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Deutschland: Diskussionen Bewerbung - Re: Projektvermittler werden hoffentlich überflüssig, Diskussions-Foren, Gedankenaustausch, Kontroversen, Meinungen

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Marco Müller


Anmeldung: 07.12.2010
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Betreff: Re: Projektvermittler werden hoffentlich überflüssig
Verfasst am: 18.05.2011 17:53

Sehr geehrter Herr Dr. Köhler,

Wenn Sie (verständlicherweise) schlechte Erfahrungen mit Vermittlern gemacht haben, dann sollten Sie sich die richtigen Vermittler suchen die fachkundig sind.
Ich bin seit zwei Jahren als Vermittler tätig und hatte vorher 12 Jahre als embedded Entwickler gearbeitet. Bei der Firma ROSA Engineering AG wird auf die Fachkenntniss der Vermittler sehr viel Wert gelegt und sowohl Kunden als auch Freiberufler wissen das sehr zu schätzen. Nur so kann man langfristig erfolgreich sein.
Ihre Behauptung, dass Vermittler keine adäquate Leistung erbringen ist natürlich unsinning. Ich glaube, dass werden Sie aber erst dann sehen, wenn sich sich wie geplant als Unternehmen von Freiberuflern zusammenschließen. Da haben Sie einige Punkte nicht berücksichtigt.
Deswegen wird es auch zukünfitg Vermittler geben, die auch Ihnen interessante Projekte zu guten Stundensätzen vermitteln. Und ob sie einen guten Stundensatz erhalten oder nicht, liegt eigentlich letztendlich nur an Ihnen.

Viele Grüße,
Marco Müller
Key Account Manager


Andreas Köhler schrieb am 18.05.2011 um 09:52:
> Liebe Freiberuflerinnen und Freiberufler.
> Sicher kennen alle das Problem. Projektvermittler sind mein Sach- und Fachunkundig. Sie besitzen eben nur eine Lieferantennummer bei großen Unternehmen und kommen so zu Projektausschreibungen. Diese Projektvermittler (die Namen erspare ich mir an dieser Stelle) drücken die Stundensätze und streichen, ohne adäquate Leistung, erhebliche Gelder ein.
> Wir sind gerade dabei einen Pool von Freiberuflichen Ingenieure, Informatiker etc. zu gewinnen um ein Unternehmen als zusammenschluss von Freiberuflichen zu gründen. Das funktioniert allerdings nur, wenn nicht nur an seinen eigenen Vorteil gedacht wird. Eben ein Mitwirken aller die mitmachen möchten. Das hat erstens den Vorteil für den Freiberufler --> ein besserer Stundensatz und zweitens profitieren die Unternehmen --> geringerer Stundensatz und drittens --> die Beratungsqulität des Unternehmens das einen Spezialisten sucht ist deutlich höher und zuletzt --> Die Vermittler werden (hoffentlich) überflüssig.
>
> Geändert am 18.05.2011 09:54 von Andreas Köhler

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Marco Müller


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Betreff: Re: Re: Re: Projektvermittler werden hoffentlich überflüssig
Verfasst am: 19.05.2011 14:35

Hallo Herr Dr. Köhler,
ich muß sagen, dass mir die Diskussion sehr gefällt.
Ich bekomme solche Geschichten (was die Fachkompetenz angeht) auch sehr oft von Entwicklern erzählt und kann mich darüber sehr amüsieren.
Bsp:
Vermittler: wir suchen einen "Punkt N E T 3.5 Entwickler" (er meinte .NET 3.5)
Freiberufler: Kein Problem, ich kenn alle Version von der ersten bis zur 3.0
Verm.: Wenn Sie 3.5 nicht kennen, geht das nicht. Danke.

Wenn ein Vermittler meint, für 45 Euro einen Entwickler zu bekommen, dann dürften bei der aktuellen Marktlage in der Tat schwere Zeiten für diese Firmen anbrechen, was mich sehr freut, weil es seriösen Vermittlern in die Karten spielt.
Gerne können wir die Diskussion auch telefonisch fortführen.

Viele Grüße,
Marco Müller
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Kai Bräutigam
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Betreff: Re: Re: Projektvermittler werden hoffentlich überflüssig
Verfasst am: 03.06.2011 10:15

Leider ist die Diskussion verebbt. Das Thema ist sicher für alle Freelancer wichtig.
Zuerst einmal finde ich es persönlich durchaus verständlich, wenn sich AK über die Vermittler im Allgemeinen ärgert. Wie bei allen Dingen, muss man aber auch hier differenzieren. Es gibt schlechte und es gibt sicher auch gute Vermittler. Meines Erachtens muss ein Vermittler nicht in allen Dingen fachkompetent sein. Aber er sollte wissen, welche Skills tatsächlich gefordert werden und er sollte nicht versuchen für sich allein die beste Marge herauszuholen, sondern im Sinne des Freelancers und des Kunden tätig werden. Dann erst ist er sein Geld wert. Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass zuerst danach getrachtet wird den Stundensatz des Freelancers zu drücken, ohne vorher überhaupt über Inhalte des Projekts gesprochen zu haben. Da wird dann gefragt: "Wie weit können Sie runtergehen? Was ist Ihre Schmerzgrenze?"
Im Focus sollte aber stehen: Was braucht der Kunde, was ist nötig für's Projekt? Wer ist dafür qualifiziert? Danach kann man sich erst über den Preis unterhalten. Dabei kann die Prämisse nicht sein: Möglichst billig. Überhaupt orientiert sich der ausgehandelte Preis oft nicht an den Gegebenheiten des Kunden, sondern an einer möglichst großen Marge für den Vermittler.

