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24.04.2014

Risiko Projektgeschäft


Rücktritt und Kündigung seitens des Kunden und wie sich IT-Experten dagegen absichern können

Als freiberuflicher IT-Experte stehen Sie oft alleine auf weiter Flur. Es hat durchaus Vorteile, sein eigener Chef zu sein. Doch die Selbstständigkeit bringt auch Risiken mit sich: Statt gesicherter Arbeitszeiten und stetiger Versorgung mit neuen Aufgaben, ist der Freiberufler selbst für die Akquise neuer Projekte zuständig – und die kommen natürlich nicht immer regelmäßig. Zu dieser Ungewissheit kommt ein weiterer Risikofaktor, der nicht unterschätzt werden darf: Der Abbruch des Projekts durch Rücktritt oder außerordentliche Kündigung des Auftraggebers / Kunden.

Welche Absicherungsmöglichkeiten für die genannten Risiken es im Projektgeschäft für Freiberufler gibt, erklärt Ralph Günther, Geschäftsführer von exali.de und Experte in puncto Versicherungsschutz für selbständige IT-Spezialisten.
Der Auftraggeber tritt einfach vom Vertrag zurück – ist das möglich?
Bei Projektverträgen lassen sich zwei Formen des Vertrages unterscheiden: Der Werkvertrag und der Dienstvertrag. Je nachdem, welche Vertragsart auf ein Projekt angewendet wird, ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten die Zusammenarbeit zwischen beiden Vertragsparteien außerplanmäßig zu beenden. Auch bei den finanziellen Folgen sowie der Absicherung müssen diese Unterschiede beachtet werden.

Werkvertrag: Erbringt die Leistung eines Auftragnehmers (inkl. einer eventuellen Nachbesserung) nicht den vom Kunden gewünschten Erfolg, so kann Letzterer vom Werkvertrag zurücktreten. Ein Beispiel: Ein freiberuflicher Entwickler soll für den Kunden ein Softwaremodul . Während des Projektes stellen beide Parteien fest, dass der ursprünglich festgelegte Funktionsumfang der Software unterschiedlich ausgelegt wird. Der Kunde stellt immer neue Forderungen an die Software und ihre Funktionen, die der Auftragnehmer trotz mehrmaligem Nachbessern nicht alle umsetzt. Der Kunde erklärt daraufhin den Rücktritt vom Projekt/ Vertrag.

Warum er das kann? Der §323 BGB räumt Gläubigern einer Leistung ein Rücktrittsrecht ein:
„Erbringt bei einem gegenseitigen Vertrag der Schuldner eine fällige Leistung nicht oder nicht vertragsgemäß, so kann der Gläubiger, wenn er dem Schuldner erfolglos eine angemessene Frist zur Leistung oder Nacherfüllung bestimmt hat, vom Vertrag zurücktreten.“

Was nun? Folgen des Rücktritts vom Projekt
Ein Rücktritt des Auftraggebers bleibt natürlich nicht folgenlos: Rechtlich gesehen muss der „Ausgangszustand“, sprich die jeweilige Situation der beiden Vertragspartner VOR dem Projekt, wiederhergestellt werden. Dementsprechend muss der IT-Freiberufler das Honorar, das er bis zum Zeitpunkt des Rücktritts erhalten hat, zurückzahlen. Der Auftraggeber hingegen muss sämtliche Teilleistungen, die bislang erbracht wurden, herausgeben. Beispielsweise ist es ihm verboten, die bereits entwickelten Software-Bestandteile weiter zu verwenden.

Schlimmer trifft es aber den Auftragnehmer und damit den freiberuflichen IT-Experten, denn er bleibt auf den Kosten sitzen, die er bereits in das Projekt investiert hat. Dazu zählen auch die Honorarkosten für die aufgewendete Arbeitszeit. Man spricht hier von einem Eigenschaden durch vergebliche Aufwendungen – etwa für Personal- oder Sachkosten. Herkömmliche Berufshaftpflichtversicherungen decken diese Art von Schaden nicht mit ab – versichert sind darin nur Schäden Dritter. Durch eine entsprechende Leistungserweiterung der Berufshaftpflicht ist es aber möglich, die Risiken aus Projektverträgen abzusichern.

Auf dem Versicherungsmarkt gibt es diese entweder als integrierten oder zusätzlichen „Versicherungsbaustein“. Eine häufig verwendete Bezeichnung für die Erweiterung, wie sie beispielsweise auch von exali.de angeboten wird, ist Rücktritt des Auftraggebers vom Projekt oder kurz ">php" href="http://www.exali.de/it/IT-Haftpflicht/Ruecktritt-des-Auftraggebers,120036.


Wer zahlt was? Welche Kosten die Versicherung übernimmt
Hat sich ein Versicherungsnehmer gegen den „Rücktritt des Auftraggebers vom Projekt“ versichert, so kommt der Versicherer für die vergeblichen Aufwendungen auf, die der Auftragnehmer (in unserem Beispiel der
Softwareentwickler) im Vertrauen auf den ordentlichen Abschluss des Projektes getätigt hat. Dies sind beispielsweise Personalkosten (auch eigene), Aufwendungen für Subunternehmer oder Freiberufler, Sachkosten z.B. für Anschaffungen von Hard- oder Software, sowie Reisekosten.

