neue Pflichtangaben. In § 14 UStG wird geregelt, welche Angaben in dem Dokument enthalten sein müssen, damit die Rechnung für das Finanzamt im Fall einer Prüfung nachvollziehbar ist. Die meisten Unternehmen, Freelancer und Freiberufler wissen, dass das Finanzamt bei unvollständigen Rechnungsangaben kein Pardon kennt und Verstöße gegen die Formvorschriften den Vorsteuerabzug gefährden. Umso erschreckender ist es, wie viele fehlerhafte Rechnungen dennoch im Umlauf sind.

Pflichtangaben für Rechnungen laut § 14 UStG:

  • Vollständiger Name und Anschrift des leistenden Unternehmers

  • Vollständiger Name und Anschrift des Leistungsempfängers

  • (finanzamtbezogene) Steuernummer oder (die vom Bundeszentralamt für Steuern erteilte)

  • Umsatzsteueridentifikationsnummer

  • Fortlaufende Rechnungsnummer

  • Leistungsbeschreibung (Menge und handelsübliche Bezeichnung der gelieferten Gegenstände oder Art und Umfang der sonstigen Leistung)

  • Ausstellungsdatum der Rechnung

  • Zeitpunkt der Lieferung bzw. Leistung

  • Nach Steuersätzen und -befreiungen aufgeschlüsseltes Entgelt

  • Im Voraus vereinbarte Minderungen des Entgelts

  • Entgelt und hierauf entfallender Steuerbetrag sowie Hinweis auf Steuerbefreiung

  • Ggf. Hinweis auf Steuerschuld des Leistungsempfängers

Zusätzliche Rechnungspflichtangaben in besonderen Fällen laut § 14a UStG:

  • Bei innergemeinschaftlichen Lieferungen, Handelsvertreter-, Güterbeförderungs- und Bearbeitungsleistungen: USt-IdNr. des Kunden

  • Bei Lieferungen neuer Fahrzeuge an Abnehmer ohne Ust-IDNr. Angaben nach § 1b Abs. 2 und 3 UstG

  • Bei Schlussrechnung: vorher vereinnahmte Teilentgelte und auf sie entfallende Steuerbeträge absetzen, falls über Teilentgelte Rechnungen ausgestellt worden sind

  • Hinweis auf Anwendung der Differenzbesteuerung (Reiseleistung, Gebrauchtwaren)

  • Hinweis auf Aufbewahrungspflicht bei Privatpersonen (zwei Jahre)

Enthält eine Rechnung nicht oder nur teilweise die benannten gesetzlichen Pflichtangaben, können u.a. der Vorsteuerabzug oder die komplette Rechnung als Betriebsausgabe vom Finanzamt nicht anerkannt werden. Dann drohen gegebenenfalls hohe Steuernachzahlungen. Daher sollte eine auszustellende bzw. eingehende Rechnung stets auf ihre Vollständigkeit geprüft werden. Als Empfänger dürfen fehlende Angaben auf einer Rechnung auf gar keinen Fall selbst ergänzt oder korrigiert werden. Laut § 14 (4) UStG hat der Empfänger Rechtsanspruch auf eine vollständig und fehlerfrei ausgestellte Rechnung.
Aufbewahrungspflicht
Die Aufbewahrungspflicht von eingehenden sowie gestellten Rechnungen beträgt für Unternehmen 10 Jahre.
Kleinbetragsrechnung
Seit 2007 gelten Rechnungen mit einer Rechnungssumme brutto von bis zu 150 Euro als Kleinbetragsrechnungen. Laut § 33 UStDV bestehen für diese Rechnungen geringere Anforderungen.
Folgende Pflichtangaben müssen auf Kleinbetragsrechnungen stehen:

  • vollständige Name und die Anschrift des Rechnungsausstellers

  • Ausstellungsdatum der Kleinbetragsrechnung

  • Leistungsbeschreibung (Menge und handelsübliche Bezeichnung der gelieferten Gegenstände oder Art und Umfang der sonstigen Leistung)

  • Bruttobetrag sowie Steuersatz der darin enthaltenen Umsatzsteuer

Sonderregelung für Kleinunternehmer
Unternehmen, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 17.5000 € erzielt haben und im laufenden Jahr eine Umsatzgrenze von bis zu 50.000 € nicht überschreiten, können als sogenannte Kleinunternehmer eine vereinfachte Steuererklärung abgeben. Dann sind sie jedoch auch nicht mehr zur Erhebung der Umsatzsteuer beim Kunden berechtigt. Für das Ausstellen einer Rechnung bedeutet das, dass anstelle der errechneten Steuer bzw. des Mehrwertsteuersatzes ein Hinweis auf „Umsatzsteuerfreie Leistungen gemäß § 19 UStG“ vermerkt werden muss. Weitere Informationen rund um die Kleinunternehmerregelung finden Sie hier.

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In Kooperation mit Billomat

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