Ich weiß nicht, ob ein Zusammenschluss von Freelancern wirklich hilft, diese Probleme zu lösen. Letztendlich denkt ja doch jeder an seinen eigenen Vorteil. Das muss man auch, wenn man als Selbstständiger überleben will. Das heißt aber nicht, dass man sich für jeden Preis verkauft. Es ist unendlich schwer aus der "Billigheimer-Ecke" wieder herauszukommen und angemessene Stundensätze zu verlangen. Daher sollte man auf seine Fähigkeiten und sein Wissen vertrauen und einem Vermittler selbstbewußt gegenüber treten, um seine Marge durchzusetzen.

Gut wäre immer ein Direktabschluss ohne Vermittler. Dennoch möchte ich Vermittler nicht verteufeln. Gute Leute in dieser Branche pflegen die Kundenkontakte und können Verträge mit großen Projektanbietern abschließen, die man als einzelner Freelancer niemals bekommen würde. Warum das so sein muss, entzieht sich meinem Verständnis, aber leider ist das so. Vielleicht müssen wir als Freelancer daran arbeiten, dass große Kunden auch direkte Abschlüsse mit uns machen. Das hat ja auch viele Vorteile.

Was ist ein guter Vermittler?
Nach meiner Meinung trifft das in der Hauptsache zu, wenn er(sie):

ehrliche Verhandlungen für den Freelancer mit Projektanbietern durchführt.
seine Marge für seine Bemühungen ehrlich offenlegt.
nicht nur um das Drücken des Stundensatzes des Freelancers bemüht ist.
echte und ehrliche Kundenpflege betreibt.
sich um pünktliche Zahlung der Freelancer-Rechnungen kümmert.

Gruß

KUB

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Bernhard Höhn


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Betreff: Re: Re: Re: Projektvermittler werden hoffentlich überflüssig
Verfasst am: 07.10.2011 20:18

Mal zum Schmunzeln für Marco Müller:

Bei manchen Vermittlern habe ich auch den Eindruck, dass hier die Fachkompetenz fehlt.
Ich habe sehr oft Telefonate, wie Marco Müller beschrieben hat:

„Wenn Sie diese Version nicht kennen, dann geht das nicht“.

Manchmal frage ich mich auch, wozu ich überhaupt ein CV hinschicke. Ich habe den Eindruck, dass das Ding überhaupt nicht gelesen wird. Folgendes Telefonat im Auto (gekürzt uns sinngemaß). In [] stehen meine Gedanken!

Vermittlerin: Ich habe da Ihr CV vorliegen. Sie haben sich auf das Projekt xyz beworben.
Wir suchen einen C#-Entwickler. Können Sie C#?

Ich: Selbstverständlich [Sonst hättest Du mich ja nicht angerufen]

Vermittlerin: Welche Versionen können Sie ?

Ich: Alle von 1.0 bis 4.0 [steht doch im CV]

Vermittlerin: Mit welchen Datenbanken arbeiten Sie ?

Ich: SQL-Server, Access …. [steht auch im CV]

Vermittlerin: Wir suchen jemanden für die Entwicklung einer Auftragsverwaltung mit C# und SQL-Server. Haben Sie so was oder etwas ähnliches gemacht?

Ich: Sicher. Projekt X, Projekt Y, Projekt Z … usw. [Verdammt noch mal, das steht doch alles im CV]

Vermittlerin: Und bei welchen dieser Projekte haben Sie SQL-Server verwendet ?

Ich: bei allen [steht doch auch im CV]

Vermittlerin (nach 20 Minuten) : Sie haben ja schon ganz schöne Erfahrung. Wie lange programmieren Sie denn schon?

Ich: 35 Jahre [Habe ich das wohl nicht im CV stehen? Ebenso mein Geburtsdatum]

Vermittlerin: Eigentlich das Wichtigste: Wie hoch ist denn Ihr Stundensatz?

Ich: Bei diesem mir beschriebenen Projekt vor Ort: 65 €

Vermittlerin: (nach einer längeren Schweigeminute) Wir können Ihnen leider nur 45 € bieten.

Ich: [hä?] Dafür stehe ich erst gar nicht auf, dafür werden Sie auch keinen C#-Entwickler bekommen.

Vermittlerin: Das habe ich mir schon gedacht, bei Ihrer Erfahrung [hä? Steht doch im CV, wofür hat die Dame das eigentlich verwendet?] Wir suchen ja auch einen Junior-Entwickler

Ich: Wenn Sie das in die Ausschreibung geschrieben hätten, hätte ich mich gar nicht beworben.

Vermittlerin: Auch haben wird das nicht? [Die weiß gar nicht was sie ausgeschrieben hat. –Gute Nacht]

Ein fast 30-minütiges Gespräch für die Katz, nur weil die Vermittlerin nicht in der Lage war, die erste Seite meines CV’s zu lesen, da steht nämlich mein Geburtsdatum und das Jahr drin, in dem ich mit der Softwareentwicklung begonnen habe.

Übrigens: Ich habe später durch andere Quellen erfahren, dass das Projekt dann abgesagt wurde. Ich kann überhaupt nicht verstehen warum – war doch ein gutes Angebot für einen .NET Entwicker. 

Man könnte fast an einen Sketch glauben, aber das ist wirklich (erst vor ein paar Wochen) passiert. Das ist zwar das wirklich extremste Telefongespräch mit einem Vermittler gewesen, habe ich aber in stark abgemilderter Form öfters.

Zur Ehrenrettung muß ich aber auch sagen: Es gibt tatsächlich auch Vermittler, die absolut kompetent sind. Das sind doch die Meisten.

Gruß
Bernhard Höhn
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