Um den Rücktritt aber nicht zu einem lukrativen Geschäft für den Auftragnehmer werden zu lassen, zahlt der Versicherer nur den kalkulierten Werklohn (Umsatz) minus kalkuliertem Gewinn, abzüglich der vereinbarten Selbstbeteiligung (nicht den entgangenen Gewinn).

Aber Achtung: Ganz sorglos sollte ein Freiberufler dennoch nicht in ein Projekt starten. Denn: ist der Rücktritt eine Folge der grob fahrlässig fehlerhaften Einschätzung der vorhandenen technischen, logistischen, finanziellen und personellen Ressourcen durch den Versicherungsnehmer, verweigert manche Versicherung die Leistung ganz oder können zumindest die Entschädigungsleistung nach Schwere des Verschuldens des Versicherungsnehmers entsprechend kürzen.
Ich kündige! Absicherung gegen das Risiko Kündigung
Wird ein Projekt unter dem Mantel eines Dienstvertrags begonnen, so kann ein Rücktritt aus folgender Überlegung heraus nicht durchgeführt werden: Eine Rückgabe der bereits erbrachten Dienstleistungen ist schlicht unmöglich. Deshalb kommt in diesem Fall nur eine außerordentliche Kündigung zur vorzeitigen Beendigung des Projektes in Frage. Diese kann immer nur ab dem Zeitpunkt der Kündigung in die Zukunft gerichtet wirken – nicht jedoch in die Vergangenheit. Daher ist der Auftraggeber auch verpflichtet, dem Freiberufler das Honorar für die bis dahin geleisteten Arbeitsstunden zu bezahlen.

Anders als beim Rücktritt vom Projekt erhält der Freiberufler hier also zumindest einen Teil des vorgesehenen Honorars von seinem Auftraggeber. Dennoch stellt die Kündigung ein finanzielles Risiko für den Auftragnehmer dar: In der Regel hat er sich im Vertrauen auf die normale Fertigstellung des Projektes noch nicht nach einem neuen Projekt umgesehen. Er steht deshalb erst einmal ohne Arbeit da – und damit auch ohne gesichertes Einkommen.

Auch für diese Situationen kann es Leistungen von der Berufshaftpflicht geben, wenn Leistungserweiterungen, wie etwa der ">php" href="http://www.exali.de/it/IT-Haftpflicht/Zusatzschutz-IT-Projektvertraege,6325.<a data-cke-saved-href="/php-entwickler-" >php"="" target="_blank" >zusatzschutz="" für="" it-projektverträge="" (zpv), vereinbart wurden. Der Zusatzschutz sorgt dafür, dass der Versicherungsnehmer so gestellt wird, als hätte er eine ordentliche Kündigung bekommen. Ersatz erhält er für Eigenschäden in Form von ausstehenden Honoraren bis zu dem Zeitpunkt, zu dem eine ordentliche Kündigung frühestens wirksam geworden wäre.

Hinweis: Damit der Versicherungsschutz dieser Leistungserweiterung nicht ins Leere läuft, ist darauf zu achten, dass im Dienstvertrag eine ordentliche Kündigungsfrist vereinbart wurde.
Gute Kommunikation ist die halbe Miete
Besser als Streitigkeiten während des Projektes, die schlimmstenfalls zur vorzeitigen Beendigung der Zusammenarbeit führen, sind klare Absprachen im Vorfeld. Die Zeit hierfür ist in aller Regel gut investiert und zahlt sich im laufenden Projekt mehrfach aus. Sofern ein konkretes Ergebnis geschuldet wird, ist zusätzlich die Erstellung eines detaillierten Lasten- und Pflichtenheftes wichtig, damit alle Wünsche, Anforderungen und Zusagen vor Projektstart schriftlich dokumentiert werden. Für nachträgliche Forderungen sollte es einen nachvollziehbaren „Change-Request-Prozess“ geben. Sollte es dennoch im Projekt zu Differenzen kommen, können diese Unterlagen den Auftragnehmer entlasten und zur Beweisführung dienen.
Tipp: Auf der Homepage von PM-Handbuch.com werden kostenlose Projektformulare zum Download angeboten. Einen passenden Beitrag zum Thema Nutzen von Pflichten- und Lastenheft im Projektgeschäft habe ich vor einiger Zeit auf meinem RGBlog veröffentlicht. Sollten Sie trotzdem auf Nummer sicher gehen wollen, die Leistungserweiterungen RPC und ZPV von exali.de stehen Ihnen zur Verfügung.
Weiterführende Informationen
Freelancer: Wann muss ich haften? Teil 1
Freelancer: Wann bin ich mitversichert? Teil 2
Freelancer: Schützt der Dienstvertrag? Teil 3


Bild: © twixx - Fotolia.com

     

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