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Deutschland: Eliza und die Grenzen der Künstlichen Intelligenz | Interviews - IT-Projekte für Freelancer, Selbstständige und Freiberufler

 
Interviews

Eliza und die Grenzen der Künstlichen Intelligenz

03.02.2007

Eliza und die Grenzen der Künstlichen IntelligenzDer heute 84jährige Joseph Weizenbaum zählt zu den legendären Persönlichkeiten der Forschungsszene für Künstliche Intelligenz (KI). Der "Pionier, Dissident und Computerguru", der als Professor für Computerwissenschaften am MIT in Cambridge unterrichtete und mittlerweile wieder in Berlin lebt, entwickelte 1966 ein Computerprogramm namens Eliza, das einen einfachen Dialog mit einem Menschen führen konnte.

Das Projekt spielt auf Eliza Doolittle aus George Bernhard Shaws Schauspiel Pygmalion an: "Meine Idee war, dass mein Sprach-Analyse-Programm in seiner sprachlichen Ausdrucksweise immer besser, also differenzierter, genauer und raffinierter werden würde, genau wie die Blumenverkäuferin aus dem Musical, unter der Anleitung ihres Lehrers Professor Higgins", erläutert Weizenbaum.

"Eliza versteht mich" hätten ihm so manche zugeraunt, die an einem Terminal des MIT ein paar Zeilen mit der automatischen Pseudo-Psychiaterin ausgetauscht hatten, erinnert sich Weizenbaum. Dabei war sein Rezept simpel: Man nehme die Eingabe, suche nach wichtigen Begriffen und treibe mit dem Echo solcher Sätze das Gespräch voran: "Mein Freund hat mich hergeschickt". "Ach so, Ihr Freund hat Sie hergeschickt". "Er sagt, ich sei oft depressiv". "Tut mir leid zu hören, dass Sie oft depressiv sind". Wenn diese Regel nicht greift, helfen ein paar Fragen weiter, die die Aussage aufnehmen: "Es ist wahr, ich bin unglücklich". "Hilft es Ihnen, hierher zu kommen, um nicht mehr unglücklich zu sein?" - so entlockte das Programm den freiwilligen Versuchskaninchen intime Geständnisse: "Schaut man sich die Struktur der therapeutischen Gesprächstechnik an, die von Carl Rogers entwickel wurde, so fällt dabei auf, dass sie wie eine Art Echo funktioniert", so Weizenbaum.

Sogar Therapeuten lobten die Mensch-Maschine-Interaktion, wollten es ausgebaut haben und sahen Möglichkeiten, es für Routinearbeiten in ihren Praxen einzusetzen. Das war für Weizenbaum seinerzeit ein "Damaskus-Erlebnis". Er wandelte sich vom Forscher für Künstliche Intelligenz zum Kritiker einer übertriebenen Computergläubigkeit. Seine These ist, dass die Menschen, auch wenn sie einst den Computern Intelligenz zubilligen, niemals zulassen dürften, dass Computer für sie Entscheidungen fällen. Die Kritik von Weizenbaum hat sich nach Ansicht des Spracherkennungsexperten Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge, auf die KIForschung positiv ausgewirkt. Die Informationstechnik muss sich an den Menschen anpassen. Softwaresysteme müssen daher intelligenter werden, damit sie besser verstehen, was der Mensch von ihnen will und damit sie sich umgekehrt dem Menschen einfacher verständlich machen: Das gilt besonders für die automatische Spracherkennung per Telefon. Es geht nicht um eine Nachahmung der Kommunikation zwischen Menschen, sondern um eine angemessene Behandlung des Menschen im Dialog mit dem Computer", so Pape.

Auch Wolfang Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) und einziges deutsches Mitglied des Nobelpreiskomitees, rückt humanistische Ziele in den Vordergrund seiner Forschungsarbeiten. "Die semantische Wende ist die größter Herausforderung für die Informatik in den nächsten Jahren. Nicht die Interaktion über komplizierte Kunstsprachen mit Tastatur und Maus, sondern die Kooperation in der Alltagsbegrifflichkeit mit Sprache und Gestik sollen in Zukunft im Zentrum einer 'Informatik für den Menschen' stehen", sagt Wahlster.






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